Filmplakat You Might Be the Killer
5,5/10

„Is there anyone left to kill?“ (You Might Be the Killer, 2018)


You Might Be the Killer

Besprechung

Sam (Fran Kranz) ist der Anführer des Sommercamps Camp Clear Vista. Zusammen mit ihm sind noch zwölf weitere Freizeitleiter dabei. Es sollte ein schöner Sommer werden. Gut, dass Sams Ex-Flamme Imani (Brittany S. Hall) dabei ist, ist nicht so prickelnd. Aber man arrangiert sich. Jeder gibt sein Mobiltelefon ab. Es soll ein Sommer zum Abschalten werden.

Kurz zusammengefasst: Der diesjährige Tripp geht voll schief. Wir sehen Sam, wie er aus dem dunklen Wald in eine der Hütten flüchtet. Irgendwer ist hinter ihm her. In seiner Verzweiflung ruft Sam seine alte Bekannte Chuck (Alyson Hannigan) an. Die arbeitet in einem Comicladen und kennt gefühlt jeden Horrorfilm.

Im Gespräch stellt Chuck Sam die pikante Frage, ob es sein könnte, dass er der Mörder ist?

Meinung von

Erster Film der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights für mich. Nach einem langen Tag auf der Arbeit (8-22h) bin ich direkt ins Savoy gefahren. Der Saal war nicht allzu gut besucht. Vielleicht lag es an der späten Vorstellung. Ein guter, spannender, lustiger Film kann da einem aber zum Glück über jegliche Müdigkeit hinweghelfen. Leider ist You Might Be The Killer nicht so ein Film.

Mit Fran Kranz und Alyson Hannigan hat Regisseur und Co-Autor Brett Simmons sich zwei Joss Whedon-Veteranen (Dollhouse und Buffy the Vampire Slayer) ins Boot geholt. Die kennen sich mit dem Übernatürlichen, Magie und Hexerei aus. Fran Kranz ist durch The Cabin in the Woods auch mit dem humorigen Horror bekannt. Der Trailer verspricht rasante Unterhaltung. Was bietet der Film?

You Might Be The Killer fängt klassisch an: ein unbekannter Mann läuft durch einen Wald und versteckt sich in einer Hütte. Einer von vielen Hütten, wie wir erfahren. Er ist blutverschmiert, panisch und hat offensichtlich einiges erlebt in dieser Nacht. In lauter Verzweiflung ruft er seine Bekannte an, die herrlich lakonisch von Alyson Hannigan gespielt wird. Sie passt aufgrund ihres Alters nicht mehr so ganz in die jungen Klamotten oder diesen Job, aber das ist soweit okay.

Während Sam aufgeregt ist, bleibt Chuck stets ruhig und besonnen. Wie eine große Schwester, die schon alles gesehen hat, gibt sie ihrem Kumpel Rat. Da sie sich bestens mit Horrorfilmen auskennt und auch das eine oder andere "mystische Buch" lieber im Hinterzimmer behält, anstatt es zu verkaufen, ist sie eine exzellente Beraterin. Analytisch seziert sie die Geschichte von Sam und stellt die Vermutung an, dass er vielleicht er Killer sein könnte.

You Might Be The Killer ist (vermute ich mal, gesehen habe ich sowas nicht) eine Hommage an die Freizeitlager-Slasher-Filme der 80er.


Der Titel hat eigentlich alles verraten. Ja, Sam ist der Killer. Er erzählt Chuck die Geschehnisse des Abends und wir sehen in Rückblenden was passiert ist. Sam hatte immer wieder Gedächtnislücken. Deswegen kann er sich auch nicht daran erinnern, dass er ... naja, der Mörder ist.

Der Grund dafür ist "simpel". Eine verfluchte Seele in einem Baum, der gefällt wurde und aus dem eine Maske geschnitzt wurde, die ein Eigenleben entwickelt hat. Ein wenig musste ich an Die Maske mit Jim Carrey denken. Nur, dass Sam keine grüne Cartoon-Nervensäge wird, sondern ein Serienkiller.

Im Verlauf des Films versuchen Sam und Chuck herauszufinden – alles per Telefon –, wie man Sam aus dem Bann der Maske befreien könnte. Eine Art Telefonseelsorge/Exorzismus. Zwischendurch dann die obligatorischen Rückblenden, die zeigen, auf welche Art und Weise Sam seine anderen Coaches von hier ins Jenseits befördert hat.

Der Film hat tatsächlich einige wunderschöne Lacher an Bord. Das kommt hauptsächlich durch die skurrile Situationskomik zustande. Wenn Sam z.B. in Panik Chuck anrufen will und zum Entsperren seines Telefons die Gesichtserkennung anschmeißt, das Telefon ihn aber ob des vielen Bluts im Gesicht nicht erkennt – dann hat man eine Ahnung davon, dass der Film lustig und schräg wird. Ist er auch.

Allerdings ist die Rahmengeschichte schnell aufgedeckt und dann zieht sich der Spaß die restlichen 80 Minuten etwas hin. Einziger Running Gag: Steve. The Kayak King! ...

Mich hat der Film leider nicht vom Hocker gerissen. Auch wenn er anfangs lustig ist. Ich war schlicht und ergreifend zu müde und musste viel Energie dafür aufwenden, nicht einzuschlafen (was mir nicht immer gelungen ist). Wenigstens war es nicht so schlimm wie bei meinem Sitznachbar. Der hat tatsächlich geschnarcht und wurde von seinem Kumpel angestupst.

Da fand ich Blood Fest von den diesjährigen Fantasy Filmfest White Nights besser.

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