Filmplakat Die Mächte des Wahnsinns
6,5/10

„Seit wann schreibt Gott billige Horrorgeschichten?“ (Die Mächte des Wahnsinns, 1994)


Die Mächte des Wahnsinns

Besprechung

John Trent (Sam Neill) ist Versicherungsdetektiv. Eines Tages wird er zum Verleger Jackson Harglow (Charlton Heston) gerufen. Der berühmte Autor Sutter Cane (Jürgen Prochnow) ist verschwunden. Es gibt nur Teile seines neuen Buchs, aber das Gesamtskript ist ebenso wie Cane selber verschwunden. Cane ist eine Goldgrube, kein Wunder, dass Harglow wissen will, wo sein Goldesel steckt. Und nicht nur er – die mittlerweile riesige Fangemeinde von Cane wartet ebenfalls auf das neue Buch.

Trent kommt dahinter, dass Cane eine Spur gelegt hat. Wie es scheint, hat sich Cane in dem kleinen Örtchen Hobb’s End versteckt. Doch Hobb’s End ist auf keiner Karte verzeichnet. Dennoch macht sich Trent auf den Weg, ihm zur Seite wird die Lektorin Linda Styles (Julie Carmen) gestellt. Die Reise nach Hobb’s End ist schon seltsam. Doch endlich dort angekommen, wird das Unterfangen noch seltsamer. So ist zum Beispiel das Hotel, in dem Trent und Styles unterkommen, genau so, wie es Cane in seinem Buch beschrieben hat. Soll das heißen, die Menschen in dem Hotel sind ebenso?

Der ewig skeptische Detektiv und die Lektorin finden eine schwarze Kirche, die Cane ebenfalls in einem Buch beschrieben hat. Dort angekommen, passieren seltsame Dinge. Die gesamte Reise wird zum Horror-Tripp, bei dem Realität und Fiktion immer mehr zu verschwimmen scheinen.

Meinung von

Regisseur John Carpenter ist bekannt für Horror-Filme. Ende der 1970er schuf er mit Halloween ein grausames Franchise, das noch viele Nachfolger hervorbrachte. The Fog – Nebel des Grauens, Das Ding aus einer anderen Welt oder auch Sie leben sollten folgen. Carpenter wusste, wie man zu der Zeit mit wenig Mitteln großen Horror für eine wachsende Fangemeinde schaffen konnte. Mit dem Erfolg bekam er natürlich auch mehr Geld an die Hand.

Bei Die Mächte des Wahnsinns hat er allerdings verhältnismäßig wenig Geld zur Verfügung gehabt. Sam Neill war gerade ein Jahr zuvor mit Jurassic Park zum großen Helden geworden. Vielleicht würde der Name ja auch bei der Carpenter-Produktion helfen? Die Antwort lautet leider Nein. Jedenfalls wenn man sich anschaut, was der Film eingespielt hat.

Es wird sich ein wenig über Stephen King lustig gemacht und dann versucht man sich mit dem bekannten Horror-Autor zu messen. Die Geschichte von Die Mächte des Wahnsinns ist eigentlich gar nicht so schlecht. Sie fängt damit an, dass Trent in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wird, dann erzählt er einem Arzt (David Warner) seine Geschichte; dass er auf der Suche nach Cane war und was er dabei erlebt hat. Die Thematik ist eigentlich die: Cane hat eine Verbindung zu uralten, bösen Wesen hergestellt, die ihm die Macht gaben, dass seine Fantasie Realität werde. Dabei sind sie es, die Cane einflüstern, wie das Ende der Welt aussehen wird. Das geschrieben Wort wird Realität, wobei das Beschriebene grausam und für den Menschen nicht vorstellbar ist. Das ist schon mal interessant. Autor Michael De Luca legt noch einen drauf: Da Cane so gut schreibt, lesen ihn viele Menschen. Überall auf der Welt verschlingen die Leute seine Bücher und fangen an zu glauben, was darin steht. Es wird der Vergleich hergestellt, dass Canes Bücher mittlerweile bekannter sind als die Bibel.

Gen Ende wird es somit auch etwas religiös. Das ist nicht der Grund, warum der Film schwach endet. Es gibt wirklich gute Momente in dem Streifen. Da wird dieses gesamte Realität/ Geschriebenes/ Fantasie wird Wirklichkeit-Ding schon manchmal recht gruselig und man denkt, man hat hier ein ganz großes Werk vor sich. Doch der große Knall am Ende bleibt aus. Das Ende ist schlicht und einfach unbefriedigend. Wenn ich da an Cabin in the Woods denke, dann ist das ein guter Schluss gewesen, doch Die Mächte des Wahnsinns hinkt sich über die Zielgerade. Schade.

Davon abgesehen sind Sam Neill und Jürgen Prochnow gut besetzt und machen auch beide ihren Job ordentlich. Wir sehen sogar in einer kleinen Rolle Fürst Vigo aus Ghostbusters II, also Wilhelm von Homburg als vom Bösen heimgesuchten Kleinstädter. Eher eine bescheidene Rolle. Aber irgendwer hatte sich wohl an den Geister-Film erinnert gehabt …

Also: Die Mächte des Wahnsinns fängt gut an, es wird eine besondere Art von Horror aufgebaut, doch leider versagt er hin zum Ende. Kann man sich aber dennoch gut anschauen.

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