Filmplakat Spider-Man: A New Universe
9/10

„Schlaue Mädels sind alles was zählt.“ (Spider-Man: A New Universe, 2018)


Spider-Man: A New Universe

Besprechung

Miles Morales (Shameik Moore) ist ein ganz normaler Teenager. Er hasst es, dass er durch ein Losverfahren in eine andere, eine „bessere“ Schule gehen muss. Abends stiehlt er sich aus dem Schulschlafzimmer und hängt mit seinem Onkel Aaron (Mahershala Ali) ab. gemeinsam sprühen sie in einem verlassenen Tunnel in Brooklyn. Dabei wird Miles von einer Spinne gebissen, die offensichtlich aus der Technik-Firma Alchemax ausgebüchst ist. Tat gar nicht weh.

Erst am nächsten Tag entdeckt Miles, dass sich irgendwas geändert hat. Er ist länger und seine Finger sind wahnsinnig klebrig. Als er die Spinne, die ihn gebissen hat, noch einmal untersuchen will, stolpert er über Spider-Man Peter Parker (Chris Pine). Der kämpft gerade gegen den Green Goblin in einem geheimen Teilchenbeschleuniger, der sich mitten unter New York befindet. Bei dem Versuch das Ding abzustellen stirbt Peter, vertraut vorher aber noch Miles einen USB-Stick an und gibt ihm den Auftrag damit den Beschleuniger zu zerstören – sonst wird alles, was Miles kennt zerstört.

Als ob das nicht schon verrückt genug wäre, taucht nach der Beerdigung von Spider-Man ein anderer Spider-Man auf. Peter B. Parker (Jake Johnson) stammt aus einem anderen Universum. Peter soll Miles beibringen wie man Spider-Man wird, doch der kann nicht so mit Kindern. Um den Teilchenbeschleuniger abzuschalten benötigen Peter und Miles etwas von Alchemax. Das ist a) nicht so einfach und b) stellt sich heraus, dass es nicht nur zwei Spider-Leute gibt. Aus vier weiteren Dimensionen sind Spider-Wesen eingetrudelt. Gemeinsam müssen die sechs Krabbler versuchen die Dimensionssprünge rückgängig zu machen.

Meinung von

Die Figur des Miles Morales tauchte erstmals 2011 in den Comics von Marvel auf. Er wurde gefeiert als "schwarzer Spider-Man". Er ist ein afro-lateinamerikanischer Jugendlicher mit etwas anderen Kräften als der normale Spider-Man. Auch im Film hat er diese anderen Kräfte. So kann sich Miles z.B. unsichtbar machen oder bio-elektrische Stromschläge austeilen. Aber das muss unser Film-Morales erst einmal lernen. Zunächst ist er extrem tollpatschig. Er benötigt dringend Hilfe.

Wie gut, dass der Teilchenbeschleuniger einen Riss zwischen den Dimensionen erzeugt hat und nun der eben noch verstorbene Peter Parker vor ihm steht. Wobei ... irgendwie schaut der anders aus. Nicht nur älter und mit braunen Haaren (anstatt blonden), sondern auch mit kleinem Schmierbäuchlein. Wie konnte das geschehen?

Neben Miles und Peter B. Parker haben wir noch Gwen Stacy (Hailee Steinfeld), Spider-Man Noir (Nicolas Cage), Peni Parker (Kimiko Glenn) und ... ähh ... Spider-Ham (John Mulaney). Diese Inkarnationen vom Wandkrabbler sind alle arg unterschiedlich. Das zeigt sich auch in ihren Zeichenstilen. Spider-Man: A New Universe brilliert durch einen ganz abgefahrenen Zeichenstil. Das ist eine Mischung aus computeranimiertem Zeichentrick, gemischt mit Elementen aus alten Comics, wie die Rasterung von Schatten, und teilweise auch Sprechblasen. Peni Parker ist außerdem noch im Manga-Stil gehalten, Spider-Man Noir in Schwarz-Weiß und Spider-Ham schaut aus wie ein 60er-Jahre-Nachmittagscartoon (tatsächlich erblickte der 1983 das Licht des Comiclebens). Teilweise sind die Figuren an ihren Rändern "doppelt", was eigentlich für den 3D-Effekt wichtig ist – aber wir sahen den in 2D. Sollte das so sein?

Die Geschichte von Spider-Man: A New Universe ist die eines jungen Mannes, der mit einem Schicksal konfrontiert wird, das viel größer ist als er sich jemals hätte erträumen lassen. Die Aufgabe die vor ihm liegt ist schier unmöglich. Ein wahnsinniger Gangsterboss hat einen Teilchenbeschleuniger bauen lassen, um seine verstorbene Frau und seinen Sohn zurückzuholen. Okay, das kann er nicht, also will er das Raum-Zeit-Gefüge durcheinander bringen, um Frau und Sohn aus einer anderen Dimension zu extrahieren. Es gibt zwei gute Motive für ein kriminelles Verbrechen. Geld ist kein Grund, aber Rache und Liebe. Fisk handelt aus blinder Liebe. Dabei übersieht er, oder ignoriert viel mehr, die Tatsache, dass er mit seinem Handeln Welten zerstört. Sagte ich etwas von "großer Aufgabe"?

Spider-Man: A New Universe zeigt uns aber auch – ganz Marvel –, dass in jedem von uns ein Held steckt. Ja, Miles hat noch ein paar Extrakräfte bekommen, aber den Mut das Richtig zu tun, muss er selber noch in sich finden. Das kommt nicht durch einen Spinnenbiss zustande.

Noch einmal zum Zeichenstil: What the fuck!? Die Zeichnungen sind so abgefahren und so cool, dass ich fast geneigt bin, den noch einmal in 3D zu sehen. Ja, Ihr habt richtig gelesen: Ich könnte mir vorstellen, den in effing 3D zu schauen. Ich denke, so muss der noch mehr "reinknallen".

Spider-Man: A New Universe hat viel Witz und auch die nötige Wärme. Miles' Vater Jefferson Davis (Brian Tyree Henry) ist Cop beim PDNY und kein großer Freund von Spider-Man. Zudem hat er seinen Sohn über alles lieb, was er durch Strenge ausdrückt. Es war zwar relativ schnell klar, wer sich hinter der Maske des Bösewichts Prowler verbirgt, aber als Miles das herausfindet, ist das schon ein kleiner Stich in der Herzgegend. Ebenso natürlich der Cameo-Auftritt des kürzlich verstorbenen Stan Lee.

Spider-Man: A New Universe bringt echt viel Spaß. Er ist durchgeknallt, verrückt, visuell innovativ und hat mir so einige glückselige Lächler auf die Lippen gezaubert. Anschauen.

Übrigens fand ich es ganz großartig: Wie kann ein Schwarz-Weiß-Held einen Rubiks Zauberwürfel lösen?? Tante May (Lily Tomlin) war in dieser Version echt cool. Das hat auch gefallen. Protipp: Auch dieser Film hat eine Post-Credit-Szene. Es lohnt sich so lange sitzen zu bleiben. Es geht um "Etikette" ...

Und ganz am Anfang hat man sich ein wenig über Sam Raimis Spider-Man 3 lustig gemacht. Darf man auch. Der war schlecht ...

Schlussbemerkung: In den USA wird Spider-Man: A New Universe richtig abgefeiert. Das liegt wohl daran, weil die Amis ein arges Problem mit Rassismus und Unterdrückung von Farbigen haben. In diesem Milieu ist ein Film mit einem farbigen Superhelden sehr wichtig! Deshalb wird der Film nicht nur extrem hoch gelobt, sondern auch als der beste Spider-Man-Film überhaupt bezeichnet.

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