Filmplakat Ender’s Game – Das große Spiel
7,5/10

„Folgst du den Regeln, verlierst du. Wählst du Gewalt, gewinnst du.“ (Ender’s Game – Das große Spiel, 2013)


Ender’s Game – Das große Spiel

Besprechung

Die Formics haben vor 50 Jahren die Erde angegriffen. Die Menschen konnten dank des Piloten Mazer Rackham die insektenähnlichen Außerirdischen schlagen. Dennoch bereiten sich die Menschen auf die Rückkehr der Aliens vor. Da Kinder besser und schneller auf komplexe Situationen reagieren können, bildet die Internationale Flotte ihre Rekruten aus, wenn sie möglichst jung sind. Ender Wiggin (Asa Butterfield) ist das dritte Kind der Familie, was in dieser Zeit nur mit Erlaubnis funktionieren kann. Nachdem sein Bruder Peter (Jimmy Pinchak) zu aggressiv war und Enders Schwester Valentine (Abigail Breslin) zu soft, hofft Colonel Graff (Harrison Ford), dass Ender „der Richtige“ ist.

Ender wird in die Kampfschule gebracht, die im Erdorbit schwebt. Hier muss sich Ender von Tag Eins durchkämpfen. Graff will den Jungen zum nächsten Julius Cäsar machen. Ender soll ein großer Anführer im Kampf gegen die Formics werden. Er lobt Ender über den Klee, was ihn nicht gerade beliebt macht bei seinen Kameraden. Trotz dieser Widrigkeiten arbeitet sich Ender ins Salamander-Team hoch, wo er auf Bonzo (Moises Arias) trifft. Bonzo führt das Team an und will keinen Frischling. Bonzo und Ender sind sich gleich Spinnefeind.

Weil sich Ender so gut anstellt, bekommt er das Drachen-Team, dessen Anführer er wird. Unter den Teammitgliedern ist auch Petra Arkanian (Hailee Steinfeld), die Ender aus dem Salamander-Team kennt.

Nach einem tragischen Vorfall steigt Ender aus. Graff wirft Valentine ins Rennen, um Ender umzustimmen. Als sie es schafft, wird Ender auf einen fernen Planeten gebracht. Hier ist die Kampfschule auf einem ehemaligen Vorposten der Formcis untergebracht. Der Held der Menschheit, Mazer Rackham (Ben Kingsley), wird Enders Lehrer. Was folgt sind schlaflose Tage mit harten Tests ohne Ende. Graff und Rackham fordern alles von Ender. Derweil machen die Formics mobil.

Meinung von

Orson Scott Card schrieb die Geschichte "Das große Spiel" bereits 1977. Damals war es noch eine Kurzgeschichte, doch Card baute diese 1985 zu einem Roman aus. Die Geschichte ist sehr militärisch aufgezogen. Kinder werden früh in Bootcamps gesteckt, wo sie knallhart rangenommen werden. Es gilt, einen Anführer zu finden, der die Menschheit vor dem Untergang bewahren kann. Kein Wunder, dass hier eine härtere Gangart angegangen wird.

Die Familie Wiggins hat jedes ihrer Kinder auf die Akademie geschickt, in der Hoffnung so den Menschen helfen zu können. Erst der dritte Versuch sollte das gewünschte Ergebnis bringen. Colonel Graff sieht das Potenzial in Ender und setzt ihn immer wieder schwierigen Situationen aus, um ihn zu testen. Major Gwen Anderson (Viola Davis) ist davon nicht begeistert. Sie möchte Ender besser verstehen, doch Graff bleibt hart. Die Zeit drängt, die Formics sind schon auf dem Weg zur Erde. Es muss ein Erstschlag her, um die Angreifer auszurotten.

Regisseur Gavin Hood hat bei X-Men Origins: Wolverine bereits bewiesen, dass er mit großem Budget umgehen und stark visuell arbeiten kann. Ja, die Origin-Geschichte war eher mäßig erfolgreich, aber in Ender's Game hat er das – finde ich – wieder wett gemacht. Der Film ist optisch top und hat ein hohes Tempo. Schnell lernen wir Ender kennen und auch seinen inneren Kampf. Er hat Angst davor, so zu werden wie sein älterer Bruder. Er muss seinen Weg finden, aber dank Graffs Vision, Ender zum Anführer der Menschheit zu machen, hat er dafür nicht viel Zeit.

Im Grunde hätten die Schwierigkeiten für Ender noch mehr sein können. Hood hat aber nur den ekligen Bonzo als Gegner ins Rennen geschickt. Der bekommt aber auch sein Fett weg. Sobald Ender auf dem Alienplaneten ist, auf dem sich die Kampfschule befindet, gibt es noch einmal eine "Sinnkrise", doch auch die wird gemeistert.

Card wirft Ender erst zum Schluss in eine tiefe Grube: Eigentlich sollten Ender und seine Gefolgsleute in einer Art Computerspiel die Angriffe auf die Aliens simulieren. Wenn man ein Computerspiel spielt, riskiert man auch mal mehr. Die Spielfiguren "kosten ja nichts". Als Ender in einer monumentalen Schlacht den gesamten Alien-Planeten auslöscht und sich darüber freut, muss er erfahren, dass es sich hierbei noch nie um ein Spiel gehandelt hat. Ender hat mit seinen Anweisungen tausende und abertausende Menschen in den Kampf und damit ins Verderben getrieben. Und er hat einen Völkermord verübt. Das belastet ihn noch viel mehr.

Ich habe das Buch seinerzeit gelesen und fand es sehr spannend. Hood hat einige Dinge umgeschrieben für den Film. Ehrlich gesagt weiß ich jetzt nicht mehr, welche das waren, aber dass er Änderungen vornahm, ist mir noch bewusst.

In dem Buch geht es um die Art und Weise, wie Kinder zu militärischen Wesen herausgezüchtet werden. Computerspiele sollen sie auf die Realität vorbereiten, doch irgendwann sind Spiel und Realität eins. Es geht auch darum wie schwer so eine Aufgabe für einen jungen Menschen ist. Anderson sagt irgendwann im Film, dass es früher illegal war, so junge Rekruten einzuziehen. Aber hier steht nun einmal die Menschheit auf dem Spiel.

Das Buch – und auch der Film – endet damit, dass Ender ein Königinnen-Ei gefunden hat und aufgrund seines schlechten Gewissens nun alles daran setzt, für die Königin einen neuen Planeten zu finden. Ender wollte zwischenzeitlich mit den Formics kommunizieren, doch Graff ist der Meinung, das würde eh nichts bringen. Formics können nicht reden. Und dennoch schaffen sie es, sich in ein Gedankenspiel "einzuklinken" und mit Ender Kontakt aufzunehmen. Ender wird bewusst, dass er ein empfindungsfähiges Volk ausgelöscht hat. Die Formics wollten Wasser, aber niemand hat sie gehört.

Das Buch wurde später in zwei Bänden fortgesetzt. Der Film hat es nicht geschafft, einen zweiten Teil zu bekommen. Aus irgendeinem Grund war der nicht erfolgreich. Ich fand ihn nicht schlecht. Wie gesagt, Ender kommt im Film etwas zu locker durch, aber das ist nun einmal Hollywood. Dafür fand ich den Film recht gut ans Buch angelehnt und sauber umgesetzt. Schade eigentlich, dass der so gefloppt ist. Ender's Game hat da ein ähnliches Schicksal erlitten wie John Carter, wobei der noch besser ist.

Asa Butterfield ist sympathisch und spielt seine Rolle gut. Harrison Ford ist zu alt, um noch vor der Kamera zu stehen. Er wirkt gelangweilt und scheint vor der Kamera in seinem Kopf das Geld zu zählen, das er für seine Rolle bekommen hat. Ben Kingsley ... bei dem Herrn pflege ich immer zu sagen, entweder spielt er in exzellenten Rollen oder echt miesen Filmen mit. Bei Ender's Game spielt er "ordentlich". Es ist eine Nebenrolle, die nicht viel hergibt. Es war schön, den Oscar-Preisträger (Gandhi) nicht in einem miesen Film zu sehen.

hoch