Besprechung
Kara Zor-El (Milly Alcock) ist in Argo-City geboren, der letzten Stadt des zerstörten Planeten Krypton. Argo-City war jedoch von Anfang an dem Untergang geweiht. Ihr Vater (David Krumholtz) hat sie deshalb, zusammen mit ihrem Hund Krypto, in einer Rettungskapsel zur Erde, zu ihrem Cousin Kal-El (David Corenswet) geschickt. Die junge Frau hat also Heimat, Freunde und Familie verloren. Der Schmerz sitzt so tief, dass sie versucht diesen mit Alkohol zu betäuben. Das ist der Grund, warum sie nicht auf der Erde geblieben ist, sondern auf einem Planeten mit roter Sonne ihr Lager aufgeschlagen hat. Alkohol wirkt bei Kryptoniern unter einer gelben Sonne nicht.
In einer Bar trifft Kara die junge Ruthye (Eve Ridley). Ruthye hat mit ansehen müssen, wie die Briganden, ihre Familie getötet hat. Genauer gesagt, war das Krem (Matthias Schoenaerts). Ruthye ist auf Rache aus. Sie bittet um Informationen, damit sie Krem finden und umbringen kann. Kara wird widerwillig in den Rachefeldzug von Ruthye mit einbezogen. Als Krypto sie gegen Krem verteidigen wollte, hat der den Hund mit einem Pfeil vergiftet, bevor er abhauen konnte. Krypto liegt im Sterben. Kara hat noch drei Tage Zeit, um das Gegengift zu bekommen und Krypto vor dem sicheren Tod zu bewahren.
Kara und Ruthye machen sich auf den Weg Krem zu finden. Dabei laufen sie auch dem intergalaktischen Kopfgeldjäger Lobo (Jason Momoa) über den Weg. Mit dem Czarnianer möchte man aber lieber nicht die Wege kreuzen. Lobo kann etwas … gewalttätig sein. Fuck, der Typ hat die gesamte Bevölkerung seines Planeten getötet, nur um einzigartig zu sein.
Meinung von Nils
Ich habe mich im Vorfeld nicht viel mit Supergirl beschäftigt. Ich las nur, dass der Film ein Flop sei und nicht gut ankäme. Das kann ich nicht verstehen. Ich fand den lustig und hatte eine gute Zeit. Kara haben wir das erste Mal am Ende von Superman gesehen, als sie ihren chaotischen Hund Krypto von Kal-El abholte. Nun also der eigene Film.
In der Geschichte geht es viel um Trauer und den Umgang damit. Ruthye sinnt auf Rache, doch Kara weiß, dass der Tod von Krem dem jungen Mädchen keinen Seelenfrieden bescheren würde. Deshalb versucht sie Ruthye immer wieder von gewalttätigen Handlungen fernzuhalten. Kara ist mürrisch, ständig betrunken und sie wirkt fahrlässig. Das ist alles dem Umstand geschuldet, dass sie trauert und dieses dunkle Gefühl nicht haben möchte. Wieso Kara Ruthye hilft? Kara hilft sich selbst. Sie sucht das Gegenmittel für Krypto, damit ihr einziger Freund und die einzige lebende Erinnerung an Argo-City überleben kann. Dass sie Ruthye hilft ist zum einen "Nebeneffekt", aber vermutlich sieht die Kryptonierin in dem jungen Mädchen etwas von sich selbst.
Karas Mutter (Emily Beecham) hat ihrer Tochter auf dem Sterbebett ihren letzten Wunsch gesagt. Kara kann grob, einzelgängerisch und abweisend sein, aber sie muss immer gut sein. Der Film betrachtet also, was das Wort "gut" meint. Für Kara, die – unter einer gelben Sonne – unsagbare Kräfte hat, bedeutet das, dass sie den Schwachen hilft. Der Weg dazu, das zu verstehen, ist für Kara lang, für den Zuschauer kurzweilig und lustig. Was Superman nie machen würde, macht die etwa zehn Jahre jüngere Kara: Immer feste draufhauen und dabei Spaß haben.
Jason Mamoa ist in der DC-Welt bekannt als Aquaman. Aber mal ehrlich ... Lobo ist die Rolle für Momoa. Er verkörpert den bulligen Weltall-Rocker, der mit seinem Space-Bike reist, einfach wunderbar. Ein eigener Lobo-Film ist Pflicht! Und dann bitte "ab 18", wie Deadpool.
Doch zurück zu Supergirl. Was mir an dem Film Spaß gemacht hat, waren die vielen Außerirdischen. Keine Ahnung, ob ich hier etwas reininterpretiere, aber der eine Alien, aus dem Supergirl Informationen herauspresst, hat mich sehr an Kanjar Ro erinnert, einen Bösewicht aus der Golden Age-Ära der Justice League. Ich mochte auch die Superman-Comics, in denen er im Weltall unterwegs ist, sehr gerne.
Der Streifen aus der Feder von Ana Nogueira hat eine grundsolide Geschichte. Junge Frau muss mit ansehen, wie ihre Welt, ihre Freunde und Familie sterben. Sie landet mit ihrem einzigen Freund, dem Hund Krypto, auf der Erde. Der Schmerz über den Verlust ist so groß, dass sie depressiv wird und das Loch im Herzen mit Alkohol füllen will. Sie wird gleichgültig und unverantwortlich. Bis sie auf ein Mädchen stößt, die den gleichen Schmerz hat, aber mit Rachegefühlen angefüllt ist. Dann droht ihr bester Freund zu sterben. Sie setzt alles daran, Krypto zu retten. — Grundsolide.
Supergirl ist wie ein noch ungeschliffener Diamant. Während ihr Cousin der größte Pfadfinder des Universums ist, ist Kara ständig betrunken und mürrisch. Sie muss erst noch zur Heldin werden und wir begleiten sie auf dem Weg dahin. Beeindruckend fand ich, als Supergirl rasend ins Weltall fliegt, um sich dort die Seele aus dem Leib zu schreien. Wir wissen aus Alien: Im Weltall hört dich niemand schreien.
Warum also die negative Presse? Ich vermute einmal, dass die Kritiker der Meinung sind, es zieme sich nicht für ein junges Mädchen, Schmerz zu haben, Alkohol zu trinken und sich zu prügeln. Nur eine Vermutung.
Ich mochte den Film. Auch wenn ich nicht verstanden habe, wieso auf einem fernen Alien-Planeten "The Girl from Ipanema" gesungen wurde. Wenn man einen Supergirl-Film als "schlecht" bezeichnen möchte, dann nicht diesen, sondern den von 1984. Der ist übel.