Filmplakat Grand Budapest Hotel
8,5/10

„Hat er gerade meine Katze aus dem Fenster geworfen!?“ (Grand Budapest Hotel, 2014)


Grand Budapest Hotel

Besprechung

Mr. Mustafa (F. Murray Abraham) erzählt im Jahre 1968 einem jungen Schriftsteller (Jude Law) die Geschichte des langsam vor dem Verfall stehenden Grand Budapest Hotel. Mr. Mustafa war einst (im Jahre 1932) der neue Lobby Boy Zero (Tony Revolori), der vom damaligen Concierge M. Gustave (Ralph Fiennes) unter dessen Fittiche genommen wurde.

M. Gustave war ein großartiger Mann, alle liebten ihn — besonders die älteren Damen. So auch die steinreiche Madame D. (Tilda Swinton) aus dem benachbarten Lutz. Als sie verstirbt, reist M. Gustave sofort mit seinem Lobby Boy zu ihr. Anwesend ist die gesamte, geldgierige Sippschaft, allen voran Madame D.s Sohn Dimitri (Adrien Brodie). Die reiche Witwe hat ausgerechnet M. Gustave ein wertvolles Gemälde vermacht. Und weil alle hinter ihm und dem Bild her sind, stiehlt er es kurzerhand. Also nicht wirklich stehlen, immerhin wurde es ihm vermacht. Doch das sieht Dimitri anders.

Der berühmte Concierge des Grand Budapest Hotels wird des Mordes bezichtigt und kommt ins Gefängnis. Zero versucht seinen Mentor aus dem Knast rauszuholen. Dabei hilft ihm die liebliche Konditorei-Gehilfin Agatha (Saoirse Ronan). Doch schon ist der Polizist Henkels (Edward Norton) hinter ihm her, sowie Dimitris Schläger Jopling (Willem Dafoe).

Meinung von

Ein typischer, ein herrlicher, ein wundervoller Wes Anderson-Streifen. Angefangen im Hier und Jetzt, gehen wir erst ins Jahr 1985 zurück, wo der gealterte Schriftsteller (Tom Wilkinson) seine Geschichte erzählt, die im Jahre 1968 spielt, wo der Besitzer des Hotels, Mr. Mustafa, ihm dessen Geschichte erzählt, die im Jahre 1932 spielt. Irgendwo in einem Land, das es mittlerweile nicht mehr gibt.

Wie in allen Anderson-Filmen sprudeln die Ideen aus einer ständigen Quelle dahin, munter, fröhlich, mit einem Hauch Bitternis. Die Kamerafahrten sind grandios und unverkennbar. Die Farben sind gewohnt kräftig. Man findet sich schnell in der bekannten Wes Anderson-Welt wieder und gleich wohl. Die Handlung ist fantastisch und skurril.

Alle Schauspieler sind wunderbar besetzt. Ralph Fiennes spielt seine Rolle hervorragend. Auf der einen Seite ist er der noble Concierge, aber im nächsten Moment schimpft und flucht er wie der größte Primitivling. Der Darsteller von Zero, Tony Revolori, junge 18 Jahre alt, mimt den unerfahrenen aber absolut treuen Lobby Boy glänzend. Er wirkt nicht dümmlich, sondern aufgeweckt, zurückhaltend und sympathisch. Er verteidigt seine Liebe Agatha und beschützt seinen Mentor. Ein wahrer Freund.

Willem Dafoe, ein Musterbeispiel für die zwielichtigen, bösen Gestalten, hat in Grand Budapest Hotel eine äußerst dankbare Rolle. Sein Schläger mit dem vorstehenden Unterkiefer und den fehlenden Zähnen ist schon beim ersten Blick angsteinflößend.

Wes Anderson hat es mal wieder geschafft, eine Truppe Schauspieler für die Dreharbeiten zu einer eingeschworenen Familie zusammenzuführen. Dann hüllt er eine charmante, leichtfüßige Geschichte um sie und lässt sie locker laufen. Zwischendurch gibt es putzige Aufnahmen mit Miniaturmodellen zu sehen, die dem gesamten Film noch mehr Liebenswürdigkeit verleihen. Ein absoluter Wohlfühlfilm — für Freunde des Schrägen. Die knapp 100 Minuten sind wie im Fluge verstrichen.

Übrigens finde ich, dass Ralph Fiennes mit seinem Schnauzbart wie ein junger Götz George ausschaut. Das nur mal so am Rande …

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