Filmplakat X-Men: Erste Entscheidung
9/10

„Friede war nie eine Option.“ (X-Men: Erste Entscheidung, 2011)


X-Men: Erste Entscheidung

Besprechung

Wir erleben noch einmal den traumatischen Moment, in dem Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) als kleiner Junge 1944 in einem KZ zum ersten Mal seine magnetischen Kräfte entdeckt. Sebastian Shaw (Kevin Bacon), der mit den Nazis zusammen arbeitet, will die Mutation Eriks kontrollieren. Dafür tötet er auch die Mutter des kleinen Jungen.

1962: Erik ist mittlerweile erwachsen und auf der Suche nach Shaw, um sich an ihm zu rächen. Shaw hat sinistre Pläne, denen die CIA-Agentin Moira MacTaggert (Rose Byrne) auf der Spur ist. Als sie im Hellfire Club das erste Mal in ihrem Leben sieht, wie Menschen sich in Kristall verwandeln (Emma Frost, dargestellt von January Jones) oder aus dem Nichts auftauchen und mit Nebel verschwinden (Azazel, dargestellt von Jason Flemyng), sucht sie die Hilfe eines Experten auf dem Gebiet der Genetik. Sie wendet sich an den jungen Professor Charles Xavier (James McAvoy) und holt ihn zusammen mit seiner besten und langjährigen Freundin Raven Darkhölme (Jennifer Lawrence) in einen CIA-Sitz.

Bei einem Einsatz, bei dem die CIA mit Hilfe des Telepathen Xavier dem Industriellen Shaw ganz nahe kommt, lernt Charles Erik kennen. Die beiden Männer werden Freunde und rekrutieren mit Hilfe von Hank McCoys (Nicholas Holt) Maschine Cerebro weitere Mutanten. Zusammen wollen sie Shaw aufhalten, der den dritten Weltkrieg plant.

Meinung von

Danke Matthew Vaughn dafür, dass die X-Men wieder zum Leben erwacht und interessant geworden sind. Nachdem Brett Ratner mit dem unsäglich schlechten X-Men - Der letzte Widerstand das Franchise getötet hatte, dachte ich, es könnte nie wieder einen guten X-Men-Film geben. Kick-Ass-Regisseur Vaughn hat die Zeit zurückgedreht und zeigt uns in einer tollen Story mit guten Schauspielern die Anfänge des Mutanten-Superhelden-Teams, wobei er sehr viel Wert darauf legt, dem Publikum zu verdeutlichen, dass Xavier und Erik einst die besten Freunde waren.

Wir lernen eine Menge über die Charaktere. Gut, das erste Zusammentreffen des jungen Xavier (Laurence Belcher) mit der jungen Raven (Morgan Lily), das war eklig zucker-süß und kitschig. Da dachte ich nur F-Wort, das wird böse hier. Aber dabei handelt es sich nur um eine kleine Szene. Der Rest des Film baut sich zunächst ruhig auf, bekommt mit der Rekrutierung der weiteren Mutanten Schwung und als wir die Pläne Shaws erfahren, wird es richtig spannend. Vaughn mischt die Mutanten-Geschichte mit Historie. Die Kuba-Krise wird Teil von Shaws Plan die Menschheit auszulöschen.

James McAvoy spielt gut, wobei ich in den englisch-sprachigen Trailern einen intensiveren Eindruck von seiner schauspielerischen Leistung ahnte. Den Film müsste man wohl noch mal im Original sehen. Sehr gut gefallen hat Michael Fassbender als wütender, gepeinigter Erik Lehnsherr. Er ist brutal, er ist emotional, er ist kühl. Fassbender hat eine tolle Darbietung geboten. Wir nehmen ihm seine Beweggründe ab.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die noch recht junge, aber anscheinend sehr ehrgeizige Jennifer Lawrence. In Winter's Bone konnte sie auf voller Länge überzeugen. In X-Men: Erste Entscheidung spielt sie die beste Freundin von Xavier, die sich mit der Tatsache, dass sie blauhäutig und gelbäugig ist, nicht abfinden kann. Sie erwartet Verständnis von Xavier, doch der ist mit seiner Wissenschaft zu sehr beschäftigt. Erik hingegen erkennt ihre "Not" und weiß sie richtig zu behandeln.

X-Men: Erste Entscheidung transportiert die Nachricht, dass es in Ordnung ist, wenn man anders ist. Das haben die Vorgänger ebenfalls gemacht. Das liegt an der Figur des geradezu "weisen" Xaviers. Die Geschichte ist spannend und gut erzählt, es gibt gute Witze und einen hervorragend gespielten Bösewicht. Kevin Bacon ist böse, verschlagen, unmoralisch, manipulativ, eklig. Das sind stets die dankbarsten Rollen - und Bacon füllt diese wunderbar aus.

Schön fand ich das Bild, dass die Amerikaner und die Russen im Grunde doch gleich sind. Als sich die Krise vor Kuba zuspitzt und die Mutanten eingreifen, zeigt sich das sehr schön. Dabei bleibt Vaughn ernst und wird nicht kitschig. Eine weitere Nachricht, die nebenbei transportiert wird.

X-Men: Erste Entscheidung hat Überlänge, aber keine Längen. Außerdem gibt es zwei absolut sehenswerte Cameo-Auftritte! Einer ist urkomisch und der andere ist eher unauffällig, stellt aber - ebenso wie der erste - eine gelungene Brücke zu späteren Ereignissen und Filmen her.

Ein absolutes Highlight des Kinojahres 2011 und absolutes Muss für die heimische DVD-Sammlung. Regisseur Matthew Vaughn legt mit X-Men: Erste Entscheidung eine neue Messlatte auf für hoffentlich weitere Filme. Die Charaktere und Schauspieler bieten sich für Fortsetzungen an.

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