Filmplakat Zoomania
8/10

„Der Killerinstinkt ist bei uns immer noch Genitiv.“ (Zoomania, 2016)


Zoomania

Besprechung

Die Tiere haben ihre animalischen Instinkte überwunden und nun leben Raub- und Beutetiere friedlich nebeneinander. Die größte Stadt der Tiere ist Zoomania: sechs Habitate, vier Klimazonen, eine unglaubliche Vielfalt an Tieren. Hier zieht die kleine Häsin Judy Hops (Ginnifer Goodwin) her. Sie hat mit viel Fleiß die Polizeiakademie absolviert und ist nun als erstes Kleinsäugetier der Polizei von Zoomania zugeteilt. Sie will schon von klein auf an Gutes tun und die Schwachen beschützen. Wofür sie auch von klein auf an ausgelacht wurde …

In Zoomania gibt es viel zu tun. Chief Bogo (Iris Elba) verkündet, dass 14 Raubtiere verschwunden sind – doch die kleine Häsin bekommt nur den Job der Parkraumüberwachung, sprich Tickets verteilen. Dabei läuft sie dem Fuchs Nick Wilde (Jason Bateman) über den Weg. Ihre Vorurteile dem Fuchs gegenüber werden schnell zerstreut. Sie hilft ihm sogar – nur um später festzustellen, dass er sie ausgenutzt hat und ein Trickbetrüger ist. Ihr erster Instinkt scheint also gestimmt zu haben.

Chief Bogo hält nichts von der kleinen Hasendame und will sie loswerden. Erst recht, nachdem sie das verbrecherische Wiesel Duke Weaselton (Alan Tudyk) in die Nagerstadt verfolgt hat, was äußerst gefährlich war – für die Nager. Judy kann sich jedoch retten, indem sie Mrs Otterton (Octavia Spencer) zusagt, ihren verschwundenen Mann zu retten. Bogo ist nicht amüsiert, gibt ihr aber widerwillig 48 Stunden Zeit, den Fall zu lösen. Die Fallakte ist die magerste Akte, die es überhaupt gibt, doch Judy hat einen Anhaltspunkt: Nick. Gemeinsam gehen Fuchs und Hase auf Verbrecherjagd.

Meinung von

Zoomania ist der erste Disney-Film seit langem, bei dem Tiere wieder Hosen anhaben. Alle Tiere in diesem Film sind menschlich, wobei die Macher darauf geachtet haben, dass alle Tiere in ihrem natürlichen Größenverhältnis zueinander stehen. Ein Elefant ist also sehr groß und Häsin Judy ziemlich klein. Was für eine Polizistin recht schwierig ist. Aber wie Judy schon in jungen Jahren verkündet, kann man in Zoomania alles werden, was man will – und sie möchte nun einmal Polizistin werden. An dem Traum hält sie fest, egal was Andere sagen oder welche Steine ihr in den Weg gelegt werden.

In der Welt von Zoomania leben alle Tiere friedlich nebeneinander. Daher auch der Original-Titel Zootopia, also eine ideale Zoo-Welt voller Harmonie. Warum in drei Teufels Namen die Deutschen den Titel umgeändert haben, bleibt mir wie immer ein Rätsel.

Judy ist lieb und knuddelig, herzallerliebst mit ihrem frischen Optimismus. Als Bogo ihr aufträgt am Tag 100 Strafzettel zu verteilen, nimmt sie die Herausforderung an und setzt sich selber das Zeil 200 Zettel zu schreiben – bis zum Mittag. Sie macht ihren Job absolut gewissenhaft. Nick auf der anderen Seite ist ein Fuchs. Er ist ein Betrüger, aber von der charmanten Art. Er ist ruhig und gewitzt. Das kann Judy schon sauer machen. Umso schöner ist es, wenn beide ein Team werden und gemeinsam den verschwundenen Otter finden wollen. Okay, Nick ist nicht ganz freiwillig dabei.

Es ist ganz klar, dass Judy und Nick Freunde werden. Sonst wäre es kein Disney-Film. Aber der Weg dahin ist beschwerlich. Vor allem, nachdem sie den Fall um den Otter und die verschwundenen Raubtiere gelöst haben. Hier hätte alles vorbei sein können. Doch das ist nur eine Unterbrechung und der Auftakt zu einer weiteren Geschichte in Zoomania. Hier bricht der Film damit ein Krimi zu sein und schwenkt um in eine Richtung, in der es um Verständnis Anderen gegenüber geht.

"Jemand" hat die Raubtiere wild gemacht und Judy plappert in ihrer ersten Rede vor laufenden Kameras aus, dass es irgendwas Genetisches sein muss. Damit sind die vielen, vielen Jahre der Ko-Existenz dahin. Raub- und Beutetiere haben so lange friedlich miteinander gelebt und plötzlich kommt Furcht auf. Wer vorher ein Freund war wird nun argwöhnisch, misstrauisch und angsterfüllt angeschaut. Jeder, der lange Reißzähne hat ist verdächtig gefährlich zu sein. Angst macht sich breit in Zoomania. Das Utopia ist dahin. Das muss Judy wieder fixen, mit der Hilfe von Nick. Doch auch der ist "nur ein Fuchs" und damit potenziell gefährlich. Eine frische Freundschaft steht auf dem Spiel.

Zoomania ist durch und durch ein gelungener Disney-Streifen. Wir haben putzige, liebenswerte Charaktere, eine gute Story und die Moral darf natürlich nicht auf der Strecke bleiben. Es geht um Vertrauen und dem Ablegen von Vorurteilen. Judy ist von Anfang an dem Fuchs gegenüber misstrauisch. Ihre Eltern haben ihr alle möglichen Fuchs-Abwehr-Utensilien mitgegeben und die junge Polizistin ist gewillt diese einzusetzen. Das entgeht auch Nick nicht. Er leidet auch unter den Vorurteilen, wie wir später lernen. Man kann gemeinsam und in Frieden miteinander leben. Das sollten Vorurteile und falsche Beschuldigungen nicht kaputt machen. Eine Lektion, die wir auf die menschliche Welt umsetzen sollten.

Das und die Sache mit dem "man kann werden, was man will, man muss nur daran arbeiten" sind die beiden Hauptangelpunkte des Films. Spannend übrigens zu sehen, dass der Film ursprünglich eine völlig andere Richtung eingeschlagen hatte. Dazu muss man das Bonus-Material anschauen.

Größter Lacher ist und bleibt – auch nach wiederholtem Anschauen des Trailers – die Szene in der Autozulassungsstelle und dem langsam Faultier Flash (Raymond S. Persi). Großartig! Danke auch an die Macher für die Referenz an meinen Lieblingsfilm Der Pate. Obergangster Mr. Big (Maurice LaMarche) ist natürlich Vito Corleone. Verdammt, wir stolpern sogar in die Hochzeit seiner Tochter herein! Da geht mir doch das Herz auf. Der Klassiker wird sogar wörtlich zitiert. Hach ...

Was gar nicht geht: Neben der fragwürdigen Umbenennung des Films mussten sie ja wieder für den deutschen Markt mit Dialekten arbeiten. Warum?!? Das kleine Wiesel Duke spricht mit bayrischen Akzent – und niemand weiß warum. Das finden die beim deutschen Filmverleih aus irgendwelchen Gründen lustig. Dabei brechen sie sogar noch ein Easter-Egg. Alan Tudyk, der Duke Weaselton spricht, synchronisiert in Die Eiskönigin den zweitklassigen Nebenbösewicht Duke of Weselton (im Deutschen brabbelt "Herzog von Pitzbühl" im wiener Dialekt) – und keiner von beiden redet so blöde im Original. Also was soll das …?

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