Filmplakat Ich beichte
6,5/10

„Er nahm alles so ernst - den Krieg und die Liebe.“ (Ich beichte, 1953)


Ich beichte

Besprechung

Otto Keller (O.E. Hasse) arbeitet in Quebec als Hausmeister in einer katholischen Kirche. Seine Frau Alma (Dolly Haas) ist Haushälterin in der Kirche. Um seine Frau zu entlasten will Otto einen Rechtsanwalt ausrauben, bei dem er regelmäßig arbeitet. Er wird erwischt und im Affekt bringt er den Mann um. Otto flieht in die Kirche, wo er auf den Priester Michael Logan (Montgomery Clift) trifft. Ihm beichtet er seine schreckliche Tat.

Am nächsten Tag “findet” Otto den Ermordeten und ruft die Polizei. Logan geht auch zur Wohnung des Opfers. Inspektor Larrue (Karl Malden) fragt den Priester aus. Als dieser den Tatort verlässt, sieht Larrue wie Logan eine junge Frau anspricht. Larrues Interesse ist geweckt. Was hat ein Priester mit einer jungen Frau zu tun?

In den Ermittlungen kommt Larrue dahinter, wer die Frau ist. Es handelt sich hierbei um Ruth Grandfort (Anne Baxter), die Ehefrau von Pierre Grandfort (Roger Dann), einem angesehenen Politiker. Der Polizist bleibt hartnäckig an der Sache und findet heraus, dass zwei Mädchen einen Priester den Tatort verlassen gesehen haben wollen. Damit steht Logan bei Larrue ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Logan schweigt sich über den wahren Täter aus. Das verlangt das Beichtgeheimnis. Die Schlinge zieht sich immer enger um Logans Hals zusammen.

Meinung von

Ich beichte basiert auf dem Theaterstück Nos deux consciences von Paul Anthelmes aus dem Jahr 1902. Hitchcock war sehr angetan von der Thematik. Selber ein Katholik, sprach ihn der Stoff um den katholischen Priester und das Schweigegelübde sehr an. Wir wissen von Anfang an, dass Logan unschuldig ist. Doch da ihm die Tat gebeichtet wurde und er als Priester das Gebeichtete nicht preisgeben darf, baut sich eine riesige Ungerechtigkeit auf. Logan ist unschuldig. Wir wissen das. Und er verteidigt sich nicht - weil er es nicht kann.

In einer Rückblende erfahren wir, dass Logan und Ruth einst eine Affäre gehabt haben - bevor er ein Geistlicher wurde. Logan war im Krieg, der ihn verändert hat. Doch kurz nach dem Ende treffen sich die beiden. Es passiert nichts, doch sie werden von dem Rechtsanwalt Vilette (Ovila Légaré) entdeckt. Der erpresst daraufhin Ruth. Immerhin ist sie eine verheiratete Frau. Als das herauskommt, sieht es nur noch schlimmer aus für den Priester.

Typisch für Hitchcock baut er in Ich beichte viel Spannung auf, einfach durch die Tatsache, dass er den wahren Täter gleich am Anfang des Films zeigt. Die Schauspieler - allen voran die beiden aus Deutschland stammenden und auch deutsche Immigranten spielenden Hasse und Haas - sprechen viel durch ihre Blicke. Auch das ist typisch für den britischen Regisseur. Was ziemlich untypisch ist, ist die Tatsache, dass Ich beichte sehr viel an echten Drehorten spielt. Hitchcock hat es gehasst, das Studio und die kontrollierten Bedingungen hier zu verlassen. Auch fehlt Ich beichte die sonst übliche Leichtigkeit und der Humor. Schauen wir uns z.B. Die 39 Stufen oder Eine Dame verschwindet an, dann haben diese Streifen einen wunderbaren, nicht im Vordergrund stehenden Humor. Vielleicht war das ein Grund, warum Ich beichte kein großer Erfolg wurde. Hitchcock soll selber die Abwesenheit von Humor als Grund für das Scheitern des Films angesehen haben.

Ein weiterer Grund für das miese Abschneiden des Films, so der Regisseur selber, soll darin zu finden sein, dass nur Katholiken den Film verstehen könnten. Nur die wüssten um die Ernsthaftigkeit des Gelübde, eine Beichte für sich zu behalten. Auch wenn es einen den eigenen Kopf kosten kann. Jeder normale Mensch hätte mit dem Wissen den Gang zur Polizei gewagt und den wahren Mörder angezeigt. Doch ein katholischer Priester würde das nie machen. Was eben nur Katholiken verstehen könnten. Das mag damals gewesen sein. Ich verstehe das aber auch.

Auch wenn einige typische Charakteristika eines Hitchcock-Films fehlen, so finden wir doch einige vertraute Elemente. Zum einen das Schauspiel der Künstler. Wie schon erwähnt, sind es die Blicke, die Hitchcock einfängt. Haas spielt verhuscht, ängstlich, man sieht ihr die innere Zerrissenheit an. Hasse hat einen irren Blick am Leibe. Wir erwarten jeden Moment, dass er auf den Priester losgeht.

Ganz großartig ist die Einstellung, wenn Logan verzweifelt durch die Straßen von Quebec läuft. Er weiß nicht, was er tun soll. Langsam formt sich ein Gedanke. Er geht die Straße entlang und wir sehen im Vordergrund eine Szene des Kreuzgangs Jesus'. Das ist Logans Gang zum Kreuz. Oder wenn er im Gerichtssaal etwas gefragt wird und wir wissen, die Antwort würde Otto belasten. Hitchcock zeigt Montgomery Clift von schräg unten, hinter ihm an der Wand ein Kruzifix. Logan sagt Ich kann es nicht sagen.

Für Hitchcock muss Ich beichte ein Alptraum-Projekt gewesen sein. Zum einen die vielen Außenaufnahmen. Aber dann auch noch Montgomery Clift. Der damals 33-Jährige gilt einer der ersten Method Actor. Damit kam der Kontrollfreak Hitchcock nicht zurecht. Dass Clift nur allzu oft betrunken am Set auftauchte, machte das Anleiten des Schauspielers nicht leichter.

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