Filmplakat Cloverfield
3,5/10

„Du bist so blöd wie’n Meter Feldweg.“ (Cloverfield, 2008)


Cloverfield

Besprechung

Es ist der Abend bevor Rob (Michael Stahl-David) nach Japan geht. Seine Freundin Beth (Odette Annable) hat eine große Party organisiert. Eigentlich sollte Robs Bruder Jason (Mike Vogel), so Beth, den Abend mit der Kamera filmen, der gibt den Job aber an Hudson (T.J. Miller) ab. Hudson läuft also wie ein Wilder durch die Menge und filmt chaotisch alles, was ihm vor die Kamera kommt. Dabei hat das Plappermaul es auf Marlena (Lizzy Caplan) abgesehen. Die Party geht voran, es gibt Spannungen zwischen Rob und Beth, sie verlässt die Party.

Nur kurze Zeit danach bricht die Hölle aus in Lower Manhattan. Irgendwas Großes läuft durch die Straßen und zerstört die Stadt. Die Partygesellschaft löst sich auf. Rob, Jason, Hudson, Lily (Jessica Lucas) und Marlena fliehen. Sie wollen raus aus der Stadt, doch das unbekannte Wesen, das durch die Stadt läuft und alles zerstört, scheint überall zu sein. Ein Rauskommen aus Manhattan ist schwer bis unmöglich.

In all diesem Chaos, das Hudson mit seiner kleinen Kamera weiter filmt, versucht Rob die Sache mit Beth geradezubiegen. Er will zu ihr. Sie hat ihm am Telefon gesagt, dass sie verletzt ist. So zieht die Truppe, die allmählich dezimiert wird, gen Midtown. Ein schwieriges Unterfangen. Manhattan gleicht einem Kriegsschauplatz. Das Militär ist mittlerweile eingetroffen und feuert mit allem, was es hat auf das riesige Wesen – das zum Unglück aller, auch noch kleine, bissige Freunde mitgebracht hat.

Meinung von

Der Streifen wird immer als J.J. Abrams-Film gehandelt – was eine nette PR-Masche ist. Der Star Trek- und Super 8-Regisseur war jedoch "nur" Produzent. Matt Reeves (Planet der Affen: Revolution) saß das erste Mal bei einer großen Produktion im Regie-Sessel.

Cloverfield ist ein Creature-Horrorfilm, wobei wir wenig von dem Viech zu sehen bekommen. Das liegt auch an der Erzählweise mit der Wackelkamera. Gott, wie ich diese subjektive Kamera hasse. Hinzu kommt das ewige, super-nervige Gebrabbel von Hudson. Man stelle sich vor: Wackel-Wackel mit Brabbel-Brabbel.

Die Charaktere werden 18 Minuten vorgestellt. Das ist größtenteils belangloses Gesabbel auf der Party. Dann das Grummeln und die Hölle bricht los. Sehr schön ist die Szene, in der der Kopf der Freiheitsstatue von Liberty Island seinen Weg nach Manhattan findet. Oh, was müssen die Amis dabei gejammert haben …

Was folgt ist wildes Gerenne, ein völlig irrationaler – Sorry, ich meinte natürlich liebender – Rob, der sich mitten im Weltuntergang ins Herz des Terrors begibt, weil seine Freundin ihm eine Hilfenachricht hinterlassen hat. Bruder tot und alles – aber schön noch mal zurück und Freundin retten. Zur Überraschung aller laufen die Freunde alle brav mit. Und immer die Wackel-Kamera draufgehalten. — Mal unter uns: Wenn um mich herum die Welt untergeht und ich um mein Leben rennen muss, werde ich einen Teufel tun und ständig durch eine Kamera auf das Geschehen schauen …

Noch einmal zurück zu J.J. Abrams. Sein Einfluss als Produzent muss sehr groß gewesen sein. Es gibt die Geschichte von ihm, in der sein Großvater ihm eine Kiste geschenkt hat, die er bis dato nicht geöffnet hat, weil Abrams das Mysteriöse so sehr mag. Was uns zum Erscheinen des Monsters bringt. Wo kommt es her? Wieso ist niemandem aufgefallen, dass es "auf einmal" in New York steht? – Das sind diese Mysterien, die Abrams mag: "Da ist was Großes und viele Fragen stellen sich dazu, aber wir werden sie nicht beantworten. Nein. Wundert Euch, liebe Kinogänger. Wundert Euch!" Dabei hat Drew Goddard (The Cabin in the Woods), der viel mit Joss Whedon zusammengearbeitet hat und mit Cloverfield sein erstes großes Skript ablieferte, die Geschichte zum "Aus-der-Luft-auftauch"-Monster geschrieben.

Scheinbar war das Monster keine große Gefahr für die Protagonisten, die wir mit der Kamera verfolgen. Ich meine, das hätte einfach mal drauftreten müssen und der Film wäre zu Ende gewesen. Deshalb kommen des Monsters kleine Helfer zum Einsatz. Wie Parasiten fallen sie vom dem Viech ab und juckeln durch die Stadt, sind in den Tunneln und übertragen eine Kopfexplosionskrankheit. Ja nee … Is’ klar.

Man muss einen stabilen Magen haben, ob der Wackelkamera und einige Geduld, wird diese doch auf die Probe gestellt. Wieso laufen die zurück ins Kriegsgebiet? Wieso hoppelt das eine Mädel in Stöckelschuhen auf dem Dach eines umgekippten Wolkenkratzers herum? Wieso die Kamera? Das Monster? Parasiten? Warum fliegt der Rettungshubschrauber schön parallel zur Gehrichtung des Monsters? Wäre es nicht irgendwie geschickte gewesen, sich von dem Monster zu entfernen? Ich meine ja nur. Könnte die Überlebenschancen erhöhen …

Wieso ist das Monster mal so richtig unverwundbar? Die Armee wirft alles mögliche auf das Viech und da passiert nichts. Okay. Das kann man beantworten, wenn man Abrams anhört. Der war wohl in Japan und hat zusammen mit seinem Sohn diverse Spielzeuggeschäfte aufgesucht. Dabei fiel ihm auf, dass Godzilla ein elementarer Bestandteil der japanischen Pop-Kultur zu sein scheint. Die radioaktive Echse ist überall. Abrams wollte ebenfalls eine solche Ikone schaffen. Da hilft auch Unzerstörbarkeit. Oder nicht … Wer redet heute noch übers Cloverfield-Monster?

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