Filmplakat There Will Be Blood
8/10

„Ich hab' diese Triebfeder in mir. Ich ... ich will nicht, dass ein anderer Erfolg hat.“ (There Will Be Blood, 2007)


There Will Be Blood

Besprechung

Ende des 19. Jahrhunderts legt Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) den Grundstock für sein Vermögen. Unter enormen Entbehrungen ringt er der Erde Gold ab. Nur vier Jahre später, im Jahre 1902 ist Plainview umgestiegen auf das schwarze Gold. Er hat ein Gespür dafür, wo sich Öl befindet und so seinen Reichtum und seine Macht erweitert. Eines Tages steht ein schüchterner Junge vor ihm. Paul Sunday (Paul Dano) verrät Plainview gegen eine gute Summe Geld von einer neuen, noch nicht erschlossenen Quelle. Diese Quelle befindet sich unter dem Land der Sundays.

Plainview reist mit seinem adoptierten Sohn HW (Dillon Freasier) zu den Sundays und schwatzt ihnen das Land ab. Pauls Zwillingsbruder Eli (Paul Dano), der nichts von dem Deal seines Bruders weiß, knüpft den Verkauf an eine Bedingung. Eli ist selbsternannter Prediger seiner Kirche. Die neue Quelle muss von ihm gesegnet werden. Plainview stimmt zu – ignoriert dann aber am Tag der Einweihung diesen kleinen Pisser.

Es kommt zu einem Unfall, bei dem HW sein Gehör verliert. Für Eli ein klares Zeichen Gottes. Während Plainviews sein Öl-Imperium weiter ausdehnt, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Eli. Zudem steht eines Tages Plainviews Halbbruder Henry (Kevin J. O’Connor) vor der Tür. Nachdem Plainview den tauben HW weggegeben hat, ist die Anwesenheit von Henry eine willkommene Abwechslung. Doch so richtig trauen will er Henry auch nicht.

Am Ende seiner Karriere, von Misstrauen zerfressen, bricht Plainview dann schließlich mit HW (Russell Harvard).

Meinung von

So viele Filme hat Regisseur Paul Thomas Anderson eigentlich noch gar nicht auf dem Kasten. Viele Regiearbeiten sind Musik-Videos. Mit Boogie Nights wurde er berühmt. Es folgte Magnolia, Punch-Drunk Love und dann auch schon There Will Be Blood. There Will Be Blood basiert auf dem Buch Petroleum (im Englischen Oil!) von Upton Sinclair aus dem Jahre 1927. Das Buch – ich habe es nicht gelesen – dreht sich wohl eher um einen Sohn, der von einem strengen Vater in Richtung Kapitalismus erzogen wird, der sich dann aber davon frei machen will.

Anderson schrieb das Buch für seinen Film um. Im Mittelpunkt steht ganz klar der Öl-Tycoon Daniel Plainview. Wir sehen, wie er zu einem reichen Mann wird. Geld bedeutet ihm alles. Er will alles haben. Dafür arbeitet er schwer, später lässt er schwer dafür arbeiten. Im Laufe seines Geschäftslebens fängt er an über Leichen zu gehen. Er beutet aus und traut keiner Seele. Nur seinem adoptierten Sohn HW, dem er nicht sagt, woher er wirklich stammt, traut Daniel. Als der dann aber mehr oder weniger durch das Verschulden von Daniel taub wird, weiß Daniel nicht mehr, wie er mit dem Jungen umgehen soll. Er schickt ihn auf eine Gehörlosenschule. Damit entfremden sich die beiden. Der einzige Vertraute Daniels geht.

Daniel Day-Lewis gewann mit seiner Darstellung des eiskalten Kapitalisten seinen zweiten Oscar. Durchaus zu Recht. Er ist wortkarg, kann aber im richtigen Moment Wutausbrüche schaurig auf die Leinwand bringen. Man möchte seinem Plainview nicht geschäftlich begegnen. Auch so nicht. Ein überaus unangenehmer Geselle.

Während Plainview gefährlich aggressiv ist – in allem, was er macht –, ist Paul Dano in seiner Rolle als Eli ebenfalls gefährlich, aber auf eine andere Art. Eli ist ein religiöser Fanatiker. Er glaubt daran, dass er einen direkten Draht zu Gott hat, dass er Krankheiten heilen kann, in dem er Dämonen austreibt. Eli liebt die Macht, die er über Menschen hat, weil er dadurch jemand ist. Plainview hingegen weiß, dass er ein großer Mann ist. Wer Geld hat, ist groß und Plainview hat verdammt viel Geld. Beide Figuren sind eklig.

Sinclair schrieb sein Buch als Satire auf den unglaublichen Kapitalismus der mit Gold- und Ölrausch einsetzte. Damit ist sein Buch eine Kritik an den gesellschaftlichen Normen, die durch das Geld korrumpiert werden. Anderson bringt keine Satire auf die Leinwand. Seine Anklage des Kapitalismus ist dreckig, grausam und hart. Am Ende ist Plainview nach den vielen Jahren des Geldscheffels nicht glücklich. Er traut niemandem mehr, nicht mal seinem Sohn. Er Jagd ihn zur Tür heraus. Alle wollen nur Plainviews Geld. Also sind alle gegen ihn.

Dann taucht Eli auf. Auch er hat sich vom Geld und der Macht verderben lassen. Nun steht er wimmernd vor Plainview – doch der hat nur Verachtung für Eli übrig und lässt den Gottesmann sich selber demütigen.

Am Ende verdirbt das Geld alle. Bei Plainview reicht es auch zum Mord. Die Abschlussszene auf seiner eigenen Kegelbahn ist schon beeindruckend und wird gerne als eine der besten Schlusseinstellungen der Filmgeschichte gesehen (auf Platz Eins: die Schlusseinstellung aus Der schwarze Falke).

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