Filmplakat The Shape of Water
7,5/10

„I don't know if he's a god. I mean ... he ate a cat.“ (The Shape of Water, 2017)


The Shape of Water

Besprechung

Die beiden Putzkräfte Elisa Esposito (Sally Hawkins) und ihre Freundin Zelda Fuller (Octavia Spencer) arbeiten in der Nachtschicht bei einer Forschungsanstalt, die die Amerikaner noch vor den Russen ins All bringen will. Als die beiden Frauen gerade in einem Labor unterwegs sind, wird ein neues Forschungsexemplar reingebracht. Der Sicherheitsmann Richard Strickland (Michael Shannon) hat am Amazonas einen Amphibienmenschen (Doug Jones) gefangen. Man erhofft sich von diesem Wesen Erkenntnisse zu gewinnen, die das Rennen um den ersten Menschen im Weltall für die Amis entscheiden wird.

Elisa ist seit der Geburt stumm und wohnt neben ihrem Bekannten Giles (Richard Jenkins) über einem Kino. Die Frau interessiert sich für das Wesen und schleicht sich immer wieder heimlich ins Labor. Langsam baut sie eine Beziehung zu dem Amphibienwesen auf. Beide können nicht sprechen, beide sind auf ihre Weise isoliert und einsam. Es schmerz Elisa mit ansehen zu müssen, wie Strickland das fremde Wesen immer und immer wieder foltert.

Als General Hoyt (Nick Searcy) keinen Sinn mehr in den Experimenten sieht, befiehlt er Strickland, das Wesen zu beseitigen. Elisa bekommt das mit und setzt alles daran, ihren neuen Freund zu retten. Dabei erhalten Elisa, Zelda und Giles unerhofft Hilfe von Dr. Robert Hoffstetler (Michael Stuhlbarg).

Meinung von

Mein zweiter Film im Rahmen der Fantasy Filmfest White Nights im Savoy. Der Film sahnt vor den Oscars einen Preis nach dem anderen ab und ist 2018 für 13 Goldmänner nominiert. Da ich Guillermo del Toro-Filme mag, musste ich den Film natürlich sehen. Vor dem Film gab es eine kleine Mini-Ansprache von del Toro. Nicht persönlich, aber auf der Leinwand. Im Grunde hat seine nur ein paar Minuten dauernde Rede alles über den Film ausgesagt: Es ist ein Liebesfilm. Liebe zwischen ungleichen Partnern, Liebe zur Musik, Liebe zum Film. Wer Action a la Pacific Rim erwartet ist jedoch sowas von falsch im Kino! So falsch ...

Del Toro, der auch die Geschichte geschrieben hat, beweist wieder einmal, dass er ein fantastischer Geschichtenerzähler ist. The Shape of Water – oder wie er in Deutschland mit Subtitel heißen wird: Das Flüstern des Wassers – scheint sich bei Der Schrecken vom Amazonas zu bedienen. Beide Fischmänner sind vom Amazonas, sehen sich sehr ähnlich und wurden von den Eingeborenen als Götter verehrt. Während jedoch die Version aus dem Jahre 1954 noch ein Creature-Horror-Film war, hat The Shape of Water nur ein Monster: Strickland. Das Amphibienwesen ist hier freundlich.

Die Ausstattung des Films ist grandios und mit der musikalischen Untermalung aus diversen alten Filmen sehr stimmig umgesetzt. Doug Jones, der bereits in Hellboy einen Fischmann spielte, kann auf seine langjährigen Erfahrungen zurückgreifen und bietet uns so einen starken, majestätischen Fischmann, der gefühlvoll ist und für den wir schnell Sympathien entwickeln.

Interessant ist es schon, dass die beiden Hauptpersonen im Film stumm sind. Und dennoch sitzen wir gebannt im Kinosaal und schauen was da noch kommt.

Sally Hawkins spielt ihre stumme Elisa verträumt und überfreundlich. Bis auf das eine Mal, als sie Strickland etwas sehr Unfeines in Zeichensprache sagt ... Ein wenig erinnert sie an Amélie in ihrer Güte und Romantik. Man sieht schon, so richtig viel Neues bietet die Geschichte um Elisa und den Fischmann nicht. Dennoch ist es die Art und Weise von del Toro, die den Film so schön macht.

Der Regisseur von Blade II kennt sein Handwerk und streut von Anfang an den einen oder anderen Hinweis auf das Ende, die "Auflösung" des Films ein. So ganz überraschend kommt der Schluss also nicht, das mindert jedoch auch nicht die Schönheit des Endes.

Leider wurde ich vor dem Film extrem genervt, was mir den Genuss etwas vermiest hat. Auch denke ich, ist der Besuch des Films als Paar ein anderes Erlebnis. The Shape of Water ist ein Liebesfilm. Etwas, was es heute auch nur noch selten gibt. Ich bleibe aber dabei und sage, dass Casablanca immer noch die größte Liebesgeschichte ist, die die Filmgeschichte bisher hervorgebracht hat.

The Shape of Water ist definitiv ein schöner Film, der einem so manches Mal ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Er ist stimmungsvoll, romantisch, fantastisch. Man sollte ihn sich a) auf der großen Leinwand anschauen, b) mit der Liebsten/dem Liebsten zusammen und c) sich vorher nicht ärgern lassen. Dann ist der Film sehenswert und er wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ob er nun wirklich 13 Oscar-Nominierungen wert ist, wage ich jedoch zu bezweifeln.

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