Filmplakat Kick-Ass
10/10

„With no power comes no responsibility.“ (Kick-Ass, 2010)


Kick-Ass

Besprechung

Superhelden? Pahh. Die gibt es nicht. Also solche mit außergewöhnlichen Kräften und so. Aber warum nicht ein Held sein und anderen Menschen helfen? Das kann doch nicht so schwer sein. Das denkt sich zumindest Dave Lizewski (Aaron Johnson), ein ganz gewöhnlicher Typ an einer Highschool, dessen einzige Kraft die zu sein scheint … für Mädchen unsichtbar zu sein.

Doch irgendwann, nach dem x-ten Mal, dass er und sein Kumpel in einer Gasse ausgeraubt wurden, entscheidet sich Dave zu Kick-Ass zu werden. Grün-gelb gewandet und mit Maske auf, lässt er sich den Arsch versohlen böse Buben schlecht aussehen. Dank Handykamera und Co wird er schnell zum Star im Internet und findet sogar Nachahmer.

Da haben wir Damon Macready (Nicolas Cage), der zusammen mit seiner Tochter Mindy (Chloe Moretz) auf einem sehr seltsamen Waffen-Tripp ist. Mindy himmelt ihren Daddy an und lässt sich auch schon mal mit kugelsicherer Weste ausgerüstet über den Haufen knallen. Alles Training. Denn inspiriert von Kick-Ass streifen auch Vater und Tochter bald Kostüme über und machen als Big Daddy und Hit-Girl den Ganoven die Hölle heiß. Erwähnte ich schon den Waffen-Tick?

Damon ist nicht hinter irgendwelchen Straßenräubern her. Er hat noch eine Rechnung mit dem Oberganoven Frank D’Amico (Mark Strong) offen. Der findet es allerdings gar nicht lustig, dass seine Leute alle von diesen Vigilanten abgemurkst werden. Also eröffnet er die Jagd auf Kick-Ass, den er als Mörder seiner Angestellten ansieht.

Um an Kick-Ass heranzukommen schlägt D’Amicos Sohn Chris (Christopher Mintz-Plasse) vor, man müsse das Vertrauen des Maskierten gewinnen — indem man sich selber maskiert: Red Mist ist geboren.

Meinung von

Hammer! Ich habe mich wahnsinnig auf den Streifen gefreut gehabt und von den Filmen, die es bisher in diesem Jahr gab, ist das ganz klar mein Favorit! Die Geschichte ist durchgeknallt, völlig überdreht und doch bodenständig. Da gibt es keine Superhelden, keine Superkräfte, nur einen Typen, der zu viele Comics gelesen hat, ein Träumer ist und zu oft überfallen wurde. Nun ergreift er die Chance und räumt selber auf. Das geht am Anfang auch nicht gerade locker über die Bühne.

Der — für mich bis dato — unbekannte Aaron Johnson passt wunderbar in die Rolle des Losers, der sich ein Herz nimmt und Kraft aus einer Maske zieht. Einfach rein ins Getümmel. Ist ja für einen guten Zweck.

Cage und Moretz hingegen sind fern jeder Realität. Ihre Charaktere sind zum Brüllen komisch, wie selbstverständlich sie mit Waffen umgehen: absolut gaga. Cage konnte endlich mal wieder einen Helden spielen. Das wollte er ja schon immer. Für Superman hat's nicht gereicht (zum Glück), also hat er sich später den Ghost Rider gekrallt. Nun "Big Daddy", der verdächtig nach so einem Typen ausschaut, der wie eine Fledermaus rumläuft. Sein einziger Gesichtsausdruck fällt unter der Maske kaum auf, man kann ihn also gut ertragen.

Kick-Ass ist verdammt gewalttätig. Da wird auf jeden Körperteil geschossen, das Blut spritzt, die Gehirne spritzen auch, es wird mit Messern überall in den menschlichen Körper gestochen, außerdem werden Bösewichte und Helden blutig geschlagen oder getreten. Das ist alles dermaßen überzeichnet, dass es wieder komisch wird. Verstärkt hat Regisseur Matthew Vaughn — der uns schon den wunderbaren Sternenwanderer beschert hat — den Bruch mit der Gewalt, indem er irrsinnig witzige Musik im Hintergrund abspielt. Wenn die elfjährige Mindy mit ihrem Doppelschwert die bösen Buben das erste Mal metzelt (!), dann hören wir im Hintergrund hippelige Kindermusik. Köstlich.

Der Film hat keine Längen, einen miesen Bösewicht, einen netten "Doppelspion", verrückte Waffen-Freaks mit einer Mission (ja, es wird erklärt, warum Macready hinter D'Amico her ist) und einen netten, charismatischen Kumpeltyp von Helden. Dave, alias Kick-Ass, merkt irgendwann, dass seine Idee vom Vigilanten ihm dann doch über den Kopf wächst. Er reift im Laufe des Films und gewinnt endlich an Selbstvertrauen.

Doch, der Film hat mir gut gefallen und ich habe mich sehr gut amüsiert. Ein Film wie gemacht für einen Comic-Freak. Würde ihn mir sogar noch einmal anschauen wollen.

Den Comic von Mark Millar wollte ich übrigens immer schon mal gelesen haben. Erst recht, als es klar war, dass die Serie verfilmt werden würde. Aber den bekommt man nicht mehr. Und wenn, dann nur für viel Geld. Vielleicht ändert sich das ja jetzt und sie bringen eine Neuauflage heraus? So kann ich jedenfalls nicht sagen, wie nah sich Matthew Vaughn an die Millar-Vorlage hält.

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