Filmplakat Der Gigant aus dem All
8,5/10

„Tritt nicht auf die Kuh!“ (Der Gigant aus dem All, 1999)


Der Gigant aus dem All

Besprechung

Die Russen haben gerade Sputnik ins All geschossen und die Amis sind paranoid wie verrückt. Der Kalte Krieg tobt. In dieser Zeit fällt ein riesiger Roboter vom Himmel und landet vor der Küste von Rockwell, Maine. Der kleine Hogarth Hughes (Eli Marienthal) hört von einem Fischer die Geschichte des Außerirdischen und macht sich auf die Suche nach dem Riesen. Prompt findet er den Giganten (Von Diesel) im Wald. Der riesige Roboter gerät in Schwierigkeiten und Hogarth rettet ihn. Die beiden werden Freunde.

Einen so großen Freund zu haben, ist kompliziert. Er isst Metall und hinterlässt so riesige Bissspuren in der Umgebung. Hogarths Mutter (Jennifer Aniston) darf auch nichts mitbekommen. Wüsste sie, wo sich ihr Sohn nachts herumtreibt, bekäme sie einen Herzinfarkt. Der Einzige, dem sich Hogarth anvertraut, ist der Beatnik und Künstler Dean McCoppin (Harry Connick Jr.), der einen großen Schrottplatz hat. Also ein ideales Versteck und Buffet für den Giganten.

Dann tritt der Agent Kent Mansley (Christopher McDonald) auf die Bühne. Angewidert von dem Auftrag, will er nur schnell wieder aus dem Kaff raus. Doch als sich die Hinweise auf eine echte Invasion aus dem Weltall verstärken, wird der Agent immer hartnäckiger. Er vermutet, dass Hogarth etwas weiß und nistet sich bei seiner alleinerziehenden Mutter als Hausgast ein.

Der Gigant ist in Gefahr gefunden zu werden. Wird der Gigant bedroht, setzen alte Subroutinen ein und er geht in den Kampfmodus. Ein riesiger Kampfroboter? Den will man lieber nicht in der Stadt haben. Der Gigant will aber auch keine Killermaschine sein.

Meinung von

Heute ein Klassiker, floppte der Film damals grandios an den Kinokassen. Das liegt nicht daran, dass Der Gigant aus dem All ein schlechter Film ist. Weiß Gott nicht! Der Film ist klasse. Viele Umstände führten zum Scheitern an den Kassen. Zum einen wollte Warner eine Zeichentrick-Bude aufmachen, die Walt Disney die Stirn bieten sollte. Das klappte nicht. Also verlor man das Interesse an dem Vorhaben. Kurz nachdem Regisseur Brad Bird das Projekt an Land gezogen hatte. Warner ließ ihn einfach machen. Das war gut! So redete nicht ständig irgendwer dazwischen.

Dennoch hatte Bird ein oder zwei Probleme: Zum einen bekam er nicht die guten Künstler, die er wollte. Er bekam die Ausgestoßenen, die Zeichner, die sonst keiner wollte. Anfänger und Querulanten. Daraus musste er ein Team formen. Dann strich Warner die Mittel und die Zeit. Er bekam lediglich zweieinhalb Jahre zur Verfügung.

Bird schaffte es, einen wunderbaren, schönen Film zu kreieren. Grundlage ist das Buch "The Iron Man" von Ted Hughes. Ganz lose darauf aufbauend zeigt uns Bird die Geschichte einer Waffe, die keine Waffe sein will. Für Bird ist das ein persönliches Ding. Seine Schwester wurde von seinem Schwager erschossen. Ein sinnloser Mord, den er nicht gut verkraftet hat. Das Thema Gewalt durch Waffen ist also ein wichtiges Thema im Leben von Brad Bird. Da kam ihm die Idee von der Waffe, die keine Waffe sein wollte. Und der Gigant ist eine Waffe!

Wir erfahren ganz kurz in einer Traumsequenz, woher der Gigant kommt. Er erinnert sich zunächst an nichts. Er weiß nicht, wer er ist, woher er kommt, was seine Aufgabe ist. Auch sprechen kann er anfangs nicht. Er ist wie ein riesiges Baby, das die Welt erkundet. Dazu gehört auch der Tod. Die Szene mit dem Hirschen ist echt fies gemacht. Bird und Co. haben aber auch lange an dieser wichtigen Szene gesessen. Zuerst hatte der Gigant den Hirschen ungewollt umgebracht, dann entschied man sich dagegen. Er findet das tote Tier nur und lernt so den Tod kennen, aber auch die Gefahr, die von Waffen ausgeht.

Der Gigant aus dem All ist echt ein schöner Film. Das Wissen, das er beim Dreh dieses Film sammelte, konnte Bird dann später in Die Unglaublichen oder auch Ratatouille wieder anwenden. Zumindest der letzte ist sehr emotional. Wenn Bird den Giganten sich ein S-Schild auf die Brust pappen lässt, weil er gerne Superman sein wollte – das ist auch sehr emotional.

Warum scheiterte der Film dann an der Kinokasse? Erste Testvorführungen zeigten, dass der Film super beim Publikum ankam. Die Leute liebten den Film. Dann leakte eine unfertige Kopie des Films an einen Filmkritiker – der den Film ebenfalls in den höchsten Tönen lobte. Bird war über den Vorfall, dass jemand den unfertigen Film vorab rausgeschmuggelt hat, extrem sauer – aber auch froh, dass Der Gigant aus dem All so gut ankam.

Plötzlich wachte Warner auf. In der Produktionsreihe vor Der Gigant aus dem All stand Das magische Schwert – Die Legende von Camelot, der richtig in die Hose ging. Warner hatte deshalb Der Gigant aus dem All längst abgeschrieben. Normalerweise wird beinahe ein Jahr vor dem Start die Werbetrommel gerührt. Das passierte bei Der Gigant aus dem All nicht. Doch nun fing Warner an die Maschinerie anzuschmeißen – und verkackte grandios.

Das Marketing versagte auf voller Länge. Mann, wie konnte man das nur so in den Sand setzen? Der Original-Trailer? Eine einzige Katastrophe! Das Teil ist echt mies: man spielte das Thema “Heavy Metal” aus. Schnelle Schnitte, Rockmusik im Hintergrund – alles vollkommen falsch! Genau solche Sachen sollten nicht im Trailer auftauchten, doch sie machten es. Es gab Merchandising-Deals, die nicht eingehalten wurden, es gab keine Plakate in den Kinos, …

So kam es, dass dieser wunderschöne Film zunächst ein Desaster werden sollte. Erst später entdeckten die Leute, wie toll Der Gigant aus dem All ist.

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