Besprechung
Früh morgens wird der Polizist Jong-goo (Kwak Do-won) rausgeklingelt. In dem südkoreanischen Dorf Goksung ist ein grausamer Mord geschehen. Eigentlich zwei. Am Tatort findet er die entsetzlich zugerichteten Leichen vor. Der Täter, mit Blut und Pusteln übersäht, sitzt vor dem Haus, die Augen weiß. Tatsächlich häufen sich die Morde. Jong-goos Kollege Oh Sung-bok (Son Kang-kuk) hat ein Gerücht gehört, wonach die Morde angefangen haben, seitdem „der Japaner“ (Jun Kunimura) in der Nähe ist.
Der alte Mann wurde bereits im Wald gesichtet, wie er „nur mit einer Windel bekleidet“ die Gedärme eines Wildtiers gegessen hat. Jong-goo glaubt zunächst nicht an den Zusammenhang. Dann wird seine Tochter Hyo-jin (Kim Hwan-hee) krank. Die Schwiegermutter will den Shamanen Il-gwang (Hwang Jung-min) holen, der dem Kind helfen soll. Sie vermutet einen bösen Geist im Haus.
Die Ereignisse überschlagen sich: Hyo-jin wird schlagartig gesund, hat nun aber ein Schandmaul und isst Dinge, die sie sonst nie gegessen hat. Jong-goo und Oh Sung-bok gehen zusammen mit Oh Sung-boks Neffen Heung-gook (Jeong Mi-nam) zum Japaner in den Wald, wo Jong-goo einen Altar und Oh Sung-bok eine Art Altar mit Fotos der Toten aus der Gegend vorfindet. Jon-goo wird zudem von einer mysteriösen, weiß gekleideten Frau (Chun Woo-hee) ungewollt beraten.
Meinung von Nils
Der südkoreanische Film The Wailing wurde hochgelobt. Den müsse man gesehen haben, hieß es. Eine neue Form des Horrors. Also habe ich mir den Streifen gegönnt. Ich bin am anderen Ende nach fast 2 Stunden und 40 Minuten rausgepurzelt und hatte ein einziges, großes Fragezeichen auf der Stirn: Was sollte das? Wieso habe ich dafür Zeit draufgehen lassen? Das war scheiße.
Also habe ich mir das Bonusmaterial auf der Blu-ray angeschaut. Da meint Autor und Regisseur Na Hong-jin, dass er die Stimmung, die im Land vorherrscht
, hat einfangen wollen. Welche Stimmung ist das gewesen? Keine Ahnung. Da kann Na Hong-jin noch so bedächtig und philosophisch vor sich hinreden, das hat es mir nicht erklärt.
Weil ich Hope gesehen habe und auf The Wailing verweisen wollte, musste ich feststellen, dass ich diesen Film noch gar nicht beschrieben hatte. Bevor ich ihn mir ein zweites Mal gegeben habe, war ich so frei und habe mir "Sekundärliteratur" in Form von Internetseiten durchgelesen, die den Film schön seziert und erklärt haben. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch Na, Nils, da biste wohl zu stumpf für, dass du die Feinheiten nicht erkannt hast.
In dem Film gibt es einiges an Symbolik. Darin bin ich nicht gut, das gebe ich zu.
Beim zweiten Mal Anschauen ... bin ich eingeschlafen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Film ist extrem langsam. Und das sagt einer, der mit langsamen Filmen aus den 1970ern groß geworden ist. Mein Lieblingsfilm Der Pate fängt mit einer 15-minütigen Vorstellungsrunde aller Protagonisten an. Da befürchte ich, den Großteil der "jungen Leute" zu verlieren. Aber The Wailing ist extrem langsam. Na Hong-jin hat ihn bewusst so konzipiert. Die Spannung soll sich langsam, kaum merklich, aufbauen, bis es der Zuschauer nicht mehr aushält. Wie gesagt, ich bin eingeschlafen.
Asiatische Filme sind bisher ein Genre, mit dem ich noch nicht warm geworden bin. Ein Junkie hat seine Drogen, die er immer wieder nimmt. Leichte Nuancen sind okay, aber wenn es dann heißt "So, nun nehmen wir Pilze und Kräuter zu uns", ist das ein Kulturschock. Bei Hope haben wir ebenso wie bei The Wailing einen Mix aus verschiedenen Filmstilen. Hier haben wir zuerst einen Zombie-Virus-Ausbrechfilm, dann wandert er in eine Geistergeschichte hinüber, um schließlich bei einer Art theologischen Frage zu landen.
Der Japaner, der am Anfang des Films angelt und einen Wurm auf dem Haken aufspießt, der ist kein böser Geist, sondern der Teufel. Die erste Einstellung fasst die gesamte Geschichte zusammen. Jong-goo versteht nicht, wieso seine kleine Tochter von der "Krankheit" besessen wurde. Was hat sie getan? Nichts. Wie ein Angler, so fischt auch der Teufel einfach im Trüben und schaut, wer anbeißt. Da steckt keine Methodik, kein Grund dahinter.
Wenn Jong-goo zum abgebrannten Haus gerufen wird, schaut er sich um und sieht den Japaner. Aber was viel schlimmer ist: der sieht Jong-goo. Damit ist sein nächstes Ziel "gefischt". Ohne Grund. Nur weil sich die Blick gekreuzt haben.
Noch einmal die Frage nach der Stimmung, die Na Hong-jin hat einfangen wollen. Was war damals in Südkorea bloß los? Sind dort so viele schlimme Dinge geschehen und Na Hong-jin hat sich gefragt, wieso das passiert ist? Gab es eine starke Fremdenfeindlichkeit? Was war da los? Leider hat er das nicht näher erklärt in dem Interview, das ich sah.
Fazit also: Wirrer, zu ruhiger Film mit zu viel Symbolik. Wer das mag, der wird gut bedient, meine Droge ist das nicht.