Filmplakat Source Code
7,5/10

„Es ist nebensächlich, wenn es im Radio heißt, dass ich tot bin?“ (Source Code, 2011)


Source Code

Besprechung

Der Hubschrauberpilot Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) wacht in einem Zug nach Chicago auf und ist völlig verwirrt. Wer ist die Frau, die ihm gegenüber sitzt? Wovon redet sie? Während die Unbekannte ihn ständig mit Sean anredet, versucht Colter herauszufinden, was hier vor sich geht. Da explodiert der Zug. Colter wacht in einer seltsamen Kapsel auf. Über einen Monitor redet die Navi-Beamtin Coolen Goodwin (Vera Farmiga) mit ihm.

Colter erfährt von er Frau auf dem Monitor, dass er in einer Art Simulation ist. Auf den Zug wurde am Vormittag ein Anschlag verübt. Der Pilot soll in dieser simulierten Realität erst die Bombe und dann den Täter finden. Dafür hat er jeweils acht Minuten Zeit, dann wird der Source Code (irgendwas mit Quantenmechanik) neu gestartet.

Die Unbekannte stellt sich als Christina Warren (Michelle Monaghan) heraus, eine Kollegin des Lehrers Sean. Colter ist aufgrund von Form und Gehirnmuster ideal mit diesem Sean kompatibel, deshalb sieht Christina auch weiterhin Sean – der wie alle anderen in dem Zug ums Leben kam. So spannend und aufreibend diese Aufgabe auch ist, Colter erkennt, dass irgendwas nicht stimmt. Seine Kapsel ist kalt, hat Fehlfunktionen, überall ist Hydraulik-Flüssigkeit. Bis Colter die schockierende Wahrheit erfährt.

Meinung von

Schon wieder ein Und täglich grüßt das Murmeltier-Ableger? Echt jetzt? Was finden die Leute so spannend an sich immer wieder wiederholenden Geschichten, die dann minimal verändert werden? Wobei … Source Code ist schon anders. Der Protagonist wird sich relativ schnell bewusst, dass er in einer Simulation steckt, um einen zweiten Anschlag zu verhindern. Er stellt Goodwin so viele Fragen, dass sie ihm das einfach sagen muss. (Woher wissen die eigentlich, dass auf diesen Zug-Anschlag noch einer folgen soll? Egal.)

Die erste Hälfte des Films ist ein wenig kafkaesk. Unser Held ist in einer engen, seltsam geformten Kapsel eingesperrt, kann nur Kontakt nach außen aufnehmen, indem er über Monitore kommuniziert. Da ist niemand, mit dem er wirklich reden kann oder den er tatsächlich sieht. Dann benehmen die Leute auf der anderen Seite des Monitors sich seltsam, wollen anscheinend nicht offen mit Colter reden. Hinzu kommt dann schließlich, dass dieser Raum, in dem Colter gefangen ist, eiskalt ist und irgendwie kaputt zu gehen scheint. Alles sehr mysteriös und beängstigend. Immerhin akzeptiert Colter – ganz der gute Soldat – seinen Auftrag, die Bombe zu finden.

Stück für Stück, Puzzleteil um Puzzleteil kommen Colter und damit wir dem Geheimnis auf den Grund. Schließlich kommt heraus, was niemand wissen wollte: Colter ist tot und sein Gehirn wird benutzt, um in der virtuellen Welt – oder besser, dem Versuch die Realität nachzustellen – zu interagieren. Immer, wenn er raus aus dem Source Code und wieder rein gejagt wird, kann er sich an seine vorherigen Aktionen erinnern. Nur so kann er dem Täter schließlich auf die Spur kommen. Aber Colter will mehr: Der Ex-Pilot möchte die Menschen im Zug retten. Allerdings sind die ja schon seit Stunden alle tot.

Nur wenige Jahre zuvor hatte uns Regisseur Duncan Jones mit Moon so einen Mindfuck präsentiert. Da gibt es auch eine Hauptperson, die nicht das zu sein scheint, was sie – und die Zuschauer – die ganze Zeit über denkt. Colter denkt ebenfalls eine lange Weile, dass er real ist und der Source Code nicht. Vor allem mit dem Ende dreht sich jede Realität einmal um sich selber, springt durch einen Reifen, macht eine Schraube dabei und kommt auf einem Bein auf. Das inszeniert Jones sehr schön. Er schickt Colter immer wieder auf eine falsche Spur. Jedesmal wenn er die acht Minuten startet, denkt Colter, er würde der richtigen Spur nachgehen.

Source Code hat etwas von einem guten, alten Action-Film, der sich in einer lauen Frühlingsnacht mit Bill Murrays Murmeltier gepaart hat. Aber am Ende werden wir doch überrascht. Überrascht auch, weil Colter die Botschaft um seinen wahren Zustand recht gelassen hinnimmt. Ja, der ganze Film ist Fiktion und wild und überhaupt. Aber wenn es um den Tod geht, vor allem um den eigenen, erwarte ich schon etwas mehr Gefühl und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Naja. Ist ja nur ein Film. Ein unterhaltsamer Streifen mit klassischen 90 Minuten Lauflänge. Mehr wäre schädlich gewesen.

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