Filmplakat Dirty Harry
7,5/10

„Es ist schrecklich, dass ein Beamter wie sie so hinterhältige Waffen benutzt.“ (Dirty Harry, 1971)


Dirty Harry

Besprechung

In San Francisco geht ein skrupelloser Mörder um. Der Mann, der sich selber “Scorpio” nennt (Andrew Robinson), sucht wahllos Opfer aus und erschießt sie. Er wird weiter morden, wenn ihm die Stadt nicht 100.000 Dollar bezahlt.

Der Polizist Inspektor Harry Callahan (Clint Eastwood), von allen nur Dirty Harry genannt, weil er jeden Drecksjob übernimmt, wird auf Scorpio angesetzt. Zusammen mit seinem neuen Partner, Inspektor Chico Gonzalez (Reni Santoni), versucht Harry dem Mann auf die Spur zu kommen. Dabei geht Dirty Harry nicht den üblichen Weg eines Polizisten. Seine Methoden sind hart, unerbittlich. Harry schießt sehr schnell.

Nachdem Scorpio gefasst wurde, wird er jedoch mangels Beweisen — und auch wegen Harrys Polizeibrutalität — wieder auf freien Fuß gelassen. Das ist etwas, das Harry nicht hinnehmen kann.

Meinung von

Eines vor weg: Der Film ist Kult. Einfach geworden, nicht durch irgendwelche PR-Maschinerien gemacht, wie es heute so oft versucht wird. Dirty Harry hat auf den ersten Blick viel Charme. Mag seltsam klingen, ist aber so. Jeder Mann mag Dirty Harry, weil er knallhart ist, weil er das Recht in die eigene Hand nimmt, nie mehr als einen Fingerklapps für seine Taten bekommt, raubeinig ist und eine mächtige Wumme sein Eigen nennt. Eine Archetyp von Mann. Irgendwie ...

1971 hatte der Film eine andere Wirkung. Amerika war im Vietnamkrieg und hatte mächtig eines auf den Sack bekommen. Drogen in den Straßen, Hippies überall. Was für ein Werteverfall. Da kam dieser Mann, der auf seine Art für Recht und Ordnung sorgte, wie gerufen. Keine langen Gerichtsverhandlungen, einfache Justiz mit der Waffe. Muss ein ur-amerikanisches Ding sein. Zumal Harry mit seiner 44er Magnum Wirkung erzielte, nicht wie die Truppen in Vietnam.

Dirty Harry spaltete. Es gab auch Stimmen, die Clint Eastwoods Wanderung von der Prärie in die Großstadt als faschistoid bezeichneten. Eastwood selber sah diese Stimmen nur als Werbung für eine Reihe von Dirty Harry-Filmen — auch wenn er das zum Erscheinen des ersten Teils natürlich noch nicht wissen konnte, dass es einmal eine Reihe werden würde.

Okay. Nüchtern betrachtet geht der Film überhaupt nicht. Man darf das Gesetz nicht einfach an sich reißen und Menschen abknallen. Trotzdem ist Dirty Harry 'ne coole Sau und wir mögen diesen harten Kerl alle.

Dabei ist der Streifen gar nicht so actiongeladen. Er ist an vielen Stellen sogar sehr ruhig. So hat man "damals" Geschichten erzählt. Es ist also kein Adrenalin-Schocker. Es ist auch kein Krimi, bei dem man raten muss, wer der Täter ist. Die Witze — die selbstredend alle trocken sind — kann man an einer Hand abzählen. Und dennoch ist Dirty Harry ein fester Bestandteil der Kinokultur. Heutzutage ist er nur cool, bei seiner ersten Ausstrahlung muss er eine andere Wirkung auf das Publikum gehabt haben, einfach wegen der Umstände (s.o.).

hoch