Filmplakat Winter’s Bone
7/10

„Never ask for what oughta be offered.“ (Winter’s Bone, 2010)


Winter’s Bone

Besprechung

Im amerikanischen Gebiet der Ozarkgebirge lebt die 17-jährige Ree (Jennifer Lawrence) mit ihren beiden jüngeren Geschwistern und ihrer lethargischen Mutter. Der Vater kocht Crack und ist schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen worden. Ree kümmert sich um alles im Haus, bringt die Geschwister zur Schule, sorgt sich ums Essen, kümmert sich um die Mutter, alles hängt an Ree. Die Idee zum Militär zu gehen hat sie schon aufgegeben.

Eines Tages steht der Sheriff (Garret Dillahunt) vor der Tür und will Rees Vater sprechen. Der Vater hat einen Gerichtstermin. Und da er sein Haus und Hof als Sicherheit für seine Kaution angegeben hat, warnt der Sheriff Ree. Erscheint ihr Vater nicht vor Gericht, ist Ree das Haus los.

Ree macht sich auf den Weg um ihren Vater zu finden. Dabei wandert sie von Haus zu Haus in der Nachbarschaft, sucht Hilfe bei ihrer Freundin Gail (Lauren Sweetser) und sogar bei ihrem Onkel Teardrop (John Hawkes). Der will jedoch nicht helfen, hat er doch herzlich wenig mit seinem Bruder zu tun. Erst in der schlimmsten Not zeigt sich, dass Blut doch dicker als Wasser ist.

Meinung von

Ein Film bei dem man nicht wusste, ob man bleiben sollte (immerhin vierfach Oscar-nominiert) oder ob man nicht doch lieber gehen sollte. Winter's Bone ist verdammt ruhig. Das muss man in der heutigen, hektischen Zeit schon aushalten können. Dann kommt hinzu, dass der Film von Regisseurin Debra Granik sehr "dreckig" ist. Also die Schauspieler sind ungewaschen, verdreckt und spiegeln die untere Schicht in Amerikas Herzen wieder. Die Familie von Ree hat kaum Geld, das Haus ist unordentlich, das Leben trist und traurig. Dennoch steht da eine junge Erwachsene, die Mutter- und Ernährerersatz in einem sein muss.

Jennifer Lawrece spielt ausdrucksstark. Wirklich beeindruckend. Man merkt ihr all die Last an, die auf ihren jungen Schultern liegt. Und dennoch hat sie Kraft um aufrecht zu stehen. Sie wagt sich auf der Suche nach ihrem verschwundenen Versager-Vater an die schlimmsten Gestalten in der Umgebung heran. Und wenn sie zum Schluss den Beweis für den Tod ihres Vaters erbringt — absolut harter Tobak.

Der Film ist definitiv nicht Jedermanns Sache. Viele werden ihn sterbenslangweilig finden. Ich habe schon solche Stimmen vernommen. Aber wenn man selber die Kraft und den Mut aufbringt, sich 100 Minuten Drama und Probleme Anderer anzuschauen, wird man irgendwie berührt aus dem Kino gehen. Ich will nicht sagen, dass man da eine Epiphanie o.ä. hat, aber eine Stelle im Inneren wird der Film bestimmt ansprechen — und zwar nicht angenehm.

Nach dem Kinobesuch im Streit's (†) gab es u.a. die Frage, wieso Winter's Bone vierfach Oscar-nominiert sei. Also die Darstellung von Jennifer Lawrence ist gut. Ob es der beste Film 2010 ist ... wage ich zu bezweifeln. Die Nominierung ist wohl eher ein "amerikanisches Ding", immerhin wird ein Bereich der Vereinigten Staaten gezeigt, der bestimmt so sehr häufig existiert. In das Drama wird noch etwas Mystery gemischt. Schließlich fragt man sich schon die gesamte Zeit über, wo denn der Vater wohl stecken mag.

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