Filmplakat Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
9/10

„Sind sie schwerlesend?“ (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, 2017)


Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Besprechung

Mildred Hayes (Frances McDormand) hat es satt. Vor sieben Monaten wurde ihre Tochter Angela (Kathryn Newton) bestialisch ermordet. Die Polizei hat immer noch keinen Täter gefasst. Da hat Mildred die Idee, drei Werbetafeln an einer abgelegenen Straße zu mieten, auf denen sie öffentlich den hiesigen Gesetzeshüter, Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) angreift. Kein Wunder, dass der das nicht so prickelnd findet. Aber Mildred lässt sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie hat sorgfältig darauf geachtet, kein Gesetz zu brechen.

Während es der Sheriff mit guten Worten bei der Souvenir-Verkäuferin versucht, geht einer seiner Officer, Jason Dixon (Sam Rockwell), mit anderen Bandagen vor. Der gute Mann steckt voller Südstaaten-Hass, wohnt noch bei seiner Mutter, ist nicht die hellste Glühbirne im Kronleuchter und ist mehr oder weniger immer betrunken. Dixon, so dumm und gefährlich wie er auch ist, wird zunächst noch von seinem Chef zurückgehalten.

Eines Abends brennen die Werbetafeln und Mildred ergreift Gegenmaßnahmen.

Meinung von

Manchmal brummt es im Internet und man liest mit halbem Auge, dass ein Film so gut sein soll, dass man sich tatsächlich davon anstecken lässt. Mit Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist es Autor und Regisseur Martin McDonagh gelungen, dieses Medienversprechen auch voll einzuhalten. Was für ein großartiger Film, was für eine tolle Geschichte, was für hervorragende Schauspieler.

McDonagh hat bereits mit Brügge sehen … und sterben? bewiesen, dass er melancholische Themen mit viel Witz vermengen kann. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri hat eine sehr traurige Grundgeschichte. Eine Mutter hat ihr Kind auf bestialische Weise verloren. Sie ist zutiefst verletzt, innerlich kaputt. Doch sie will Gerechtigkeit und da sie ihr nicht widerfährt, holt sie die Öffentlichkeit ins Boot. Frances McDormand ist ideal besetzt. Die Schauspielerin hat ein herbes, versteinertes Gesicht, manchmal hebt sie im Gespräch ganz leicht die Augen und das sagt dann alles. McDormand kommt mit so wenig aus.

Mildred ist ruppig, verletztend und gemein zu ihrer Umwelt. Der kleinwüchsige James (Peter Dinklage), der sich eigentlich für Mildred interessiert und nur nett zu ihr ist, wird barsch von ihr zurückgewiesen. Aber sie tritt auch schon mal Schulkameraden ihres Sohnes Robbie (Lucas Hedges) zwischen die Beine …

Sam Rockwell ist wunderbar schrecklich anzusehen in seiner Rolle als tumber Südstaaten-Bulle. Wenn er nicht so komisch wäre, musste man sich nur über diese Figur aufregen, so schrecklich rassistisch und dumm ist Dixon. Und doch schlummert auch in ihm etwas Gutes, das schließlich von seinem ehemaligen Chef in ihm geweckt wird. Bevor er jedoch seinen Dreh hinbekommt, sehen wir ihn voller Gewalt den Werbemittel-Vermarkter Red Welby (Caleb Landry Jones) verprügeln und so manche Schote zum besten geben.

Auf der einen Seite ist Three Billboards Outside Ebbing, Missouri wie gesagt furchtbar traurig, doch wird immer wieder im richtigen Moment so wahnsinnig viel Witz in die Handlung eingemischt, dass am Ende ein Film herauskommt, den man wohl bitter-süß nennen muss.

Kurze Zeit dachte ich noch, der Streifen würde eine billige Wendung nehmen; ein Happy-End, aber auch ein billiges, doch McDonagh dreht die Handlung um einige Grad in eine andere Richtung und schon kommt ein gelungenes, wenn auch offenes Ende heraus.

Woody Harrelson spielt eine recht kleine Rolle, eine tragische Rolle. Sein Charakter hat Krebs. Die Art und Weise, wie McDonagh diese Figur abtreten lässt ist traurig und doch schön. Der ganze Film ist ein “sowohl als auch”, eine ständige Balance zwischen Trauer, Schmerz und Verzweiflung auf der einen Seite, sowie staubtrockenem Humor auf der anderen.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist bestimmt nichts für die Popcorn-Fraktion, die sich lieber Filme mit schnellen Autos und wilden Schießereien anschauen. Three Billboards ist ruhig und dabei voller Leben.

Regisseur McDonagh hat für Three Billboards Outside Ebbing, Missouri Sam Rockwell, Woody Harrelson und Abe Cornish wieder vor die Kamera geholt, mit denen er bereits in 7 Psychos zusammengearbeitet hat.

Der Film ist nicht ohne Grund gleich siebenmal für einen Oscar nominiert – Bester Film, Beste Hauptdarstellerin und zweimal Bester Nebendarsteller sprechen für sich.

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