Filmplakat Total Recall
7,5/10

„Die Vergangenheit ist nichts als ein Hirngespinst.“ (Total Recall, 2012)


Total Recall

Besprechung

Die Erde hat diverse Kriege erdulden müssen, die hauptsächlich chemisch geführt wurden. Land ist rar. Es gibt nur noch das Vereinigte Königreich Großbritannien und Australien, das aber jetzt die Kolonie genannt wird. In der Kolonie leben die Arbeiter. Sie kommen ins Königreich über eine Art riesigen Fahrstuhl namens “The Fall”. Der ganze Spaß wird regiert von Kanzler Cohaagan (Bryan Cranston).

Während Arbeiter Doug Quaid (Colin Farrell) von Träumen mit einer Frau geplagt wird, finden im Königreich Anschläge von Terroristen statt. Dougs Frau Lori (Kate Beckinsale) weiß zwar von den Träumen, aber nicht von der mysteriösen Frau.

Doug ist nicht zufrieden mit seinem Leben als Fabrikarbeiter. Da stolpert er über Rekall, einem Institut, das einem falsche Erinnerungen implantiert. Die Implantierung des gewünschten Geheimagenten-Szenario läuft kräftig schief. Wie es scheint, ist Doug tatsächlich ein Agent. Was ihm auch seine Frau zu verstehen gibt, die fortan Jagd auf ihn macht.

Doug bekommt auf seiner Flucht Hilfe von der Frau aus seinem Traum. Melina (Jessica Biel) ist aber mehr als nur ein Traum.

Meinung von

Schon wieder ein Remake? Muss das sein? 22 Jahre nach dem ersten Total Recall-Film, kommt Kate Beckinsal-Ehemann und Underworld-Regisseur Len Wiseman mit einer Neuerzählung des Klassikers daher. Skeptisch war ich schon, wusste aber nicht, wie skeptisch. Zum Glück war die Enttäuschung nicht groß. Die Geschichte um den Arbeiter Douglas Quaid, der ein Doppelagent ist, wird gekonnt neuerzählt. Der Mars ist nicht mehr Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, dafür gibt es eine neue Rahmengeschichte um Krieg, Ausbeutung, Machthunger und Profitgier. Wollte der 1990er-Cohaagen den Mars beherrschen, will Bryan Cranstons Cohaagen die Reste der bewohnbaren Welt unter seine Fuchtel bekommen.

Total Recall ist vor allem eines: ein schneller, optisch hervorragend gestalteter Actionfilm. Bestes Popcorn-Kino. Die Rahmengeschichte stimmt, die Figuren sind gut. Hatte Arnold Schwarzenegger im 1990er-Film noch Michael Ironside an seinen Fersen, der der Lover seiner vorgetäuschten Frau war, ist es nun diese selber, die Jagd auf Doug macht. Und — Mann! — Kate Beckinsale kann eine miese Schlampe sein! Holla. Sie spielt die Böse sehr gut. Verbissen, gewalttätig, skrupellos — alles, was man von einem Gegenspieler erwartet. Colin Farrell ist in Ordnung. Sein Dackelblick stört manchmal. Während Schwarzenegger die Rolle des schlagfertigen Geheimagentens angenommen hatte, ist Farrells Douglas Quaid eher den gesamten Film über zweifelnd und irgendwie zurückhaltend. Da war der Österreicher "bulliger".

Ein auffälliger Unterschied zwischen dem Original und dem Remake von Total Recall ist der, dass in der 2012er-Version sehr schnell erklärt wird, dass Doug ein Agent ist, der die Terroristen infiltrieren sollte und dann "geläutert" wurde. Der Überraschungsmoment war also schnell dahin.

Unterm Strich ist Total Recall, wie bereits erwähnt, bestes Popcorn-Kino. Als einer, der mit dem Original aufgewachsen ist, kann ich sagen, haben sie die Geschichte gut und stimmig abgewandelt. Die Kulissen in der Kolonie erinnern ein wenig an Blade Runner, bei den künstlichen Ordnungshüter musste ich an I, Robot denken. Ansonsten war die Optik einfach klasse. Okay, die Lense Flares hat Wiseman bei Star Trek abgeschaut, die nervten dann doch schon ein wenig.

Total Recall von Paul Verhoeven hat einige Spuren im Gedächtnis einer Kinogänger-Generation hinterlassen. Diese werden netterweise von Wiseman — der zu dieser Generation gehört — netterweise aufgegriffen. Wenn Doug im Camouflage-Modus im Königreich einreisen will, dann geht vor ihm eine Frau, die sehr an Schwarzeneggers Verkleidung erinnert, als er auf dem Mars ankommt. Auch lässt Farrells Doug recht früh im Film einen Satz fallen, wonach er schon gerne zum Mars reisen würde. Beides Reminiszenzen an das Original. Ebenso die Dame mit den drei Brüsten. Danke dafür! Allerdings wirkte sie doch falsch platziert. Dass im Original eine Frau mit drei Brüsten auf dem Mars rumläuft, war entsprechend erklärt: radioaktive Strahlung auf dem Mars rief Mutationen hervor. Aber wieso hatte im neuen Film eine Frau drei Brüste?

Wer Action mag, kann sich den Streifen anschauen. Wer Angst hat, dass sein lieb gewonnener 1990er-Film zerstört wird, kann beruhigt sein. Wer Kate Beckinsale mag, kommt voll auf seine Kosten. Dennoch gibt es keine volle Punktzahl. So perfekt der Streifen auch gemacht ist, irgendwie fehlt ihm "die Seele". Er wirkt zu glatt.

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