Filmplakat Die Mumie
5,5/10

„Die Vergangenheit bleibt niemals für immer begraben.“ (Die Mumie, 2017)


Die Mumie

Besprechung

Irgendwo im Irak haben Nick Morton (Tom Cruise) und Chris Vail (Jake Johnson) den Auftrag feindliche Truppen auszumachen. Doch stattdessen nutzen sie ihre lose Leine dazu, im Irak Antiquitäten zu rauben und auf dem Schwarzmarkt zu verhökern. Nick ist in den Besitz einer Art Schatzkarte gekommen – weit abseits von dem Ort, wo Nick und Chris eigentlich sein sollen. Sie geraten in arge Schwierigkeiten und können nur durchs Militär gerettet werden. Dabei entdecken sie eine riesige, unterirdische Gruft. Da müssen Schätze drin sein!

Die Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis), von der Nick die Karte gestohlen hat, kommt angepisst zur Ausgrabungsstätte und entdeckt ein ägyptisches Grab – mitten in der irakischen Wüste. Das kann nicht sein! Unter der Erde angekommen, stellt sich heraus, es ist kein Grab, sondern ein Gefängnis. Hier ruht etwas ganz böses. Und Nick weckt es auf – was ihm einen Fluch beschert.

Was hier geborgen wird, ist die lebendig mumifizierte Leiche der ägyptischen Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella), die habgierig war, ihre Familie abgeschlachtet und sich mit Seth, dem Gott des Todes verbündet hat. Nun ist sie in London … – Zum Glück ist hier auch Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe), der sich auf die Fahne geschrieben hat, das Böse zu bekämpfen. Dumm, dass Nick dank seines Fluchs mittlerweile auch in die Kategorie fällt.

Meinung von

Wir kennen und lieben die alten Horror-Streifen aus dem Hause Universal. Da ist die namengebende Mumie, aber auch andere Kreaturen der Nacht. Universal wollte mit Die Mumie das Dark Universe auferstehen lassen. Jeder muss heutzutage ein eigenes Universum haben. Wir haben das MCU und das DCU – warum nicht das DU? Im Dark Universe sollten alle Horrorgestalten aus den 1930ern wieder auf der Leinwand erscheinen. Okay, Die Mumie hatte bereits in 1990ern ein Revival, aber das Teil war weit davon entfernt ein Horrorfilm zu sein. Mit der Brendan Fraser-Adaption ist man einen humoristischen Weg gegangen. Nun soll dieser dunkel und grausam sein. – Doch Universal scheiterte bravourös.

Das liegt zum einen daran, dass man klar darauf gesetzt hat "Der Cruise wird es schon richten". Nur weil man einen großen Namen eingekauft hat, muss das nicht gut sein fürs Franchise. Cruise ist ein Action-Held, aber nicht die Galionsfigur eines neuen Film-Universums. Meiner Meinung nach ist Cruise falsch besetzt. Johnny Depp soll auch im Dark Universe mitspielen. Warum? Universal setzt nur auf Namen, dabei sollte man hier ruhig frisches Blut auf die Leinwand spritzen. Die Monster, die Charaktere, die Geschichten stehen im Vordergrund, nicht Namen.

Die Mumie weiß aber auch nicht, was sie sein will. Mit Jake Johnson hat man einen komischen Faktor reingeholt. An die Brendan Fraser-Filme kommt der Humor aber nicht heran. Auch soll es ein Dark Universe sein, kein Haha Universe. Das Dunkle kommt zu kurz. Sofia Boutella macht einen guten Job. Sie saugt Sanitäter aus, beschwört Skelette und Spinnen. Das ist gut. Aber der Humor ist fehl am Platz.

Wenn Nick und Jenny im Reich von Dr. Jekyll sind – also im wunderschönen Londoner Natural History Museum – dann sehen wir noch Hinweise auf geplante Filme. In Alkohol eingelegt schwimmt eine Hand des Schreckens vom Amazonas und ein Vampir-Schädel, also ein Hinweis auf einen Dracula-Film. Und plötzlich ist neben der Mumie noch eine weitere Figur (Jekyll/Hyde) im Raum. Ein bisschen zu viel für meinen Geschmack. Obwohl gut eingeführt. Annabelle Wallis ist leider kein starker Charakter. Sie dient mehr oder weniger nur dazu, a.) Nick auf das Grabstätte aufmerksam zu machen und b.) ihn dann zu Dr. Jekyll zu führen. Eine weibliche Indiana Jones ist sie jedenfalls nicht.

Die Mumie will zu viel, lädt zu viel Ballast auf ihre Schultern. Das hat auch Regisseur Alex Kurtzman in seinem ersten großen Regieauftrag auf sich genommen. Kurtzman kommt vom TV, wo er bekannte Serien geschrieben und produziert hat. Mit Die Mumie hat er sich etwas zugetraut, das er nicht hat wuppen können: Tom Cruise. Der hatte nämlich extrem viel Mitspracherecht und kam ständig mit neuen Ideen, die Kurtzmans Regiearbeit ausgehebelt haben. Das Problem ist also – damit kommen wir zum Anfang zurück – Tom Cruise, der völlig falsch besetzt ist.

Angeblich ist das Dark Universe noch nicht tot – aber hoffentlich hat Universal aus seinen Fehlern gelernt und sucht sich für die weiteren Filme andere Schauspieler.

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