Filmplakat Gandhi
9/10

„'Auge um Auge' führt nur dazu, dass die ganze Welt erblindet.“ (Gandhi, 1982)


Gandhi

Besprechung

Mohandas Karamchand Gandhi (Ben Kingsley) ist ein indischer Rechtsanwalt, der aus London kommend, in Südafrika arbeiten soll. Hier muss er erfahren, dass er mit viel Feindschaft bedacht wird. Es ist ihm z.B. nicht erlaubt, erster Klasse im Zug zu fahren oder auf dem Bürgersteig zu gehen. Und das, obwohl er doch Mitglied des Britischen Empires ist. Gandhi fängt an, sich für Menschenrechte zu interessieren und für die Rechte der Inder an sich, die in einem fremden Land so feindselig behandelt werden. Gandhi predigt gewaltlosen Widerstand und hat Erfolg damit, wenn er auch ins Gefängnis dafür gehen muss. Unterstützung findet er nicht nur in den vielen Indern und Muslims, sondern auch in dem christlichen Geistlichen Charlie Andrews (Ian Charleston) und natürlich seiner Frau Kasturba (Rohini Hattangadi). Am Ende kann er seine Bedingungen durchsetzen — und geht danach nach Indien.

Hier wird er wie ein Held gefeiert. Mittlerweile hat Gandhi seinen Anzug abgelegt und kleidet sich wie ein armer Mann. Nachdem er Bekanntschaft mit Professor Gokhale (Shreeram Lagoo) gemacht hat, reisen er und Kasturba durch Indien, um dieses Land besser kennenzulernen. Nach seiner Rückkehr appelliert er ans indische Volk, sich zu vereinen und kämpft für die Unabhängigkeit Indiens von den Briten. Sein gewaltloser Kampf bringt ihn über die Jahre viel Zeit im Gefängnis ein. Doch er bleibt stets seiner Art zu kämpfen treu.

Unterstützt wird Gandhi, dem mittlerweile der Beiname Mahatma – große Seele – gegeben wurde, vom Industriellen Sardar Patel (Saeed Jaffrey), dem muslimischen Jurist und Politiker Mohamed Ali Jinnah (Alyque Padamsee) sowie dem indischen Politiker und späteren ersten Minister Indiens, Pandit Nehru (Roshan Seth).

Meinung von

Ein großartiger Film über einen großartigen Mann, hervorragend von Ben Kingsley porträtiert, der dafür den Oscar als bester Hauptdarsteller erhielt. Regisseur Sir Richard Attenborough wurde bereits in den 1960ern darauf angesprochen, er möge doch einen Film über Gandhi drehen, basierend auf der Gandhi-Biografie von Louis Fischer. Zu der Zeit hatte Attenborough keine Erfahrung als Regisseur, zudem gab es kein Geld, diese Geschichte zu erzählen. Attenborough benötigte über 20 Jahre, um das Geld zusammenzustottern, kein Studio wollte das Thema finanzieren. Schließlich hatte er das Finanzielle geklärt, u.a. sollte eine Bank mitfinanzieren. Nun ging es darum, den richtigen Hauptdarsteller zu finden.

Sehr früh fiel der Name Alec Guinness. Attenborough gefiel der Gedanke nicht, einen weißen Europäer künstlich zu schminken, um eine so wichtige geschichtliche Figur wie Gandhi darzustellen. Wir können in Lawrence von Arabien sehen, wie Guinness mit dunkler Schminke im Gesicht ausschaut … Schließlich war es Attenboroughs Sohn Michael, der seinem Vater vorschlug, er möge sich einen jungen Schauspieler namens Ben Kingsley anschauen. Sein Vater wäre verrückt, wenn er Kingsley, selber Halb-Inder, nicht die Rolle anböte. Zu der Zeit hatte Attenborough noch John Hurt in die engere Wahl gezogen und ließ beide Schauspieler zu einer Lesung einladen – obwohl er selber Vorsprechen als ungerecht ansieht. Hurt sah Kngsley an sich vor der Garderobe vorbeigehen und soll Attenborough darum gebeten haben, das Vorsprechen ausfallen zu lassen. Attenborough möge ungesehen Kingsley nehmen – was er dann auch tat und was eine gute Entscheidung war.

Kingsley portraitiert den Menschenrechtler und "Befreier Indiens" so gut und hatte auch so eine ungeheure Ähnlichkeit mit Gandhi, dass viele ältere Inder, die das Original noch kennengelernt hatten, Kingsley für den Geist Gandhis hielten. Kingsley selber soll vor und während der Dreharbeiten den selben Lebenswandel wie Gandhi angenommen haben, also die Ernährung umgestellt, auf dem Boden geschlafen haben u.a. Das sollte sich alles auszahlen. Die Darstellung von Kingsley ist hervorragend. — Über die Figur Gandhis muss hoffentlich kein Wort mehr verloren werden, da er ein großer Mann war.

Der Film fängt schon mit dem Hinweis an, dass eine Biografie, die Lebensgeschichte eines so bedeutenden Menschen, nicht alle seine Stationen zeigen kann, nicht jede Person, mit der er Kontakt hatte oder die er berührt hat. Dennoch hat Attenborough ein anschauliches und beeindruckendes Bild geschaffen. Er hatte aber auch gute Unterstützung: So konnte er sich z.B. viel Rat und Tipps von Indiens erstem Ministerpräsidenten und Gandhi-Freund Nehru abholen. Die Tatsache, dass Nehru 1964 verstorben ist, zeigt, dass Attenborough lange Zeit an der Umsetzung des Films gesessen hat – der Film selber kam immerhin 1982 auf die Leinwände.

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