Filmplakat Network
8/10

„Die Amerikaner brauchen einfach jemanden, der ihren Zorn artikuliert und ausspricht.“ (Network, 1976)


Network

Besprechung

Howard Beale (Peter Finch) war jahrelang Nachrichtensprecher bei UBS. Nun sind seine Einschaltquoten nicht mehr so gut und sein Kumpel und Chef der Nachrichtenabteilung, Max Schumacher (William Holden), feuert ihn mit zwei-wöchiger Kündigungsfrist. Da Howard nichts anderes kann, als die Nachrichten zu sprechen, kündigt er in seiner letzten Sendung an, er werde sich in acht Tagen vor laufender Kamera eine Kugel in den Kopf jagen.

Howard wird sofort vom Sender genommen. Er bittet jedoch darum, noch einmal vor der Kamera seine Aktion zu erklären. Man erklärt sich bereit — und Howard fängt an eine wahre Hasstriade loszulassen. Das Leben ist scheisse, die Wirtschaft ist scheisse und die Menschen sollen es laut zum Fenster hinausbrüllen.

Und sie brüllen!

Nun wird die Programmmanagerin Diana Christensen (Faye Dunaway) auf Howard aufmerksam. Sie strickt ihm eine Show zusammen, in der er der “wütende Prophet” ist. Howard steht wieder vor der Kamera. Er greift die Communications Corporation of America (CCA) an, den Konzern, der UBS aufgekauft hat. CCA-Lakai Frank Hackett (Robert Duvall) ist nicht wirklich begeistert, lässt Howard jedoch gewähren — bis der ehemalige Nachrichtensprecher die Araber angreift. Nun schaltet sich CCA-Boss Arthur Jensen (Ned Beatty) ein.

Nachdem sich Jensen mit Howard unterhalten hat, ist nichts mehr, wie es zuvor war …

Meinung von

Ich habe ja nun schon einige Jahre auf dem Buckel. Aber meine mediale Erziehung hatte mir bisher noch nie dieses Juwel kredenzt. Dabei ist Network ein so wunderbarer Film, greift er doch das Massenmedium Fernsehen an. Regisseur Sidney Lumet soll gesagt haben, Network sei keine Satire, sondern lediglich eine Reflexion dessen, was tatsächlich in den TV-Konzernen vor sich geht. Das stimmt natürlich nicht. Spätestens am Ende, wenn Hackett und Christensen sich überlegen, was sie mit Howard machen sollen, nachdem seine Einschaltquoten wieder in den Keller gehen — spätestens da muss es eine Satire sein! Alles andere wäre zu grausam ...

Lumet zeigt uns, dass es in dem Geschäft nur um Einschaltquoten geht. Egal was gezeigt wird, egal wie schwachsinnig der Kram ist, der über die Mattscheibe flimmert — Hauptsache die Quote stimmt. Das war 1976 so und hat heute immer noch seine Gültigkeit.

Network hat keine Witze, keine flotten Sprüche und doch muss man immer wieder lachen. Was Lumet uns zeigt, dieses übermalte Bild der Fernsehlandschaft, in der ein Verzweifelter ein Prophet sein kann, ist köstlich und schaurig zugleich.

Peter Finch, der den Oscar für den besten Hauptdarsteller posthum bekam, hatte ihn sich redlich verdient. Wenn seine Figur des Howard vor der Kamera steht und voller Hass das Publikum anpöbelt, die Wirtschaft, das gesamte System verhöhnt — das ist wahrlich sehenswert. Network hat einige ganz große Auftritte! Auch Ned Beatty, den man sonst immer als trotteligen Charakter kennt, legt eine wunderbare Schauspielkunst hin. Wenn er sich Howard vorknöpft und ihm erklärt, wie die Welt tatsächlich funktioniert, dann ist das zu tiefst beeindruckend. Und nebenbei extrem gut gefilmt.

Network ist ein sozial-, system- und medienkritischer Film. Zwar hat er zwei, drei Nebenhandlungen, die nicht wirklich notwendig sind — so z.B. die Beziehung zwischen Schumacher und Christensen, aber wenn man das wegstreicht, bleibt ein exzellenter Film über. Nicht umsonst hat er vier Oscars eingefahren. Neben Finch als bester Hauptdarsteller, erhielt Faye Dunaway den Oscar als beste Hauptdarstellerin und Beatrice Chayefsky den goldenen Mann als beste Nebendarstellerin (tatsächlich taucht sie nur ca. sechs Minuten im Film auf). Zudem bekam Network den Oscar für das beste Screenplay.

Dieser Film ist trotz seines hohen Alters topaktuell und absolut sehenswert. Die Botschaft des Films muss man selber erleben!

Network wurde "inspiriert" von dem tatsächlich statt gefundenen Live-Selbstmord der TV-Reporterin Christine Chubbuck, 1974.

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