Filmplakat Victoria & Abdul
8/10

„Alles in Schottland ist kratzig.“ (Victoria & Abdul, 2017)


Victoria & Abdul

Besprechung

Abdul Karim (Ali Fazal) ist Schreiber in einem indischen Gefängnis. Indien ist seit 29 Jahren unter britischer Herrschaft. Weil Königin Victoria (Judi Dench) ihr 50. Thronjubiläum feiert, soll sie als Kaiserin von Indien eine Ehrenmedaille erhalten, die der hochgewachsene Abdul als Repräsentant Indiens überreichen soll. So reist der junge Mann zusammen mit Mohammed (Adeel Akhtar) ins kalte Großbritannien im Jahre 1887.

Man schärft Abdul ein, keinen Blickkontakt mit der Königin zu machen – doch er wagt es und die Königin wird auf ihn aufmerksam. Die beiden freunden sich an – sehr zum Entsetzen des gesamten Hofstaats, dem Thronfolger Bertie, Prince of Wales (Eddie Izzard) sowie dem Premierminister Lord Salisbury (Michael Gambon). Die 68-jährige Herrscherin sieht in Abdul einen weisen Lehrer aus Indien. Den Stand eines Dieners spricht sie ihm ab.

Jeder will, dass die beiden Inder wieder abreisen. Sowohl Victorias Hofstaat, als auch Mohammed, doch Victoria scheint einen Narren an ihrem Lehrer gefressen zu haben. Auch als sie feststellt, dass er verheiratet ist, ist sie ihm wohl gesonnen.

Meinung von

Ein schöner Film, den uns der britische Regisseur Stephen Frears da präsentiert. Der Film fängt leicht und beschwingt an. Abdul ist ein froher, neugieriger Mann. Er empfindet die Reise nach Großbritannien als Ehre, sein Reisegefährte Mohammed hingegen sieht das eher als Strafe an. Die Briten sind in seinen Augen nicht nur Unterdrücker, sondern auch Barbaren. Außerdem, da ist er sich sicher, werden sich Abdul und er in dem kalten Land den Tod holen. So ist der Mann nur am nörgeln und jammern, was Abduls gute Stimmung nicht trüben kann.

Judi Dench spielt die alte Königin Victoria hervorragend. Ihre Victoria ist schwerfällig, gelangweilt, satt. Und auch sehr, sehr einsam. Sie sagt zu Abdul, dass niemand wisse, wie es sei, eine Königin zu sein. Alle um einen herum sind falsch und kriecherisch. Sie ist nur allzuoft gefangen in ihren eigenen Mauern, ihrem eigenen Land, ihren Aufgaben. Zudem hat sie ihre großen Lieben verloren und ist nun alleine. Gen Ende des Filmes sieht man Dench all die Last des Amtes an. Sie wirkt sehr traurig.

Erfahrungen mit dem Spielen der Königinnen hat Dench ja – einerseits war sie bereits Königin Victoria in Ihre Majestät Mrs. Brown, in Shakespeare in Love spielte sie hingegen Königin Elizabeth I (wofür sie sogar einen Oscar erhielt).

Der Film hat viel Witz. Zum Ende hin ändert sich jedoch die Stimmung. Der Verrat des Hofstaats steht im Vordergrund, die Einsamkeit der Königin ebenso. Damit ist Victoria & Abdul nicht nur eine nette Komödie, sondern spielt auch ernstere Klänge an. Wir sehen Rassismus auf der einen Seite, wenn sich alle Bedienstete gegen Abdul stellen. Auf der anderen Seite sehen wir hingegen eine Freundschaft über Kultur, Hautfarbe, Religion und Sozialstand hinweg. Beide, die Königin und ihr Lehrer aus Indien, verbindet ein enges Band, das schön anzusehen ist. Es kommen "schmutzige Geheimnisse" über den ehemaligen Gefängnisschreiber ans Tageslicht, die die Königin ignoriert. Sie interessiert sich nicht für die Vergangenheit ihres Freundes, sondern nimmt ihn so an, wie er ist. Mit seinen Fehlern.

Victoria fühlt sich zunächst zu dem gut aussehenden Abdul hingezogen, mancher vermutet gar auf amouröse Art. Abdul könnte der nächste Mr. Brown werden, flüstert man. John Brown war Diener, von dem man vermutet, dass er mit der Königin liiert war. Brown und Abdul waren sich wohl ähnlich. Brown soll ebenfalls offen mit der Monarchin gesprochen haben. Was man sonst natürlich nicht machte. Das spielt im Grunde wieder auf die Einsamkeit und die Bürde der Königin ein. Doch Victoria sprach von Abdul auch einfach nur als Freund, manchmal als Sohn.

Die Geschichte von Victoria & Abdul basiert auf den Entdeckungen der indischen Journalistin Shrabani Basu, die Bilder Abduls sah und sich wunderte, wieso ein indischer Diener in teils sehr noblen Haltungen dargestellt wurde.

Victoria & Abdul ist ein schöner Film, der einen beinahe zwei Stunden bestens amüsiert, aber auch durch seine ernsten Momente zum Denken anregt. Dame Dench ist vortrefflich in der Rolle als Königin besetzt.

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