Filmplakat …und täglich grüßt das Murmeltier
8/10

„Woher wollen sie wissen, dass ich kein Gott bin?“ (…und täglich grüßt das Murmeltier, 1993)


…und täglich grüßt das Murmeltier

Besprechung

Der Wettermann Phil (Bill Murray) ist ein zynischer Zeitgenosse. Zusammen mit dem Kameramann Larry (Chris Elliott) und der neuen Produktionsleiterin Rita (Andie McDowell) muss Phil nun schon zum vierten Mal ins beschauliche Punxsutawney. Hier wird am 2. Februar der Murmeltiertag gefeiert. Wenn das Murmeltier seinen Schatten sieht, wird es noch weitere sechs Wochen Winter geben. Phil hat null Bock auf diesen Auftrag, auf die fröhlichen, ausgelassenen Leute und auch nicht auf Rita, die ebenfalls eklig positiv ist.

Seinen Job erledigt, will Phil zurück in die Zivilisation – doch ein nicht vorhergesehener Schneesturm zwingt das Trio dazu, wieder zurück nach Punxsutawney zu fahren. Für Phil beginnt die Hölle auf Erden. Tatsächlich geht das mit der Hölle erst am nächsten Tag los, der der vorherige Tag ist. Phil wacht wieder am Murmeltiertag auf. Was ist hier passiert?

Als er begriffen hat, dass er in einer Zeitschleife gefangen ist und niemals einen anderen Tag als den 2. Februar erleben wird, muss er anfangen, sich damit zu arrangieren. Dabei geht er diverse Stadien durch. Erst pfeift er auf alle Regeln. Was soll’s? Am nächsten Tag ist wieder der 2. Februar und niemand kann Phil was anhaben. Irgendwann wird das aber auch langweilig. Also versucht er durch ewige Wiederholungen ein und des selben Tages alles über Rita herauszufinden, so dass sie sich in ihn verlieben möge. Danach kommen Resignation und schließlich der Wandel zum Guten. Aus der Schleife kommt Phil dennoch nicht heraus.

Meinung von

Ein Komödienklassiker aus den 90ern. Es gibt nicht viele Filme, die auch nach Jahren noch lustig sind. … und täglich grüßt das Murmeltier ist einer dieser seltenen Fälle. Ich behaupte mal, jeder, der mehr als einen Film im Jahr schaut, wird schon mal von diesem Steifen gehört haben. Wenn nicht, dann wird es jetzt aber Zeit.

Zeit ist auch das Thema in dem Film. Sie kommt immer und immer wieder. Was macht man, wenn man die Ewigkeit zur Verfügung hat? Phil nutzt sie, wie oben beschrieben, auf verschiedene Art und Weise. Alles an Zuckerwerk in sich reinstopfen, was das Diner hergibt? Kein Problem. Zigaretten und Kaffee dazu und gut ist. Als er erkennt, dass das nicht der geeignete Weg ist, die unendliche Zeit richtig zu nutzen, versucht er an Rita heranzukommen. Er formt die Realität sozusagen, damit sie sich in ihn verliebt. Doch so einfach – wenn auch zeitintensiv – lässt sie die Realität und das Schicksal nicht austricksen.

Erst als Phil anfängt, sich zu formen, als er etwas aus seinem Leben macht und es bereichert – er erlernt das Klavierspiel, rettet Leute im Restaurant, ist hilfsbereit wo er nur kann –, erst dann besteht für Phil eine Chance auf Glück und Zufriedenheit.

Bill Murray mit seiner launigen, rotzigen Art ist in der Rolle als Mürrisch-Phil bestens besetzt. Es macht Spaß, ihm zuzusehen, wie er realisiert, dass sein bisheriger Lebensstil nicht gut war und dass man auch anders kann. Andie McDowell ist die nette, lebenslustige Nebendarstellerin. Ihr Charakter ist zwar irgendwann das Ziel von Phils Begierde, doch ändert sich das später. Die Liebesbeziehung ist zwar vom Publikum gewollt, aber unterm Strich wird das Thema doch eher nebensächlich behandelt. Es geht um den Wandel von Phil.

Wie lange ist eigentlich die Ewigkeit? Wie lange braucht man, um sich so grundlegend zu verändern? Darüber gibt der Film keine Auskunft. Ebenso wenig, wieso Phil in der Zeitschleife hängt. Eine höhere Macht? Es wird nicht verraten. Zur Frage, wie lange Phil den Tag immer wieder erlebt, gibt es nur einen kleinen Hinweis. Phil erklärt Rita, dass er sechs Monate lang jeden Tag bis zu fünf Stunden geübt habe, um das Schnippen von Spielkarten in einen Hut zu meistern. Und da Phil am Ende eine Menge Dinge gelernt hat, muss er viele Jahre am Murmeltiertag aufgewacht sein.

Wann wacht Phil jeden Morgen auf? Richtig: um 06:00 Uhr. Und was wird im Radiowecker gespielt? Genau: "I got you Babe" von "Sonny und Cher". Wissen wir doch alle.

Eine schöne Komödie mit netter Moral, die einem nicht ins Gesicht geschlagen wird. Sollte man irgendwann mal gesehen haben.

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