Filmplakat Magnolia
9/10

„Am wenigsten nützt mir auf dieser Welt, was ich hinter mir habe.“ (Magnolia, 1999)


Magnolia

Besprechung

Amerika, San Fernando Valley, es wird ein Tag aus dem Leben beschrieben. Nach einer kleinen Einführung ist das Thema “Zufälle” geht es gleich rein in das pralle Leben von völlig verschiedenen Menschen. Doch irgendwie sind alle Lebensgeschichten miteinander verwoben. Erinnert an Short Cuts? Jepp. Ist aber deswegen nicht minder gut.

Da haben wir den kleinen Stanley Spector (Jeremy Blackman), der ein Wunderknabe ist und in einer Quizshow auftritt, die von der Kinder-Quizshow-Ikone Jimmy Gator (Philip Baker Hall) moderiert wird. Jimmy geht es nicht gut. Er hat Krebs, nicht mehr lange zu leben und ein düsteres Geheimnis, das er irgendwann einmal seiner Frau beichten wird. Stanley ist klug, sehr klug — und er steht unter dem mächtigen Leistungsdruck, den sein Vater auf ihn ausübt.

Ein weiteres Wunderkind ist das Quiz Kid Donnie Smith (William H. Macy), der in den sechziger Jahren ebenfalls in der Kinder-Quizshow aufgetreten ist und nun ein Leben führt, das keinen Inhalt hat. Dabei ist er ständig auf der Suche nach Liebe.

Liebe ist ein gutes Stichwort, führt es doch zu der schönen Linda Partridge (Julianne Moore), die ihren dahinsiechenden Mann Earl nur seines Geldes wegen geheirat hat. Nun, da er im Sterben liegt, entdeckt sie jedoch ihre tiefe Liebe zu diesem alten Mann. Earl, der auf die Hilfe seines Pflegers Phil Parma (Philip Seymour Hoffman) angewiesen ist, bittet diesen um einen letzten großen Gefallen. Earl weiß, dass er eine Menge in seinem Leben falsch gemacht hat. Mann, was er damals rumgehurt und seine Frau sowie seinen kleinen Sohn im Stich gelassen. Schande über ihn. Aus diesem Grunde möchte er noch ein letztes Gespräch mit seinem Sohn Frank T.J. Mackey (Tom Cruise) führen. Phil soll ihn ausfindig machen.

Ausfindig machen ist nicht schwer. Herankommen schon eher. Ist Frank doch “der” Guru in Sachen Sex. Um genauer zu sein: In Sachen Männer-Sexualität. Er gibt recht deftige Macho-Seminare. Sein Leitspruch lautet auch nicht umsonst “Respektiert den Schw**** und zähmt die Fot**.” Diesen – überaus charismatischen – Kerl gilt es nun an das Sterbebett des Mannes zu holen, der ihn als 12-Jähriger mit seiner sterbenden Mutter allein gelassen hat.

Dann haben wir noch den Polizisten Jim Kurring (John C. Reilly). Mitt-Dreißiger, etwas bullig-behäbig, treu, lieb und unglücklich solo! Auf einer seiner Streifentouren trifft er auf die koksende Claudia Wilson Gator (Melora Walters). Ja, genau, das ist die Tochter vom Quizmaster Jimmy Gator … — Der Kreis schließt sich.

Meinung von

Schön, es ist nicht der übliche Stoff, den man als Moviejunkie normalerweise so konsumiert. Aber ich habe auch schon unlängst der Welt verkündet, dass auch wir von Zeit zu Zeit die "schweren Brocken" brauchen. Ich glaube keinen Witz in den über drei Stunden (!) mitbekommen zu haben. Dennoch ist der Streifen faszinierend.

Für den Film wird immer mit Tom Cruise geworben. Nun, der Mann ist ja nicht gerade dafür bekannt, dass er ein soooo super Schauspieler ist. Aber: Hier zeigt er schauspielerisches Können der Extra-Klasse! Er gibt einen ober-ekligen Macho-Guru, dem man Mr. Cruise locker abnimmt. Aber wenn er an dem Bett seines Filmvaters sitzt und ein letztes Gespräch führt — Mann, ich mag's kaum zugeben —, da hätte selbst ich fast geflennt. So gut und ergreifend hat Cruise seine Rolle gespielt. Hut ab.

Aber auch das Gespann John C. Reilly, als einsamer Polizist, und Melora Walters als Koks-Dame ... — Zerbrechlich. Beide. So zerbrechlich, wie die Liebe nun einmal ist.

Ich las, man würde bei jedem Ansehen des Films neue Aspekte erkennen. Bisher sah ich ihn erst einmal. Ich werde ihn mir aber auf alle Fälle nicht das letzte Mal angesehen haben.

Anschauen!

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