Besprechung
Es fängt an mit einem Ochsen, der tot und mit riesigen Krallenspuren auf der Straße in der entmillitarisierten Zone zwischen Nord- und Süd-Korea liegt. Sung Ki (Zo In-sung) holt seinen Vetter Beom Seok (Hwang Jung-min) dazu. Sung Ki hat das Tier mit seinen vier Kumpels gefunden, als sie von der Jagd zurückkamen. Beom Seok ist der Polizeichef des kleinen Fischerörtchens Hope Harbour.
Sung Ki macht sich mit seinen Jagdfreunden auf den Weg in den Wald. Während Beom Seok in Hope nach dem Verursacher dieser Tat sucht. Was er findet sind riesige Löcher in den Häusern, als wäre etwas sehr Großes einfach durch diese hindurchgelaufen. Dabei hat das Etwas nicht nur enorme Schäden angerichtet, sondern auch viele Menschen getötet.
Beom Seok trifft auf seine Kollegin, Offizier Sung Ae (Hoyeon), die ebenfalls Jagd auf das Monster macht, das durch Hope hindurchpflügt. Wie es scheint, ist dieses Monster nicht aufzuhalten. Es scheint unverwundbar zu sein.
Meinung von Nils
Hope lief als Abschlussfilm des 40. Fantasy Filmfests im Savoy. Im Vorfeld gab es nicht nur eine Videobotschaft der drei Hauptdarsteller, sondern auch von einem Typen von Kino+, die den Film im Rahmen des Festivals präsentiert haben. Der schwärmte vom Regisseur und Autor Na Hong-jin, der auch für The Wailing verantwortlich war. The Wailing fand ich sterbenslangweilig. Saß ich also im falschen Film?
Hope fängt mit stimmungsvollen Bildern an. Wir merken schnell, dass wir weit entfernt von einer Großstadt sind. Die Jagdgesellschaft ist ein ziemlich bunter, seltsamer Haufen. Der Polizeichef stellt sich schnell als überfordert heraus. Er ist ein bisschen feige, nicht der Draufgänger eines Actionfilms. Was ihn da in dem kleinen Städtchen erwartet, ist aber auch nicht alltäglich. Da darf man schon mal etwas Schlotterbeine bekommen. Oder wie der alte Mann im Krankenhaus meinte: sich vollscheißen. Okay, bei ihm war es das scharfe Essen vom Vortag.
Was Na Hong-jin gut gemacht hat: Wir haben verschiedene Schauplätze. Er zeigt den einen, lässt die Handlung laufen und wenn wir wissen, jetzt kommt etwas Großes — dann wechselt er zum anderen Schauplatz und das Spiel geht wieder von vorne los. Das kann nervig sein, hier interessanterweise nicht. Die Erzählweise macht es nur spannend.
Wir sehen lange Zeit das Monster nicht, sondern nur die Zerstörung, die es hinterlässt. Ich wüsste gerne, ob sie das Städtchen wirklich geschrottet haben? Da geht unglaublich viel kaputt und das sieht nicht unbedingt nach CGI aus.
Irgendwann lernen wir: Es ist nicht ein Monster, das dort sein Unwesen treibt, sondern mehrere. Also mehr als ein unzerstörbares Wesen. Na, super. Das kann heiter werden.
Der Streifen läuft satte 160 Minuten. Der Großteil davon ist Geballere, Gerenne, Gerase, Gefluche. Ah, die berühmten vier großen G ... Man hätte den Streifen an einigen Stellen bestimmt auch kürzen können.
Ich habe nichts dagegen, wenn Monster oder Außerirdische auftreten, wenn aber ein Mensch mehrfach durch die Luft geschleudert wird, dabei mit dem Rückgrat gegen Bäume prallt, dann hört es auf. Dann ist der Film nicht mehr glaubwürdig. Sung Ki hätte im Kampf mit dem Alien längst mit gebrochenem Rückgrat und multiplen inneren Blutungen mausetot liegen bleiben müssen, steht aber immer wieder auf. Na ...
Die Monster sind interessant. Wir lernen, dass sie wohl aus den Weiten des Weltalls stammen. Dafür haben wir aber nicht ein Alien-Model, sondern gleich mehrere, die sich teils sehr unterscheiden.
Ohne auf die Uhr geschaut zu haben, aber die letzten zehn Minuten und das Ende allgemein sind nicht befriedigend. Wieso die zehn Minuten? Zwei dieser Wesen fangen an sich zu unterhalten. Vorher waren sie immer stumm. Nun findet eine ausführliche Unterhaltung zwischen Ma’veyyo und J’aur statt. Die ist etwas kryptisch. Es werden Dinge angesprochen, mit denen wir nichts anfangen können. Dann ist der Film zu Ende. Und das hat mich am meisten genervt. Hope scheint definitiv eine Fortsetzung zu haben. Gnah.
Oh, ich habe nach dem Film gelernt, dass die beiden letztgenannten Aliens von Michael Fassbender bzw. seiner Ehefrau Alicia Vikander gespielt werden. Hollywood-Stars in einem südkoreanischen Film, dann aber hinter CGI-Masken verborgen? Seltsam.
Der Film lief in Cannes und die Spezialeffekte waren noch nicht fertig. Na Hong-jin gab an, dass das Aussehen der Aliens allerdings so gewollt war. Bei Ma’veyyo musste ich andauernd überlegen, woher ich den kannte. Er erinnert mich an den Rasenmähermann und den Hauptbösewicht einer Netflix-Serie. Cool fand ich allerdings, dass es diese Figur in zwei Varianten gibt. Das habe ich so auch noch nicht gesehen. Oder ich erinnere mich nicht mehr daran ...
In Hope sehen wir übrigens den dümmsten Heldentod, den es jemals gegeben hat. Alles wegen einer verschissenen Katze ... Aber gelacht haben wir alle herzlich.
Apropos lachen: Was auffiel, ist der starke Slapstick-Charakter, den der Film hat. Auf dem Weg zur Bahn gingen zwei Kinobesucher hinter mir her. Einer fragte, ob das immer so sei in koreanischen Filmen? Sind die immer so ... albern? Sind sie?
Wer Creature-Filme mag, wird bei Hope gut bedient.