Filmplakat Der schwarze Falke
7/10

„Sie haben das Vieh gestohlen, um uns rauszulocken. Sie sind auf Mord aus.“ (Der schwarze Falke, 1956)


Der schwarze Falke

Besprechung

Seit drei Jahren ist der Sezessionskrieg vorbei, als Ethan Edwards (John Wayne) zu seinem Bruder auf die abgelegene Farm in Texas kommt. Er ist ein dekorierter Kriegsheld, doch er ist auch verbittert und in sich gekehrt.

Nicht lange nach seiner Ankunft überfallen Indianer die Farm. Seine Schwägerin, sein Bruder und sein Neffe werden hingerichtet. Ethan konnte nicht helfen. Die Indianer haben die beiden Nichten Lucy (Pippa Scott) und Debbie (Lana Wood) entführt.

Zusammen mit einer Hand voll Männer macht sich Ethan auf den Weg seine Nichten zu befreien. Nachdem ein kleiner Trupp um Ethan die ältere Nichte tot gefunden hat, ziehen Ethan und der Teil-Indianer Martin Pawley (Jeffrey Hunter), der von Ethans Bruder als Waise aufgenommen und wie ein Sohn behandelt wurde, los, um Debbie zu retten. Die Suche dauert fünf Jahre.

Meinung von

Western-Großmeister John Ford soll geradezu verliebt gewesen sein in die Weiten und die Erde der Staaten. Er wählte das damals noch völlig unerschlossene Monument Valley, um seinen Film Der schwarze Falke zu drehen. Dazu erschuf er eine kleine Zeltstadt mitten im Nirgendwo Utahs. Der Film basiert auf einem Roman, der das Schicksal einer von Indianern entführten Frau schildert.

John Wayne spielt einen verbitterten Mann, der zu viel Krieg gesehen hat. Entgegen anderer Rollen ist er nicht der strahlende Held. Sein Ethan Edwards hat zu viel Grauen gesehen, das seine Seele vergiftet hat. Wenn seine Familie von Indianern geschlachtet wird, nimmt er das ohne eine ersichtliche Reaktion auf. Die Beerdigung seiner Angehörigen kann er nicht schnell genug verlassen, um Lucy und Debbie zu finden. Er wird angetrieben von Rache, die unter seiner Oberfläche gärt. Als Ethan und die Männer der Bürgerwehr unter der Leitung von Captain Samuel Johnston Clayton (Ward Bond) die verfeindeten Indianer an einem Fluss zurückhalten, ist es Ethan, der unerbittlich auf die Indianer schießt, die ihre Toten und Verletzten bergen wollen. Clayton verbietet es ihm, doch Ethan ist blind vor Wut.

Ethan ist so voller Hass, dass er auch nicht mehr sieht, dass seine kleine Nichte Debbie wirklich lebt. Sie ist für ihn nun eine Indianerin und somit der Feind. Sein Hauptfeind ist jedoch der Comanchen-Häuptling Schwarzer Falke (Henry Brandon) (im Original heißt er "Scar" wegen der großen Narbe, die sich quer über sein Gesicht zieht). Ihn jagt er über all die Jahre, immer einen Schritt hinter ihm. Sein "Neffe" Martin wird dabei nicht gerade nett angefasst. Als Ethan gen Ende jedoch sein Testament offenbart und Martin als seinen letzten lebenden Verwandten nennt, rastet Martin aus. Ethan hat Debbie aufgegeben. Er macht auch Jagd auf sie.

John Wayne soll selber gesagt haben, dass Der schwarze Falke sein liebster Film war. Viele sagen, wer behauptet, Wayne sei kein Schauspieler gewesen, solle sich den Film von Waynes Freund John Ford anschauen. Hier beweist der gestandene Cowboy Wayne, was er kann. Die gebrochenen, schwierigen Charaktere sind eben die dankbarsten. Knappe zwei Stunden geht der Streifen, man braucht also eine Portion Sitzfleisch. Die Aktion ist verhalten, die Dialoge ebenso. Neben der Jagd auf die Entführer der Nichten von Ethan Edwards, zeigt Ford noch die Geschichte von Martin und der Nachbarstochter Laurie Jorgensen (Vera Miles). Hätte man rauslassen können, aber es schadet auch nicht, bringt diese Nebenhandlung doch wieder etwas Wärme und Menschlichkeit in den Film.

Der schwarze Falke fasziniert durch die schönen Landschaftsaufnahmen. Den muss man mal – wo bitte? – auf einer großen Leinwand sehen. Der Film zeigt die Verwandlung von Ethan vom einsamen Kriegshelden zum Rächer, hin zum Vergebenden. Ford öffnet am Anfang des Streifens die Tür der Edwards. Wir schauen aus dem Dunkeln in das Licht der bergigen Landschaft. Ethans Schwägerin Martha (Dorothy Jordan) tritt aus der Tür. Ford beendet den Film ebenfalls mit einer Tür. Die gerettete Debbie (Natalie Wood) wird von den Jorgensens in Empfang genommen, Martin und seine Braut Laurie gehen froh an Ethan vorbei ins Haus … doch der hat seine Aufgabe erledigt und gehört nicht in diese heile Welt. So zieht er weiter, die Tür schließt sich. Eine wunderbare Einstellung.

Ebenso markant und bemerkenswert ist die Szene, in der Ethan hinter der verängstigten Debbie her reitet. Wir sind uns sicher, er wird sie als "dreckige Indianerin" umbringen – doch dann zeigt er Güte und Verständnis für seine Blutsverwandte.

Ein wenig hat Der schwarze Falke etwas von Moby Dick. Ethan reist quer durchs Land, für Jahre, um seinen Weißen Wal zu fangen, nur, dass in diesem Fall der Indianerhäuptling Schwarzer Falke der Gejagte ist.

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