Filmplakat Die Fürsten der Dunkelheit
5,5/10

„Glaube ist heutzutage schwer zu finden.“ (Die Fürsten der Dunkelheit, 1987)


Die Fürsten der Dunkelheit

Besprechung

Ein Priester stirbt und hinterlässt ein Geheimnis. Vater Loomis (Donald Pleasence) findet heraus, dass der alte Mann seit 30 Jahren in einer alten Kirche in L.A. wohnte und zu einer Sekte gehörte. Die Bruderschaft des Schlafs hütet seit tausenden Jahren ein Geheimnis. Im Keller der Kirche findet der Priester einen großen Zylinder mit einer sich ständig drehenden, grünen Flüssigkeit sowie einer Art Bibel davor. Dieses Buch enthält Aufzeichnungen in verschiedenen Sprachen und wurde teils gelöscht oder überschrieben.

Vater Loomis wendet sich an seinen Bekannten, Professor Howard Birack (Victor Wong), der an der Uni Physik lehrt. Der lädt seine besten Studenten, darunter auch Brian Marsh (Jameson Parker), Catherine Danforth (Lisa Blount) und Walter (Dennis Dun) ein, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Hinzukommen noch Studenten anderer Fakultäten, wie Radiologie, Biologie oder Theologie.

Die Wissenschaftler finden heraus, dass in dem Zylinder der Teufel steckt. Der Vater des Teufels hat seinen Sohn vor sieben Millionen Jahren in diesen Behälter eingesperrt und im mittleren Osten verscharrt. Nun scheint sich das Böse einen Weg nach draußen zu bahnen. Die gesamte christliche Religion ist eine Lüge, die vorgeschoben wurde, um die Menschen nicht in Angst und Schrecken zu versetzen. Man hat gewartet, bis die Wissenschaft so weit ist, um das Rätsel zu lösen.

Während in der Kirche die Wissenschaftler forschen und teils vom Bösen verschlungen werden, tummeln sich vor dem Gotteshaus unzählige, zombiehafte Obdachlose, die eine Flucht unmöglich machen.

Meinung von

John Carpenter ist schon ein seltsamer Regisseur. Mal macht er echt gute Filme, dann wieder Schrott. Die Fürsten der Dunkelheit fällt in letztere Kategorie. Wobei er noch nicht einmal so schlecht anfängt. Carpenter führte mal wieder nicht nur Regie, sondern ließ es sich – wie schon bei Halloween, The Fog, Die Klapperschlange, Big Trouble in Little China, Sie leben oder Die Mächte des Wahnsinns – nicht nehmen, die Musik zu schreiben. Okay, was Carpenter als Musik versteht. Ich frage mich, ob seine Filme besser gewesen wären, wenn jemand anderes die musikalische Untermalung gemacht hätte …?

Ich mag generell Filme oder Geschichten, die eine Verschwörung hinter den Kulissen der Kirche zeigen. Aber dass Jesus ein Außerirdischer in Menschenform war, der die Menschen vor dem Bösen warnen wollte – das ist jetzt eine Nummer (vielleicht auch zwei) zu weit gehend. Carpenter, der auch die Story zu Die Fürsten der Dunkelheit schrieb, will Physik mit Religion verbinden und schmeißt aus Verzweiflung noch Alien-Kram rein. Heraus kommt eine sehr zähe Handlung mit steifen Dialogen und ohne Protagonisten, für die man sich erwärmen könnte. Jameson Parker und Lisa Blount sind ein Pärchen, aber auch wenn Brian anscheinend schon lange hinter Catherine her ist, so richtig ein gutes Pärchen geben die beiden nicht ab. Wenn man aber niemanden hat, mit dem man mitfiebern kann, heißt das, dass einem die Leute egal sind. Sollen sie doch abgeschlachtet werden. Wen interessiert’s? Das ist nicht gut.

Was John Carpenter aus der Wissenschaft mit in seinen Film genommen hat, das ist der Gedanke von Anti-Materie. Wenn es etwas gibt, das wir sehen und begreifen können, muss es auch etwas geben, das sich nicht so verhält. Carpenter verbannt dieses Etwas in den Spiegel. Ziemlich hanebüchen, wie er darauf kommt, aber okay … Man brauchte einen netten Effekt zum Ende des Films.

Was soll das, dass der Vater des Teufels seinen Sohn einsperrt und verscharrt, dieser Sohn dann sieben Millionen Jahre später sein Gefängnis von innen öffnet und seinen Vater aus der Spiegelwelt in unsere holen will? Und dieses Träume, die als Videobotschaft aus der Zukunft gesendet werden? Was hat Carpenter da geraucht?

Die Musik, so schlecht sie auch ist, schafft es dennoch, ein Gefühl von genervt sein zu schaffen. Die Obdachlosen, die einfach nur herumstehen und im Grunde kein Wort sagen, sind noch das gruseligste an dem Film. Carpenter verpflichtete Schock-Rocker Alice Cooper dafür, einen Sind für den Film zu schreiben. Und wenn man ihn schon an der Angel hatte – warum nicht auch gleich noch einmal vor die Kamera? Alice Cooper ist der Ober-Obachlose. Der steht immer vorne, diesmal ungeschminkt, dafür mit Mütze und der Sonne von oben. Das hat gereicht, damit er auf dem Plakat auftauchte.

Wie gesagt fängt Die Fürsten der Dunkelheit interessant an, wird dann aber gen Ende immer langatmiger und die Dialoge unsinniger. Der Film zeichnet sich im Grunde nur dadurch aus, dass er mit knapp zehn Minuten den wohl längsten Vorspann in der Filmgeschichte hat. Wir sehen zwar schon Handlung, aber es dauert eben so lange, bis alle Beteiligten – und am Ende Carpenter als Regisseur – genannt werden.

Ein ähnlich enttäuschendes Erlebnis hatte ich mit Die Mächte des Wahnsinns. Der fing auch gut an, enttäuschte dann am Ende aber voller Länge. So ist Carpenter nun einmal.

Ich fange erst gar nicht damit an, dass die Anlage unter der Kirche geheim ist, aber aus unerklärlichen Gründen immer und überall Kerzen brennen. Wenn Loomis Birack erstmals in die Gruft führt, brennen Kerzen. Haben die da einen unsichtbaren und super-geheimen Kerzen-Anzünde-Dienst?

hoch