Filmplakat The French Dispatch

7/10

"I like how ruthless you are. It's part of your beauty. I think." — The French Dispatch, 2021

The French Dispatch

Besprechung

Vor 50 Jahren hat Arthur Howitzer, Jr. den French Dispatch gegründet. Im französischen Dorf Ennui-sur-Blasé hat der Ableger eines amerikanischen Magazins das Licht der Welt erblickt. Für Howitzer ist dieses nun erloschen. Es gibt eine klare Ansage: Wenn Howitzer verstirbt, soll der Dispatch eingestellt, die Druckmaschinen eingeschmolzen und die Autoren gut abgefunden werden. Um das Magazin zu würdigen, kommen die einzelnen Ressorts der Zeitschrift zu Wort. Will man Howitzer verstehen, muss man den French Dispatch verstehen.

Herbsaint Sazerac (Owen Wilson) berichtet von seinem Fahrrad aus über die fortschreitende Urbanisierung des Dorfes. Die Abteilung Kunst, vertreten durch J.K.L. Berensen (Tilda Swinton), schildert die Geschichte des Doppelmörders Moses Rosenthaler (Benicio Del Toro), der im Gefängnis das Malen angefangen hat und durch den zwielichtigen Kunsthändler Julian Cadazio (Adrien Brody) zu einer Berühmtheit gemacht wird.

„Politik und Poesie“ unterliegt Lucinda Krementz (Frances McDormand), die über eine Studentenrevolution berichtet. Eigentlich sollte sie unparteiisch berichten, aber da sie mit dem Anführer Zeffirelli (Timothée Chalamet) schläft – und sein Manifest redigiert – fällt das etwas flach.

Roebuck Wright (Jeffrey Wright) berichtet schließlich vom gefeierten Polizeikoch Nescaffier (Steve Park), der einen heldenhaften Einsatz während eines Entführungsfalls hat.

Meinung von

Der aufmerksame Leser wird wissen: Ich liebe Wes Anderson-Filme. Sie sind schräg, seltsam, verschroben, komisch und immer liebenswert. Das soll bei The French Dispatch nicht anders sein. Dennoch ist der Film nicht ganz oben auf dem Regal zu finden. Episodenfilme sind immer etwas gewagt und schwierig. Wir sehen mehrere kleine Geschichten, die im Grunde nichts miteinander zu tun haben. Zwar wird am Anfang des Films erklärt, was den Zuschauer erwartet, dennoch wird es irgendwie nicht klar, dass es im Grunde um Howitzer geht. Bill Murray, ein alter Hase im Anderson-Universum, hat auch nur eine sehr kleine Rolle.

The French Dispatch sprüht über von fantastischen Einfällen. Wie zu erwarten sind die Figuren exzentrisch und seltsam. Zu jeder der Figuren fühlt man sich hingezogen. Ja, auch zum knurrenden Benicio Del Toro, der wunderbar spielt.

Während des Films wurde bewusst: Mit The French Dispatch liefert Anderson genau das, was wir erwarten. Es ist seine Bildsprache, seine skurrilen Charaktere und Handlungen, es ist sogar sein Stammensemble. Neben Bill Murray, Tilda Swinton, Adrien Brody, Jason Schwartzman und Owen Wilson sind selbstredend auch Bob Balaban, Willem Dafoe und Edward Norton dabei. Saoirse Ronan, die zum ersten Mal bei Grand Budapest Hotel mitgewirkt hat, ist erneut zu sehen. Es sind so viele bekannten Gesichter, dass es schon zu viel ist. Man hat den Eindruck, die Leute reißen sich in einem Anderson-Film mitspielen zu dürfen und der lässt alle rein. Sei die Rolle auch noch so klein.

Ich würde übrigens niemals so weit gehen und behaupten, Saoirse Ronan und Dune-Darsteller Timothée Chalamet seinen hier nach Lady Bird und Little Women "wieder vereint". Die treten nicht einmal in der gleichen Episode auf. Alles andere wäre nur schamloses Link-Dropping. Upps ... Sorry.

Anderson hat alles, was ihn ausmacht, in diesem Film erneut hervorgeholt und stellt seine Sprache in all ihrer Pracht in den Vordergrund.

Anstatt einer durchgehenden Geschichte haben wir bei The French Dispatch also mehrere kleine. Der rote Faden ist sehr dünn. Zwar dauert der Film nur angenehme 108 Minuten, die eine oder andere Erzählung hätte dennoch gerne etwas gestrafft worden sein. So fühlt sich The French Dispatch hin und wieder etwas langatmig an. Vor allem die Sache mit der Studentenrevolte. Eine verrückte Idee, keine Frage, aber dennoch einen Tick zu lang.

The French Dispatch soll nicht verrissen werden. Es ist immer noch ein guter Film, der warm und gut ist, ein Streifen bei dem man viel und herzlich lachen muss. Es ist eben nur nicht der beste Anderson-Film. Er wird dennoch seinen Weg ins heimische DVD-Regal finden, das ist schon mal sicher.