Filmplakat Der Mann, der König sein wollte
7,5/10

„Keine Götter, aber Engländer. Das kommt gleich danach.“ (Der Mann, der König sein wollte, 1975)


Der Mann, der König sein wollte

Besprechung

Ein Zufall bringt den ehemaligen britischen Soldaten Peachy Carnehan (Michael Caine) und den Lokalreporter Rudyard Kipling (Christopher Plummer) im Indien des ausgehenden 19. Jahrhunderts zusammen. Peachy und sein Kumpel Daniel Dravot (Sean Connery) haben ihren Dienst für die Krone hinter sich gebracht und ziehen nun durch Indien, um sich mit diversen Schwindeln ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eben wollten sie noch einen hiesigen Herrscher erpressen, schon werden sie festgenommen – weil Kipling die beiden verpfiffen hat. Das nehmen die beiden Raubeine ihm aber nicht wirklich übel. Sie kommen ja frei. Und abends stehen sie bei Kipling in der Schreibstube. Sie erzählen ihm von ihrem nächsten Vorhaben: Sie wollen nach Kafiristan und dort Könige werden.

Mit Gewehren im Gepäck machen sich die beiden Briten auf den Weg in den Norden. Im Hindukusch verlieren sie beinahe ihr Leben, doch sie haben Glück und kommen nach Kafiristan durch. Hier treffen sie auf den ehemaligen Führer einer verloren gegangenen Expedition, auf Billy Fish (Saeed Jaffrey), der ihnen als Übersetzer hilft. Daniel und Peachy bilden die Leute des Warlords Ootah (Larbi Doghmi) aus und erobern so eine Stadt. Der Plan scheint aufzugehen: erst einen Warlord aufpeppeln, dann ihn stürzen.

Bei der ersten Schlacht passiert jedoch das Unfassbare. Daniel wird von einem Pfeil getroffen und kämpft unverwundet weiter. Die Einheimischen halten ihn für einen Gott. Das will der Hohepriester der Nuristani, Kafu Selim (Karroom Ben Bouih), prüfen – und erlebt dabei sein blaues Wunder. Wie es scheint, ist Daniel ein Nachfahre von Alexander dem Großen, der zu tiefst verehrt wird. Daniel gefällt der Gedanke ein Gott zu sein und der Nachfahre eines so bedeutenden Mannes wie Alexander des Großen. Es gefällt ihm und steigt ihm auch zu Kopfe.

Meinung von

Fangen wir mit dem Autor der Geschichte an. Rudyard Kipling war der Autor von u.a. Das Dschungelbuch. Er war außerdem Freimaurer. Kipling kommt in seiner eigenen Erzählung vor (das habe ich nur noch bei John Carter bisher gesehen) und greift auch viele Dinge auf, die ihm selber wichtig waren. Die Geschichte in Der Mann, der König sein wollte dreht sich von Anfang an um die Freimaurerei. Peachy hat eigentlich einen Unbekannten bestehlen wollen. Als er jedoch erkennt, dass an der gestohlenen Uhr ein Freimaurer-Zeichen hängt, bekommt er ein schlechtes Gewissen und setzt alles daran, die Uhr seinem Freimaurer-Bruder wiederzugeben. Auch später dann bei den Nuristani spielt die Vereinigung eine wichtige Rolle.

Regisseur John Huston (Die Spur des Falken) wollte den Film schon länger umgesetzt haben, immer mit anderen Best-Buddy-Kombinationen. Zuletzt sollten Paul Newman und Robert Redford (Der Clou) die Rollen von Peachy und Daniel übernehmen. Newman schlug Connery und Caine vor. Eine gute Wahl.

Connery und Caine versprühen von Anfang an eine wahnsinnige Energie. Sie sind quirlig, dynamisch, charmant verrückt. Sie überrollen Kipling mit ihren Ideen genau so wie die Zuschauer. Das geht Schlag auf Schlag und man kann sich dem nicht verwehren. Man muss die beiden Schurken mögen. Auch wenn ihr Anliegen ein Land zu unterjochen und auszubeuten nicht gaaaanz sozial verträglich ist. Aber wir wollen uns unterhalten lassen, also sehen wir mal über diesen Despotismus hinweg.

Es gibt diese Szene im Hindukusch, wenn es für Daniel und Peachy kein Vor und Zurück mehr gibt. Es scheint so, als würden die beiden Helden hier ihr Grab finden. In solchen Momenten sinniert man über sein Leben nach. Man ist sich einig, dass die Welt keine bessere geworden ist, durch das Vorhandensein von Daniel und Peachy. Aber Peachy meint, er würde all seine Erinnerungen nicht dagegen eintauschen wollen jetzt ein hohes Tier in London zu sehn, warm und sicher. Einfach weil die zwei Haudegen so viel gesehen und erlebt haben. Das hat ihr Leben schon ungemein reich gemacht. Irgendwie schön gesagt.

Der Film bricht genau an der Stelle, wenn auch die Figuren brechen. Peachy bleibt Peachy, aber Daniel, der durch einen dummen Zufall als Gottheit angesehen wird, bekommt in dem Kloster der Nuristani noch einmal einen Egoboost. Nun soll er nicht nur ein Gott sein, sondern auch noch der Sohn Alexander des Großen? Das kann nicht gut gehen – und das tut es auch nicht. Zwar fängt es noch halbwegs gut an. Daniel spricht Gesetze aus, die sinnvoll sind. Doch dann wird er natürlich größenwahnsinnig. Ab da wird der Film unangenehm.

Außerdem kommt ab da irgendwie ein 70er-Jahre-Feeling rüber. Ich kann den Finger nicht drauflegen, aber ich fühle mich an die 70er erinnert. Das mag vielleicht an der polierten Krone liegen, die Daniel aufgesetzt bekommt? Ich weiß es nicht. Es stört aber.

Wie es sich für eine gute Geschichte gehört, wird sie langsam aufgebaut, erreicht ihren Höhepunkt und fällt dann schnell ab. So auch Der Mann, der König sein wollte, wobei ich nicht zu sagen vermag, ob es Kipling so geschrieben oder ob Huston es so umgesetzt hat.

Man sollte den Film vielleicht auf Großleinwand sehen, weil er vor allem mit den Landschaftsaufnahmen beeindrucken kann. Ansonsten ist es eine nette Tragödie über Freundschaft, Zufälle, Kolonialismus, Freimaurerei und einen Monsterbetrug. Dabei sind Connery und Caine super besetzt und tragen den Film. Christopher Plummer spielt einen großäugigen Kipling, der von den beiden Ex-Soldaten genauso beeindruckt ist, wie die Zuschauer.

Was mir noch auffiel: Bond-Darsteller Connery hatte auch als 007 bereits ein sehr schütteres Haupthaar, trug aber als Geheimagent ihrer Majestät ein Toupet. Das ließ man bei Der Mann, der König sein wollte weg. Connery hat also als Daniel Dravot ein sehr ausgedünntes Haupthaar. Das war nicht gemacht, das war natürlich.

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