Filmplakat Star Trek Into Darkness
7/10

„Schieß doch nicht immer gleich ...“ (Star Trek Into Darkness, 2013)


Star Trek Into Darkness

Besprechung

Captain Kirk (Chris Pine) hat Bockmist gebaut und die Oberste Direktive missachtet. Nun ist er die Enterprise los und seinen Captains-Titel ebenso. Kirk wird Erster Offizier seines Mentors Christopher Pike (Bruce Greenwood). Doch das ist nicht Kirks größtes Problem. Ein Mann namens John Harrison (Benedict Cumberbatch) hat in London ein Sternenflotten-Archiv in die Luft jagen lassen.

Dieser Harrison entpuppt sich also extrem gefährliches Genie. So flieht er z.B. auf einen unbewohnten Klingonen-Außenposten, wissend, dass die Sternenflotte ihn hier nicht fassen kann. Kirk – mittlerweile wieder Herr über die Enterprise – bekommt von Admiral Alexander Marcus (Peter Weller) den Auftrag, den Terroristen Harrison mit neu entwickelten Torpedos dem Erdboden gleich zu machen. Ein Akt, der allem, wofür die Sternenflotte steht, zuwider ist und somit nicht nur bei Kirk für Ethik-Probleme sorgt. Zumal diese Tat einen Krieg mit den Klingonen heraufbeschwören könnte.

Kirk steckt in einem Dilemma, hinzu kommt, dass er diverse Dinge überdenken muss. Nichts scheint, was es zu sein vorgibt. Weder Harrison, noch die neue Wissenschaftsoffizierin Carol (Alice Eve).

Meinung von

Wie immer, finden sich in der Abteilung "Meinung" auch Spoiler. Also das nur als Warnung …

Nach dem erfolgreichen Reboot von Star Trek im ersten Teil und der Einführung einer neuen, alternativen Zeitlinie stand den Abenteuern von Kirk und Co. nichts im Wege. Wir würden komplett neue Geschichten geboten bekommen. Yeah. Regisseur J.J. Abrams befreite sich von den Fesseln einer reinen Nacherzählung, diesmal nur mit jungen Schauspielern. Um so größer die Freude auf den zweiten Teil.

In Star Trek Into Darkness vermischt Abrams Neues mit Altem. Er legt sehr viel Wert darauf, dass die Freundschaft zwischen Kirk und Spock (Zachary Quito) sowie zwischen Kirk und seinem Arzt Pille (Karl Urban) stärker in den Vordergrund gerückt wird. Das gefällt schon mal. Immerhin war das Trio auch die bestimmende Kraft in der Original-Serie mit Shatner, Nimoy und Kelley. Chefmechaniker Scotty (Simon Pegg) ist auch wieder dabei, wenn auch für einen langen Zeitraum nicht an Bord der Enterprise. Hier ist der kleine Wermutstropfen anzumerken, dass diese Figur ein wenig zu sehr ins Slapstick-artige abdriftet. Hier mussten Abrams und Pegg bei einem dritten Teil aufpassen, dass der Film nicht wegen der Figur kippt.

Die Geschichte ist sehr temporeich erzählt. Es gibt keine Längen, ein wenig mehr Ruhe wäre jedoch auch ganz nett gewesen an der einen oder anderen Stelle. Irgendwie scheinen alle Protagonisten den gesamten Film über nur zu laufen. Ein verstecktes Fitness-Programm von Abrams?

Abrams baut mit der Figur von Cumberbatch einen netten Twist ein. Dass er in Wirklichkeit der genetisch aufgewertete, über 300 Jahre alte Khan Noonien Singh ist, überraschte doch sehr. Hier hat der Regisseur dann das Alte wieder reingeholt. Khan wurde in Star Trek TOS in der Folge Space Seed eingeführt und von Ricardo Montalban gespielt. Später sollte der gealterte Khan noch einmal im zweiten Star Trek-Film Star Trek II: Der Zorn des Khan auftreten. Und nun kommt Abrams in seinem zweiten Trek-Streifen ebenfalls mit Khan daher. Oben drauf legt er uns noch Carol Marcus, die ebenfalls in Der Zorn des Khan mitwirkte (damals gespielt von Bibi Besch) und mit Kirk einen Sohn hatte. Als das so langsam alles gesackt war, kam - trotz der Begeisterung für den Film - ein wenig ein schales Gefühl auf. Sollte Abrams nicht neue Geschichten erzählen? Stattdessen greift er in die Mottenkiste.

Sogar die Tribbles kramt Abrams heraus. Wobei ich deren Auftritt ganz charmant fand. Wie gesagt: Ich bin begeistert von dem Streifen, aber so viel alte Banden hatte ich nicht erwartet. Grinsen musste ich natürlich, als Kirk in den Reaktor geht, um die Enterprise zu helfen. Das kommt einem doch auch bekannt vor? Abrams hat eine bekannte Szene einfach umgedreht. Großer Kunstgriff.

Gefallen hat neben dem Humor und der genialen Optik (alleine das zukünftige San Francisco schaut grandios und realistisch aus - nicht wie Coruscant in den Star Wars-Frechheiten) die Liebe zum Original, das Thema Freundschaft, Cumberbatch als Bösewicht - wenn er auch nicht so charismatisch wie sein Vorgänger Montalban daherkommt - und die viele Twisterei. Im Endeffekt ist nicht nur Khan der Bösewicht, sondern auch Admiral Marcus, der keine friedliche Sternenflotte haben will.

Enttäuscht war ich übrigens von den Klingonen. Wenn sie mit ihren Helmen auftauchen - cool! Wenn der eine Klingone seinen Helm abnimmt, war ich jedoch arg enttäuscht. Die Abrams'schen Klingonen sind zu glatt und zu wenig martialisch. Ihnen fehlte das Gefährliche. Schade.

Dennoch in herrlicher Film, auf dessen Blu-ray-Veröffentlichung man sich freuen kann.

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