Filmplakat Die Spur des Falken
7/10

„Endlich ein Mann, der ohne Umschweife zugibt, dass er auch an sich denkt. Das tun ja im Grunde alle.“ (Die Spur des Falken, 1941)


Die Spur des Falken

Besprechung

Eine Dame (Mary Astor) beauftragt den Privatdetektiv Samuel Spade (Humphrey Bogart) und dessen Partner Miles Archer (Jerome Cowan) mit der Suche nach ihrer Schwester, die mit einem dubiosen Mann zusammen sein soll. Archer beschattet den Mann und wird umgebracht. Wie sich herausstellt, war die Geschichte der Dame, die sich als Brigid O’Shaughnessy vorstellt, erfunden.

Tatsächlich heuert sie Spade an, eine lange verschollene Falken-Figur zu finden. Der seltsame Joel Cairo (Peter Lorre) ist ebenfalls hinter der kleinen Plastik her. Er bietet Spade gar 5.000 Dollar an, wenn er ihm hilft, den Falken zu besorgen. Cairo arbeitet im Auftrag von Kasper Gutman (Sydney Greenstreet), wie sich später herausstellen soll.

Alle sind hinter dem Falken her. Spade versucht hinter das Geheimnis des Vogels zu kommen, muss sich aber durch das Lügengewirr der Mrs. O’Shaughnessy wühlen, Mr. Cairo in Schacht halten und Gutmanns Schläger Wilmer Cook (Elisha Cook Jr.) ebenso. Außerdem nervt die Polizei Spade andauernd, denken die Beamten doch, Spade habe seinen Partner umgebracht.

Meinung von

Dashiell Hammett schrieb den Privatdetektiv-Roman Die Spur des Falken 1929. Warner Brothers sicherten sich die Rechte an dem überaus erfolgreichen Buch und verfilmten ihn insgesamt dreimal. Jedes Mal mit einer etwas anderen Ausrichtung. Die Filme aus den Jahren 1931 und 1936 waren wenig bis gar nicht erfolgreich. Dennoch wagte man sich daran, 1941 den Stoff ein drittes Mal zu verfilmen. Diesmal aber so, wie es das Buch vorgab.

Die Figur des Sam Spade wird von Humphrey Bogart - der in seinen Filmen zuvor eher als Bösewicht gebucht war - als Antiheld gespielt. Im Buch soll er geradezu als Teufel und schlechter Mensch dargestellt sein, Bogart lässt ihn unberechenbar und hart erscheinen. Spade bekommt leicht Wutausbrüche, ist grob zu Frauen und spiegelt einen grimmigen Mann wider. Zusammen mit der filmischen Umsetzung, wie z.B. mit tiefen Schatten, schuf Regisseur John Huston mit seinem Erstlingswerk das Genre des Film Noir. Bogarts Spade ist nicht wirklich sympathisch, aber dennoch die Hauptfigur. Man muss sich also irgendwie mit ihm arrangieren. Doch das fällt bei einem Antihelden immer schwer.

Die Spur des Falken ist auf der einen Seite einer der wirklich wichtigen Filme in der Filmgeschichte. Hier wird die Ära des Film Noir eingeläutet, der Antiheld ist geboren und Humphrey Bogart startet als Leinwandheld durch. Dabei ist er aber auch verworren ohne Ende. Die Lügengeschichten der Brigid O’Shaughnessy machen es so schwer, dem Plot zu folgen. Selbst Sam Spade hat schnell die Nase voll von ihren Unwahrheiten. Wie soll er ihr helfen, wenn sie ihm nicht reinen Wein einschenkt und er gar nicht wirklich weiß, warum er ihr helfen soll und wobei?

Bogart spielt den schroffen Privatdetektiv hervorragend. Peter Lorre ist hier ein "weibischer" Geselle. Tatsächlich war die Figur im Buch schwul, doch das durfte man zu der Zeit nicht im Kino zeigen. Aber wenn Spades Sekretärin Effie (Lee Patrick) Joel Cairo mit „Maiglöckchen“ ankündigt, nachdem Spade an dessen Visitenkarten geschnüffelt hat, sollte einem klar sein, wie die Figur des Cairo ausgerichtet ist. Kommt Lorre in anderen Filmen doch stets etwas glubschäugig und schräg rüber, ist sein Joel Cairo ausnahmsweise mal kultiviert und geschniegelt. Greenstreet ist ein wunderbarer Gangster. Huston zeigt ihn, was später ein typisches künstlerisches Merkmal für einen Film Noir sein sollte, gerne von schräg unten und sich kaum rührend. So wirkt er wie ein Berg, den nichts erschüttern kann. Tatsächlich wurde Sydney Greenstreet von der Bühne weg angeheuert. Er stand also das erste Mal vor der Kamera und soll deshalb extrem unsicher und verängstigt gewesen sein, er könne dem Film schaden. Hat er nicht.

In Die Spur des Falken geht es um die Gier nach Reichtum. Alle Figuren - außer Spade - sind hinter dem Falken her, der unermesslich viel wert ist. Gutman jagt dem Vogel bereits seit 17 Jahren nach. Morde am Rande sind zu akzeptieren. Gier führt gerne dann auch zu den vielen Lügen, die wir im Film sehen. Spade könnte nun als Held über den Gelüsten seiner Gegner stehen, doch da er ein Antiheld ist, ist er nicht immun gegen die Gier. Wenn er im Büro das Paket mit dem Falken endlich in den Händen hält, greift er den Arm seiner Sekretärin und quetscht ihn vor Erregung so doll, dass sie ihm sagt, er tue ihr weh. Spade bekommt das schon gar nicht mehr mit.

Entgegen der vorherigen Verfilmungen des Stoffes, hält sich Regisseur Huston beinahe 1:1 an die Texte, wie sie im Buch stehen. Da die Literaturvorlage ein großer Erfolg war, war dieser Schachzug keine schlechte Idee.

Ich kenne keinen früheren Film von Bogart. Daher weiß ich nicht, ob er das schon in seinen vorherigen Filmen auch gemacht hat: Es fällt auf, dass er den gesamten Film durch sein typisches Mundwinkel-Hochziehen macht. Ein geradezu nervöses Zucken der Mundwinkel, das kurz die Zähne freilegt. Ist das Bogart, oder ist das Spade?

Die Spur des Falken ist also in starke Schatten gehüllt, hat einen rauen „Helden“, Morde, Gier nach Reichtum und Lügen ohne Ende. Das macht den Film düster. Dennoch - und das stört ungemein - wurde der Streifen mit einer eher fröhlichen Jazz-Musik unterlegt, die als Hauptmotiv immer wieder auftaucht und einfach nicht zur Atmosphäre des Films passt. Ein Beweis dafür, wie wichtig die richtige musikalische Untermalung ist.

Zwar sieht man den Falken am Ende. Aber eigentlich auch nicht den Falken. Somit könnte man die Plastik als eine Art MacGuffin angesehen werden, der bekanntlich von Alfred Hitchcock so gerne eingesetzt wurde.

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