Filmplakat Superman

7/10

"Dieser Haarschnitt sollte gegen deinen Schwur verstoßen." — Superman, 2025

Superman

Besprechung

Vor drei Monaten hat sich Superman (David Corenswet) erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Seitdem versucht er zu helfen, wo er kann. Der Kryptonier hat in seiner Festung der Einsamkeit in der Antarktis eine kaputte Aufnahme seiner biologischen Eltern. Auch wenn bei dem Flug vor vielen Jahren die Nachricht teils kaputt gegangen ist, ist der Teil, den er kennt, sein Ansporn Gutes zu tun. Zuletzt hat er im Krieg zwischen Boravia und dessen Nachbarland Jarhanpur eingegriffen. Das nehmen ihm manche Leute übel. Auch die Reporterin Lois Lane (Rachel Brosnahan) hinterfragt diese Tat in einem Interview mit Superman. Oder Clark Kent. Die beiden sind ein Paar und Louis weiß um die Geheimidentität ihres Freundes.

Der „Hammer von Boravia“ hat Superman seine erste Niederlage beschert. Was Sups nicht weiß: der Hammer stammt gar nicht aus Boravia. In der Rüstung steckt Ultraman. Während Superman mit dem Hammer von Boravia gekämpft hat, hat Engineer (María Gabriela de Faría) die Festung ausfindig machen können. Die beiden Metawesen werden von Lex Luthor (Nicholas Hoult) befehligt.

Der versucht nicht nur einen neuen Waffendeal mit der US-Regierung hinzubekommen. Er will vor allem eines: Superman vernichten. Dazu greift der Industrielle zu sehr schmutzigen Tricks, die am Ende Superman in einem Taschenuniversum festsetzen. Aber nicht, ohne Superman vorher über die sozialen Medien zu dif­fa­mie­ren. Für Superman bricht eine Welt zusammen.

Meinung von

Aufgewachsen mit Christopher Reeves Superman und später Terence Stamp als General Zod, war ich sehr angetan von Zack Snyders Man of Steel mit Henry Cavill in der Hauptrolle. Als ich dann den Trailer zur Neuverfilmung sah, war mein erster Gedanke: Nein. Einen anderen Superman als Henry will ich nicht haben. Einen weiteren Superman braucht es nicht. Der erste Trailer sah lahm aus. Wer ist dieser neue Superman-Darsteller? Was soll das mit Krypto? Wieso ist Krypto kein weißer Labrador Retriever? Was soll das mit dem "bunten" Kostüm und der Unterhose über dem Kostüm? Ich dachte, das hätten wir hinter uns? Einzig beim glatzköpfigen Nicholas Hoult dachte ich, das könnte etwas werden.

Den Film sah ich leider nicht im Kino. Dafür hat die Blu-ray Tonnen von Zusatzmaterial. Alleine ein einstündiges Making Of. Es war gut, dass ich mir das direkt nach dem Film angeschaut habe. Ich liebe Making Ofs: Informationen erhalten, die mir den Zauber des Films und Entscheidungen dazu erklären – Klasse. Durch das Making Of ist mir der Film näher gebracht worden.

Mit dem Hintergrundwissen bewaffnet, wurde der Streifen dann doch noch etwas besser. Ohne war er okay. Ich habe mich schnell an David Corenswet gewöhnt. Krypto ist kein Labrador Retriewer, weil Regisseur und Autor James Gunn nach dem Dahinscheiden seines geliebten Hundes im Tierheim einen vollkommen durchgeknallten Köter gefunden hat. Der hat ein abstehendes Knickohr. Beim Betrachten dieses Hundes kam Gunn die Frage in den Sinn: Wenn der Hund jetzt noch Superkräfte hätte – wie das wohl wäre?" Damit war die Idee geboren Krypto — mit Knickohr — im Film auftreten zu lassen. Krypto ist nach Ozu modelliert, nur in der Schulterhöhe und der Fellfarbe angepasst.

Und was soll das mit dem bunten Kostüm? Wieso ist die Unterhose wieder über dem Kostüm? James Gunn hat sich bewusst für ein farbenfrohes Kostüm entschieden, weil wir Zuschauer über Jahre zu den dunklen Kostümen hinerzogen wurden und es war nun an der Zeit, mal wieder dem Comic gerecht zu werden. Okay. Kann ich als Argument akzeptieren. Gewagt, aber in Ordnung. Die Idee mit der Unterhose stammt übrigens in erster Linie von David Corenswert. Er meinte, den Film würden auch Kinder sehen und die wolle er nicht erschrecken. Was ist alberner als eine Unterhose über dem Kostüm? Eben.

Zur Geschichte: Clark Kent wurde von seinen Erden-Eltern Martha (Neva Howell) und Jonathan (Pruitt Taylor Vince) im tiefsten Kansas groß gezogen. Seine biologischen Eltern kennt er nur von dieser kaputten Holografie-Nachricht. Alles, was ihn — und damit Superman — ausmacht, ist das Gute. (Nicht umsonst gilt Superman im DC-Universum als Pfadfinder.) Dass nun Menschen seine gut gemeinten Handlungen nicht verstehen oder sogar nicht gutheißen, das schmerzt. Hinzu kommen Schmähungen in den sozialen Netzwerken.

Als Lex Luthor die Nachricht der biologischen Eltern in die Hände bekommt, kann er den kaputten Teil reparieren — und mit den neuen Erkenntnissen Superman noch mehr schaden. Luthor hasst Superman. Luthor braucht die Aufmerksamkeit der Menschen, wenn nun ein Außerirdischer daher kommt und ihm in seiner Stadt Metropolis die Show stiehlt ... darauf kann Luthor überhaupt nicht. Also setzt der Geld, Leute und seinen Intellekt ein, um dem Helden Superman zu schaden. Dabei ist er dem Kryptonier immer mehrere Schritte voraus.

Nicholas Hoult spielt seinen Luthor ganz gut. Er ist jedoch noch zu jung für meinen Geschmack. Ich habe immer einen Altersunterschied zwischen Sups und Lex gesehen, wobei der Millionär älter ist als der Alien. Wieso heißt Lex' Firma "Luthorcorp", wenn sie im Comic doch immer LexCorp heißt? Hmm ...

Das Ding mit dem Altersunterschied war Gunn wichtig. Einer der Hauptkritikpunkte von Superman Returns war, dass Kate Bosworth eine viel zu junge Lois Lane war. Bosworth spielte eine Pulitzerpreis-Gewinnerin, die nicht buchstabieren konnte. (Mein Hauptkritikpunkt war die Tatsache, dass Superman ein Kind hatte und das extrem tranig daher kam.)

Zurück zu diesem Superman von James Gunn. Ich glaube, ich muss den Streifen ein weiteres Mal sehen. Gewappnet mit dem Hintergrundwissen, das ich jetzt habe, könnte er besser werden.

Neben Superman, Ultraman (Wer Comics liest, weiß, wer sich dahinter verbirgt. Wobei dieser Ultraman etwas von Bizarro hat ...) und Engineer sehen wir noch die "Justice Gang". Das ist wohl eine Anspielung an irgendeine Super-Gang aus den 1970ern. Glaube ich. Mir war so. Ach ne, das war die TV-Serie "Super Friends". Außerdem spielt Gunn auf die Justice League an, dem größten Superheldenhaufen im DC-Universum. Gründungsmitglieder waren damals Superman, Batman, Wonder Woman, The Flash, Green Lantern (die erste Green Lantern war Alan Scott) und der Martian Manhunter.

In Superman haben wir "nur" drei Helden in der Justice Gang: Green Lantern (Guy Gardner, gespielt von Nathan Fillion), Mr. Terrific (Edi Gathegi) und Hawkgirl (Isabela Merced). Das Trio residiert in einer Hall of Justice, wie wir sie aus den 1970ern kennen. Gunn nimmt also von überall her Idee und mixt sie in seine Vorstellung von Superman. Besonders gefreut hat mich nicht nur der Pisspott-Harrschnitt von Guy Gardner und das Auftreten von Mr. Terrific, sondern auch das Erscheinen von Metamorpho (Anthony Carrigan), einem Helden, der der breiten Öffentlichkeit bestimmt nicht bekannt sein dürfte — wie Mr. Terrific übrigens auch. Gunn hat es geschafft, dass das Vorhandensein von Metamorpho gut erklärt wurde.

Oft schwächeln Filme, wenn zu viele Protagonisten — in diesem Fall Helden — vorkommen. Gunn versteht es jedoch, Superman immer im Fokus zu halten. Die anderen Helden ergänzen am Rand. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass Gunn mit der Justice Gang noch etwas vorhat.

Im Grunde geht es bei Superman darum, dass ein allmächtiges Wesen aufgrund einer Nachricht aus der Vergangenheit Gutes tun will. Als die Wahrheit hinter der Nachricht ans Tageslicht kommt, fällt Superman tief. Alles, woran er bis dahin geglaubt hat, war eine Lüge. Welchen Sinn hat sein Leben? Lex Luthor spielt beim Fall Supermans die Hauptrolle.

Ich bin gespannt, wie er beim erneuten Ansehen wirkt, dann auf Englisch. Und wo die Reise noch hingeht mit diesem Superman. Das wird doch nicht nur eine Eintagsfliege wie Superman Returns sein?