Filmplakat Blood Fest
6/10

„Wanna make movies scary again?“ (Blood Fest, 2018)


Blood Fest

Besprechung

Dax (Robbie Kay) ist ein riesiger Horrorfilm-Fan. Er hat auch schon Karten für das „Blood Fest“ – eine einzige Hommage an alle möglichen Horror-Genres auf einer Fläche von 700 Hektar, irgendwo am Arsch der US von A. Auch sein Kumpel Krill (Jacob Batalon) freut sich auf das Fest, ebenso Sam (Seychelle Gabriel), mit der Dax zusammen arbeitet.

Unglücklicherweise ist Dax‘ Vater, Dr. Conway (Tate Donovan), strikt gegen diesen Müll. Der Psychiater hat tagtäglich mit gewaltbereiten Menschen zu tun und seine Frau wurde von einem Slasher umgebracht. Kein Wunder, dass Dr. Conway Horrorfilme für die Gewalt unter den Menschen, besonders den jungen, verantwortlich macht. Ein Besuch kommt nicht in Frage. Zack, sind die Eintrittsbänder zerschnitten.

Dax schafft es dennoch in das umzäunte Gelände zu gelangen. Das Fest beginnt und Dax ist selig. Der Veranstalter des Fests, Anthony Walsh (Owen Egerton), macht vor den Massen eine große Ansprache. Seiner Meinung nach sind Horrorfilme nicht mehr gruselig. Sie sind total durchkommerzialisiert und lahm. Es ist an der Zeit, dass sich das ändert. Alles, was auf dem Blood Fest passiert, ist echt. Frohes Sterben!

Dax und Co. müssen quer über das Festivalgelände, um einen Ausgang zu finden – vorbei an Zombies, Kettensägern-Schlachtern, Vampiren, Clowns und was sich sonst noch in Horrorfilmen herumtreibt.

Meinung von

Blood Fest ist mein erster Film im Rahmen der diesjährigen Fantasy Filmfest White Nights (eher "Gray Nights", bei uns regnet es durch nur noch, Schnee kennen wir nicht in Hamburg). Was kann man von so einer billigen Produktion erwarten? Spaß, Blut, Blut und Blut.

Walsh hat ja nicht Unrecht. Horrorfilme sind alle gleich und nicht mehr gruselig. Dabei haben sie einen katalytischen Charakter. Am Anfang des Films schaut der junge Dax (Tristan Riggs) mit seiner Mutter (Samantha Ireland) White Zombie und stellt die Frage Mum, why do we watch these movies?. Die Antwort ist: Weil wir dann wissen, wovor wir uns ängstigen und es damit nicht mehr angsteinflößend ist.

Das sieht man natürlich anders, wenn von einem solchen Spacken von Horrorfilm-Fan eben die Frau ermordet wurde. Dr. Conway kann man also schon verstehen.

Wenn einer von den Leuten Geld verlangt, dass sie auf ein Festival kommen und diese zahlenden Gäste dann auf alle erdenklichen Weisen abschlachten lässt – was hat das für einen Sinn? Ist das wirklich sinnloses Gemetzel? Dann wäre der Film sehr lahm. Eine Geschichte hätte ich schon ganz gerne. Die liefert uns Autor, Schauspieler und Regisseur Owen Egerton sogar. Klar ist das eine völlig blöde, duschgeknallte Geschichte, aber immerhin ein Versuch das Blood Fest zu rechtfertigen.

Spider-Man: Homecoming-Liebling Jacob Batalon spielt den liebenswerten, jungfräulichen Kumpel unseres Heldens. Er ist klar der Comic relief, während Dax durch sein Wissen um Horrorfilme glänzt und die Truppe anleitet. Mit von der Partie der Flüchtenden sind noch Ashley (Barbara Dunkelman), von der Dax die Eintrittskarte hat und Dax' Slasher-Film-Idol Roger Hinckley (Chris Doubek), der noch nie einen seiner eigenen Filme gesehen hat. Ihm wird schlecht von so viel Blut. Wie immer gilt: Triff niemals deine Helden!

Der Film hat die üblichen, netten, geekigen Horrorfilm-Fans, die eigentlich alle herzenslieb sind. Er nimmt rasch Fahrt auf. Wenn Dax und Co. auf dem Festival-Gelände sind, wird nicht lange gefackelt. Egerton hat hier ein sicheres Händchen für Tempo und Witz. Wenn er die Kettensägen-Mörder in ihren Schweinsmasken loslaufen lässt, fließt das Blut in Strömen. Was in seiner Wucht lustig ist.

Ich habe mich echt nett unterhalten gefühlt. Wir lernen die wahren Gründe von Gamemaster Walsh kennen, was echt duschgeknallter Scheiß ist. Aber man lässt sich darauf ein. Leider verliert Blood Fest auf den letzten Metern arg. Da ist Egerton wohl die Puste ausgegangen. Das Finale ist lieblos und schwach. Schade.

Der Gedanke alle möglichen Horror-Gestalten in einem Film zu vereinen kommt mir ein wenig aus The Cabin in the Woods bekannt vor. Der Streifen ist aber um Galaxien besser als Blood Fest. Ist halt eine andere Gehaltsklasse (1,2 Mio $ vs. 30 Mio $).

Die Macher des Fantasy Filmfests geben dem Film "Popcorn Party" und "Hardcore", was eine gute Einstufung ist. Er macht Spaß, ist blutig, es sterben viele Protagonisten, die man mehr oder weniger mag – wenn der lahme Schluss nicht wäre, hätte er vielleicht einen Platz im DVD-Regal bekommen. So reicht das leider nicht.

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