Filmplakat This Is Your Death
8/10

„They want to see something real!“ (This Is Your Death, 2017)


This Is Your Death

Besprechung

Adam Rogers (Josh Duhamel) moderiert bei WBC eine Heiratsshow. Eines Tages bringt sich eine Verliererin vor laufender Kamera um – und die Einschaltquoten sind super. Der Sender recherchiert und findet eine Gesetzeslücke. Wenn sich Menschen umbringen, dabei medizinische Unterstützung erhalten, dann ist das nicht strafbar. Adam ist empört. Er ist noch traumatisiert von dem Vorfall und seine Chefin Ilana Katz (Famke Janssen) schlägt ihm vor, daraus eine Show zu machen? Sie setzt ihm sogar schon die Produzentin Sylvia (Caitlin FitzGerald) vor die Nase.

Adam geht in sich und macht doch mit – unter der Bedingung, dass er Mitspracherecht hat und dass nicht der Tod im Vordergrund steht, sondern das Leben. Oh, und Transparenz ist ihm wichtig. Es muss alles real sein, denn das fehlt dem Fernsehen von heute.

Die Show schlägt wie eine Bombe ein. Die Menschen bringen sich vor Publikum im Studio und vor einem Millionenpublikum vorm Fernseher “für einen guten Zweck” um. Adam ist im Höhenflug. Dabei vergisst er so viele Dinge, wie zum Beispiel seine Schwester Karina (Sarah Wayne Callies), die in einem Krankenhaus als Pflegerin arbeitet und Leben retten will. Das fällt schwer, wenn der eigene Bruder mit dem Tod Geld macht.

Meinung von

Okay, das war mal "Wow!". Fünfter Film beim Fantasy Filmfest für mich und nachdem ich einen langweiligen Streifen vorgesetzt bekam, bekamen wir alle im Kino mit This is your Death voll eins in die Fresse gehauen. Der Film fängt rasant an, wir sehen, wie Adam tatsächlich mit dem Selbstmord der Frau zu kämpfen hat. Im Morgenfernsehen redet er sich die Seele vom Leib und prangt das Fernsehen und die Schaulust der Zuschauer an. Reality-TV ist kein Stück real, ein Selbstmord ist es. Amerika braucht so eine Wach-mach-Aktion. — Sagte er und befürchtet, er habe am nächsten Tag keinen Job mehr. Doch genau das Gegenteil passiert.

Adam hat am Anfang tatsächlich noch "gute Absichten". Er will schocken, die Menschen wachrütteln. Die Teilnehmer seiner Show nehmen sich also vor laufender Kamera das Leben – aber immer für einen guten Zweck. Dafür dass sie sich umbringen, wird meistens für die Hinterbliebenen gespendet. Nimmt sich die Mutter das Leben, hat ihre Tochter finanziell ausgesorgt. Na, wenn das nicht eine Win-Situation ist!

Zum einen zeigt der Film den Verfall von Adam, wie sehr er sich vom Ruhm konsumieren lässt und dabei jede Moral verliert. Das Studiopublikum fällt ebenfalls tief. Da sitzen Leute beim Sender und feuern arme Seelen an, sich endlich das Leben zu nehmen – je grausamer, desto besser. Ihr seid alle eklige Schmeißfliegen, Parasiten, Monster – möchte man ihnen zurufen, nur um festzustellen, dass man selber im Kinosessel einer der Voyeure ist. Das trifft ins Schwarze.

Neben Adams Geschichte, die mit der von Sylvia, die, obwohl Produzentin, noch ein Fünkchen Anstand hat, sehen wir auch die Geschichte von Mason Washington (Giancarlo Esposito). Er ist ein hart arbeitender Familienvater mit zwei Jobs, eigentlich müsste er drei haben, um seinen beiden Kindern das Leben zu geben, das er nie hatte. Doch für 50-Jährige gibt es keine Jobs. Die finanzielle Lage von Mason wird immer schlimmer, der Mann immer verzweifelter. Klar, wir wissen genau, worauf das hinaus läuft. Aber das ist auch gut. Sind die Selbstmörder doch alle namenlose Gesichter für uns, wird uns die Geschichte von Mason ausführlich gezeigt und wir bauen Sympathien auf. Das macht das, was da droht zu kommen, schlimmer. Nicht ungeschickt eingefädelt.

Schließlich ist da noch Adams Schwester, seine einzige Familie, die er noch hat. Karina will Leben retten, aber ihr Bruder geht landesweit vor einem Millionenpublikum vor die Kamera und macht aus dem Leid Anderer eine Show. Die Belastung für die junge Frau wird immer größer.

Regisseur Esposito baut einen zunächst zynischen, dann immer ekliger werdenden Blick auf die Medien und auf uns als Medien-Konsumenten auf. An manchen Stellen wirkt der Film etwas "billig", einfach nur, weil nicht alles riesig ist. Die Bühne, auf der sich die Teilnehmer das Leben nehmen ist doch recht klein, ebenso das Publikum. Oder das Aufnahmestudio. Das scheint nur aus einem kleinen Raum mit einer Hand voll PCs zu bestehen. Keine großen Monitorwände und Tonnen von Technik, wie man das aus anderen Filmen kennt. Hier denkt man, der Film habe nicht genug Budget gehabt. Aber solche Momente flackern lediglich auf und sind dann wieder vergessen.

Die Idee mit dem Selbstmord vor der Kamera mag ein wenig an Network erinnern, geht dann aber doch andere Wege. This is your Death greift nicht nur die Medien an, sondern hält uns als Konsumenten den Spiegel vor. Immer wieder kommt es zu absurden Situationen, wenn z.B. ein Teilnehmer sich gerade das Leben genommen hat, Adam mit betroffener Miene vor die Kamera tritt und hinten jemand mit einem Wischmop auf die Bühne tritt. Das ist komisch, aber auch zugleich bedrückend. Der Film ist bedrückend. Das Ende ist ein doppelter Schlag in die Magengrube des Zuschauers. Ich glaube in den langen Jahren, die ich das Fantasy Filmfest besuche, habe ich es noch nie erlebt, dass am Ende geklatscht wurde. Erst bei This is your Death.

Anschauen! Vielleicht in Begleitung ...

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