Filmplakat Abyss – Abgrund des Todes
8/10

„Die Jungs sind genau so erfreulich wie 'ne Steuerprüfung.“ (Abyss – Abgrund des Todes, 1989)


Abyss – Abgrund des Todes

Besprechung

Ein amerikanisches U-Boot mit 192 Raketen an Bord, u.a. Atom-Raketen, verfolgt etwas Unbekanntes im Kaimangraben und geht verschütt. Die Marine sendet eine Hand voll Seals, um mit Hilfe der Besatzung einer experimentellen Unterwasser-Ölplattform das U-Boot zu finden. Vielleicht hat jemand überlebt und was ist an Bord des U-Boots passiert?

Virgil Brigman (Ed Harris) ist der Chef der Plattform und nicht begeistert von dem Unterfangen. Zu allem Unglück wird auch noch seine Frau Lindsey (Mary Elizabeth Mastrantonio) in die Tiefe gesendet. Virgil und Lindsey befinden sich im Prozess der Scheidung. Lt. Hiram Coffey (Michael Biehn) wird mit seinen Männern ebenfalls nach unten geschickt. Während sich die Plattform in Richtung des U-Boots bewegt, braut sich an der Oberfläche ein gewaltiger Sturm zusammen.

Lindsey scheint unter Wasser etwas zu gesehen zu haben, auch wenn ihr niemand glauben will. Sie vermutet Außerirdische hier unten in den Tiefen der See. Coffey hingegen glaubt daran, dass die Russen hinter der Aktion stehen und davor sind, die nuklearen Sprengköpfe von dem US-U-Boot zu entwenden. Er setzt alles daran, um das zu verhindern.

Meinung von

Nachdem James Cameron sich mit Terminator einer sehr düsteren Zukunft zugewendet und mit Aliens ins tiefe, kalte All vorgewagt hatte, geht es mit The Abyss in die Tiefe und die Kälte des Atlantischen Ozeans hinab. Wir befinden uns mitten im Kalten Krieg, die Angst vor den Kommunisten und vor einem Atomschlag sind immer noch sehr präsent (Wer konnte ahnen, dass nur wenige Jahre später die Berliner Mauer und damit auch der Kommunismus fallen würde?). In dieser Zeit hat Cameron nicht die Zukunft düster gemalt, sondern das, was vor der Haustür geschah. Die Welt war von Angst beherrscht. Jederzeit hätten sich die beiden Großmächte USA und UdSSR an den Hals springen können. In dieser angespannten Situation findet Cameron ein wenig Hoffnung unter der Meeresoberfläche.

Cameron ist bekanntlich sehr von den Tiefen des Meeres beeindruckt. Er hat 2005 eine Expedition ins Challengertief im Marianengraben vorangetrieben und ist sogar selber hinabgetaucht. Zwei Jahre davor drehte er eine Dokumentation über Die Geister der Titanic. In The Abyss verfrachtet er die Außerirdischen auf den Boden des Ozeans. Sie sind da und das schon lange. Sie sind keine Bedrohung, auch wenn Coffey das glauben will. Coffey ist der Inbegriff des gehorsamen, nicht denkenden Soldaten, der immer den Kampf sucht. Klar, dass er am Ende die echte Bedrohung ist, nicht irgendwelche Wesen von einem anderen Planeten.

Ich mag The Abyss für seinen Optimismus. Die Welt, in der wir leben, ist von uns gestaltet – und das nicht in der besten Art, die möglich wäre. Wir hassen, misstrauen und drohen. Krieg findet immer und überall statt. Wer einen gesunden Verstand hat und sich das von außen anschaut, muss denken, die Menschen haben alle eine Klatsche. Entweder rotten sie sich gegenseitig aus oder sie werden zu den Sternen greifen und "da draußen" alles platt machen. Kein Wunder, dass die Alien, die weitaus fortschrittlicher sind als die Menschen, dem Handeln der Erdenbewohner skeptisch gegenüberstehen. Sie sind es, die den Monster-Sturm aufkommen lassen, sie sind es, die gen Ende riesige Flutwellen auf die Küsten zurollen lassen. Die Menschen gehören ausgelöscht. Sie sind eine Bedrohung.

Doch es gibt auch gute Menschen. Lindsey ist von Anfang an begeistert von den anderen Wesen und glaubt auch keine Sekunde daran, dass sie etwas Schlimmes im Schilde führen. Virgil geht sogar ein enormes Risiko ein, wenn er in extreme Tiefen absteigt, um den Schlamassel, den Coffey angezettelt hat, wieder rückgängig zu machen. Er taucht auf über fünf Kilometer in die Tiefe hinab. Das ist natürlich kaum möglich. Wie gut, dass die Seals Flüssigsauerstoff mitgebracht haben, eine neue Art der Beatmung für enorme Tiefen. Dass dort unten die üblichen Atemgase zu sehr komprimiert werden und man das nur mit einer Atemflüssigkeit beheben kann – okay. Aber wenn Virgil so tief hinabsteigt, glaube ich kaum, dass sein kleiner Anzug von O'Neill (Ich behaupte übrigens, dass die solche Tiefseetaucheranzüge überhaupt nicht herstellen ...) diesem Druck standhalten kann. Aber so ist Hollywood eben.

Die Außerirdischen erinnern ein wenig an E.T., der war auch freundlich und keine Bedrohung. Ja, die Abyss-Aliens sind irgendwie schon eine Bedrohung – ich sage nur Flutwellen –, aber sie sind nicht zur Erde gekommen, um hier wild um sich zu schieße. Also nicht wie in Mars Attacks!. ;-) Das ist es, was ich mit optimistisch meinte.

Diese Aliens sehen, was Virgil auf sich nimmt und sehen hier das Gute im Menschen, weshalb sie uns dann auch verschonen.

Von der Nachricht abgesehen, dass wir Menschen uns mal endlich zusammenreißen müssen und nicht immer alles mit Gewalt lösen sollten, ist The Abyss aber auch gut umgesetzt. Die Trickeffekte waren für damalige Zeit sehr ordentlich. Spannung kommt sehr oft auf, immerhin kann man sich die Abgründe der Weltmeere eher vorstellen, als die Leere des Weltalls. Was hier Virgil und Co. passiert, betrifft uns eher und man geht deshalb auch mehr mit. The Abyss hat für das CGI-Wasserwesen am Ende sogar den Oscar für die besten Spezialeffekte erhalten.

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