Filmplakat Planet der Affen: Prevolution
8,5/10

„Ceasar is home.“ (Planet der Affen: Prevolution, 2011)


Planet der Affen: Prevolution

Besprechung

Will Rodman (James Franco) arbeitet an einem Mittel gegen Alzheimer. Sein Medikament ist eine Gentherapie auf einem Virus basierend, das zunächst nur bei Schimpansen angewendet wird und tatsächlich bei einer Schimpansen-Damen namens Bright Eye anschlägt. Das Mittel hat nur einen Nebeneffekt: es repariert nicht nur beschädigtes Gehirngewebe, es steigert auch die Intelligenz.

Bright Eye vererbt ihre kognitiven Fähigkeiten an ihren Nachkommen, den Will bei sich aufnimmt und den er groß zieht. Ceasar (Andy Serkis), wie er genannt wird, entwickelt sich prächtig. Mit acht Jahren ist er groß, kann Zeichensprache und empfindet auch starke Gefühle, so z.B. für Wills Vater Charles (John Lithgow), der an Alzheimer leidet. Als Charles vom Nachbarn Hunsiker (David Hewlett) angegriffen wird, sieht Ceasar rot und greift den Mann an. Dafür wird er in die Primaten-Station von John Landon (Brian Cox) gesperrt.

Ceasar weiß nicht, wie ihm geschieht, kann sich jedoch dank seiner Intelligenz nicht nur innerhalb der Affenrangordnung schnell ganz oben einreihen, er plant auch noch mehr …

Meinung von

Zugegeben, als ich das erste Mal davon hörte, dass es ein Remake von Planet der Affen geben solle, dachte ich — wie wohl so viele — 'Muss das sein? Noch ein Affenplaneten-Film?' Dabei hatten wir wohl alle das 2001er-Fiasko von Tim Burton im Hinterkopf.

Planet der Affen: Prevolution ist aber nicht ein einfaches Remake. Die alten Filme entstanden in einer Zeit, in der noch sozialkritische Themen angegangen wurden. Im ersten und zweiten Teil die Angst vor der atomaren Vernichtung, im dritten Teil Fremdenhass und im vierten Film der Reihe war es Sklaverei. Das haben wir in der jüngsten Inkarnation des Films nicht. Gut, man könnte u.U. eine Kritik an der Gentechnik sehen.

Außerdem lassen sich — oh Wunder! — die alten Filme nicht mit dem neuen vergleichen, weil Welten, wenn nicht gar Universen zwischen ihnen liegen, was die Tricktechnik anbelangt. Selbst in Tim Burtons Planet der Affen waren Menschen unter den Affenmasken. Regisseur Rupert Wyatt geht in Planet der Affen: Prevolution den digitalen Weg. Seine Affen sind computeranimiert. Echte Schauspieler in engen, grauen Anzügen spielten die Affen, Motion Capture ermöglichte eine Umsetzung der gespielten Bewegungen in Affen auf der Leinwand. Und das wirkt richtig gut!

Der junge Ceasar ließ dann auch bei einem hart gesottenen Kinogänger wie mir ein Seufzen aufkommen, so süß war der. Wobei man einfach an dieser Stelle Serkis Schauspielkunst loben muss. Seine Mimik ist es, die Ceasars Mimik ausmacht. Wenn der Affe sich bei Charles Rodman anlehnt und mitbekommt, dass die Menschen in seiner Umgebung vor ihm Angst haben, dann schaut er so unglaublich traurig, dass man hart schlucken muss. Serkis hatte aber auch schon Übung darin einen Affen zu spielen. Er war mit der selben Technik "der Mann hinter" King Kong. Bei beiden Filmen war dann auch die mittlerweile sehr bekannte neuseeländische Firma Weta Workshop die treibende Kraft hinter den Tricks.

Die Technik ist toll. Zwar gibt es ein oder zwei Stellen, wo man aus der Illusion herausgerissen wird und wieder sieht, dass man einen computeranimierten Schimpansen vor sich hat, unterm Strich wirkt das alles sehr realistisch. Punktabzug gibt es für solche "Späße", wenn die Affen einfach durch Glasscheiben springen und mal eben vier Stockwerke runterspringen, um unbeschadet weiterzulaufen. Na ...

Die Geschichte von Planet der Affen: Prevolution ist ungefähr zwischen Teil 3 (Flucht vom Planet der Affen) und 4 (Eroberung vom Planet der Affen) angesiedelt. Mehr hin zum vierten Teil. Wir sehen, wie schlecht Ceasar in der Primaten-Station behandelt wird und wie er sich gegen die Menschen auflehnt. Meine Sitznachberin jammerte zwar zwischendurch, der Film könne mal endlich mehr Fahrt aufnehmen, aber mir gefiel es, dass Wyatt der Entwicklung Ceasars viel Raum lässt. Alles andere wäre nur hingerotzt gewesen.

Es gab noch ein paar nette Anspielungen an die alten Filme. Nebenbei erleben wir im Fernsehen den Start einer Rakete zum Mars. Dabei handelt es sich um die "Icarus". So hieß auch das Raumschiff, mit dem Charlton Heston 1968 in der Zukunft landete. Oder wenn Ceasar seine randalierenden Artgenossen vom Töten abhält, schreit er "No" — das wurde den Affen im vierten Teil als Erziehungsmaßnahme andauernd entgegengebrüllt. Auch kreischt der gemeine Pfleger Dodge Landon (Tom Felton) die Affen an, die ihn angreifen, sie sollen ihre dreckigen Pfoten von ihm nehmen. Das erinnert an die Szene, als Charlton Heston in das Affendorf kommt und die selben Wort schreit.

Gute Geschichte, viel Emotionen in den Computeranimationen, Spannung — mehr will ich nicht. Und alles habe ich bekommen. Wie gut die Animationen sind, erkennt man daran, dass ich an manchen Stellen mitging und ebenfalls die Zähne fletschte. Was zum Glück niemand gesehen hat ...

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