Besprechung
Im Jahre 1719 lebt die junge Commanche-Frau Naru (Amber Midthunter) mit ihrem Stamm in den Weiten des amerikanischen Westens. Wie jeden Tag steht sie auf und sammelt Beeren und Wurzeln fürs Essen. Dabei möchte sie viel lieber auf die Jagd gehen. Ihr großer Bruder Taabe (Dakota Beavers) kann seine kleine Schwester verstehen. Er ist der Hauptjäger des Stammes. Als Taabe mit seinen Jagdgenossen aufbricht, einen Puma zu erlegen, schließt sich Naru den jungen Männern an. Taabe lässt sie mitkommen, immerhin ist Naru eine gute Fährtenleserin.
Während der Jagd findet Naru Fußspuren, die zu keinem Tier passen, das sie kennt. Die Männer sagen, es sei ein Bär, aber Naru glaubt nicht daran. Deshalb macht sie sich am nächsten Tag zusammen mit ihrem Hund Sarii auf den Weg, dieses Ding zu finden und zu erlegen. Immerhin hat sie vor zwei Tagen den großen Donnervogel im Himmel gesehen und deutet das als gutes Zeichen.
Der Donnervogel war aber in Wirklichkeit ein Raumschiff, das einen Predator abgesetzt hat. Naru muss sich also einem technisch überlegenen Alien stellen — weiß davon jedoch zunächst noch nichts.
Meinung von Nils
Der fünfte Film im Predator-Franchise. Diesmal geht es in die Vergangenheit. Also schmeißt man einfach einen technisch dominanten Predator ins Rennen gegen eine "Stock und Stein"-Frau? Da kann man sich doch jetzt schon denken, wie es ausgeht ...
Tatsächlich ist dieser Predator nicht so hochgezüchtet, wie die Aliens, die im 20. und 21. Jahrhundert die Erde besuchen. Dieser Predator hat zum Beispiel weniger "Spielzeug" und trägt dazu noch eine Maske aus Knochen. Auch dieser Predator ist "primitiv" — aber immer noch weitaus weiter entwickelt als ein Uramerikaner des 18. Jahrhunderts. Es bleibt also ein ungleicher Kampf — oder?!
Was Naru nicht an Technologie hat, das hat sie dafür an Grips. Sie konnte sich zwar noch nicht in ihrem Stamm beweisen, aber sie ist bereits eine großartige Jägerin. Wo der Predator mit Technik trumpft, kann Naru vor allem mit List und Geduld gegenhalten. Dabei wirkt das alles nicht "künstlich" oder gewollt, der Kampf zwischen den beiden Kontrahenten ist ausgeglichen. Das macht den Film gut.
Regisseur und Mit-Autor Dan Trachtenberg hatte vor Prey eigentlich nur einen abendfüllenden Film (10 Cloverfield Lane) auf seiner Tanzkarte. Der Rest waren TV-Serien. Mit Prey steigt Trachtenberg ins Predator-Universum ein. Nachdem er für 10 Cloverfield Lane eine Nominierung der "Directors Guild of America" für "Outstanding Directing - First-Time Feature Film" erhalten hat, dachte man sich wohl bei Disney, der könne auch einen beliebten Charakter wie den Predator umsetzen. Ja. Hat er ordentlich gemacht.
Wir sehen viel von der Kultur, der amerikanischen Ureinwohner. Gleich zum Anfang des Film zeigt Trachtenberg eine Naru, die in einer "typischen Frauenrolle" agiert. Doch sie will mehr. Ist das so ein kitschiges Emanzipationsdingens? Nein. Naru, das lernen wir schnell, ist wirklich stark, geschickt, schlau und kann es locker mit ihren männlichen Stammesmitgliedern aufnehmen. Allerdings ist das nicht ihre Rolle innerhalb des Stammes. Egal. Naru weiß sich durchzusetzen. Wie gesagt, das wirkt alles authentisch und nicht aufgesetzt.
Dass der Film authentisch wirkt, kommt daher, weil man zwei Commanchen das Skript hat umschreiben lassen, so dass es keine reine Hollywood-Fantasie wurde. Apropos "echt" — der Film liegt in einer englischen Version und einer Version in der Commanche-Sprache vor. Im Film selber sprechen die Ureinwohner hauptsächlich Englisch. Das kommt daher, weil Trachtenberg das Jagd auf Roter Oktober-Phänomen vermeiden wollte. Wir erinnern uns, in dem Film sprechen Sean Connery und Sam Neill anfangs Russisch, bis die Kamera auf einen Mund zoomt und beim Rauszoomen sprechen sie fortan Englisch.
Ich mochte den Film. Wir haben das klassische Motiv von Mensch gegen Jäger, wenn auch diesmal nicht so technisch hochgezüchtet. Amber Midthunter überzeugt als Naru, die sich nicht mit der ihr zugewiesenen Rolle zufrieden gibt und stattdessen mit Schläue dem überlegenen Gegner entgegentritt. Prey ist ein "gewagter" Schritt im Predator-Franchise, der aber gut funktioniert.
Leider lief der Film nur im Streamingdienst und nicht im Kino.