Filmplakat Solo: A Star Wars Story
6,5/10

„Natürlich hätten wir beide auch nacheinander duschen können ...“ (Solo: A Star Wars Story, 2018)


Solo: A Star Wars Story

Besprechung

Das Imperium hat vor gut fünf Jahren die Macht ergriffen. Überall in der Galaxie leben die meisten Bewohner in Armut und Verzweiflung. Medizin, Nahrung und vor allem Treibstoff sind rar. Die politische Situation ist überall noch so instabil, dass Verbrechersyndikate vielerorts herrschen. Auf dem Planeten Corellia lebt der junge Han (Alden Ehrenreich), der mit seiner Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) von diesem hoffnungslosen Brocken fliehen will. Die Flucht will nicht ganz gelingen – Qi’ra wird von den Verbrechern des White Worms-Syndikats wieder eingefangen. Han hingegen kann nur fliehen, in dem er sich dem Imperium anschließt. Er will Pilot werden.

Drei Jahre später, mitten in einer wilden Schlacht, lernt Han den Dieb Tobias Beckett (Woody Harrelson) und seine Bande kennen. Han trifft außerdem – sehr unfreiwillig – auf den riesigen Wookiee Chewbacca (Joonas Suotamo). Das Duo schließt sich Becketts Gang an. Gemeinsam wollen sie 100 Kilogramm aufbereitetes Coaxium stehlen. Coaxium ist ein mächtiger Treibstoff für Hyberraumantriebe. Weil die Plünderer unter der Führung von Enfys Nest (Erin Kellyman) auch ans Coaxium wollen, verlieren Beckett und Co. das kostbare Gut. Beckett wollte das Coaxium nicht für sich, sondern für das Verbrechersyndikat Crimson Dawn stehlen. Das wird angeführt von dem skrupellosen Dryden Vos (Paul Bettany).

Weil irgendwie keiner Bock darauf hat, von Vos und seinen Leuten hingerichtet zu werden, improvisiert Han Solo und kommt mit dem Plan daher, unraffiniertes Coaxium aus einer Mine zu stehlen. Da das Zeug wahnsinnig instabil ist, muss ein verdammt schnelles Raumschiff her. Qi’ra, die mittlerweile für Dryden Vos arbeitet, hat da genau den Richtigen im Visier: den Spieler und Halunken Lando Calrissian (Donald Glover).

Meinung von

Nach Rogue One ist Solo: A Star Wars Story der zweite, unabhängige Film aus dem Star Wars-Universum. Rogue One spielt unmittelbar vor Episode IV, wohingegen Solo: A Star Wars Story etwa 14 Jahre davor spielt. Wir sehen, wie Han Solo mit Chewbacca zusammen kommt, wie Han auf Lando trifft und wie unser schießwütige Held seine Hände an den Millennium Falken legen kann.

Regisseur Ron Howard hatte eine schwere Aufgabe. Zum einen war er nicht von Anfang an an dem Projekt beteiligt. Zunächst startete Solo: A Star Wars Story unter der Regie von Phil Lord und Chris Miller. Die beiden waren sogar schon fast fertig, als man sie feuerte und Ron Howard ins Boot holte. Lord und Miller sollen sich die künstlerische Freiheit herausgenommen haben und die Schauspieler improvisieren gelassen haben. Das scheint nichts zu sein, das man im Star Wars-Universum von Kathleen Kennedy machen darf. Also: Da ist die Tür. Der Film von dem Regie-Duo soll nicht lustig genug gewesen sein und habe zu lange gedauert, heißt es.

Was hat Howard also aus dem Stoff um unseren beliebten Möchtegern-Bösewicht gemacht? Ich bin mir nicht ganz sicher. Irgendwann war ich an dem Punkt, dass es mir zu viel war. Der Zugraub auf dem Planeten Vandor-1 (der mich stark an die erste Episode aus der großartigen TV-Serie Firefly erinnerte) ist eine scheinbar ewig lange Action-Sequenz. Davor war auch ständig Action – hier fehlte die Balance. Ich war kurzfristig bei 4,5 Moviejunkies-Punkten.

Zum Glück kann Howard die Geschichte noch rumreißen. Wir kennen alle Han Solo. Howard musste uns den Weg zu dem Mann zeigen, den wir alle lieben. Das ist kein leichtes Unterfangen. Am Ende kommt aber dann doch eine halbwegs glatte Geschichte raus.

Wie in jedem Star Wars-Streifen braucht auch Solo: A Star Wars Story seinen Comic Relief in Form eines Droidens. Das ist diesmal der Android L3-37 (Phoebe Wallet-Bridge). Beim ersten Auftauchen von Landos Navigationsandroiden dachte ich noch: Oh je. Ein revoltierender Androide, der nervig Freiheit für seinesgleichen fordert – das kann nur schief gehen. Doch der Charakter L3 entpuppt sich mit der Zeit als ein sehr guter Charakter. Ich vermute, man muss Wallet-Bridge besser im Original erleben. Dann dürfte der Androide noch wilder und lustiger sein.

Alle schwärmen von Donald Glovers Darstellung des Lando Calrissian. Ja, ich kann mich dem anschließen. Er hat nicht viel Leinwandzeit, aber die füllt er dann richtig gut aus. Glover hat sehr viel Charisma, was man leider von Alden Ehrenreich nicht unbedingt behaupten kann. Ehrenreich gibt sich Mühe. Es gibt Mundbewegungen oder Körperhaltungen, die sehr stark an das 1977er-Schauspiel von Harrison Ford erinnern. Ehrenreich zwinkert auch im richtigen Moment mit dem Auge, der Schelm von Ford fehlt aber.

Verwirrt waren die Moviejunkies davon, dass die Synchronstimme von Alden Ehrenreich (Florian Clyde) sich so verdammt nach der Original-Synchronstimme von Harrison Ford (Wolfgang Pampel) anhört. Da sieht man einen komplett anderen Menschen aber die Stimme ist gleich? Also annähernd gleich … Das war sehr irritierend.

In Solo: A Star Wars Story lernen wir so viel über den berühmten Schmuggler. Er hat niemanden, an den er sich halten kann, er ist solo unterwegs. Im Laufe der Geschichte kommen immer mehr Charaktere dazu. Sehr wichtig und beeindruckend ist die kleine Szene, wenn Han und Co. im Millennium Falken fliehen und Qi'ra als Co-Pilotin einspringen soll. Das war für Han ganz selbstverständlich, dass seine Liebe neben ihm sitzt. Doch dann stellt sich heraus, dass Chewie ein viel besserer, viel erfahrener Co-Pilot ist. Qi'ra räumt die Bühne für den Wookiee – der Bund zwischen Han und seinem Kumpel ist besiegelt. Das war, wie ich fand, ein schöner Moment. Klein, aber fein.

Han Solo war mal anders. Er wollte ein großer Pilot werden, was er dann auch wurde. Er wollte aber auch irgendwie Anschluss finden. Dafür muss man auf Andere zugehen, ihnen vertrauen. Es ist die (schwach ausgeprägte) Vaterfigur des Beckett, der ihm die wichtige Lektion erteilt, niemals jemandem zu trauen. Tatsächlich erfährt Han dann im Laufe des Films auch immer wieder diese Lektion, was ihn zu dem Mann macht, den wir in der Original-Saga sehen.

Solo: A Star Wars Story ist die Entstehungsgeschichte von Han Solo, dem Bund zwischen ihm und Chewbacca sowie dem Kennenlernen zwischen ihm und Lando. Wir sehen den immer wieder zitierten Kossal-Flug in 12 Parsecs (wenn man abrundet) und wie Han dem guten Lando den Falken abnimmt. Also alles Dinge, die wir schon seit langer, langer Zeit kennen. Nun sehen wir sie auf der Leinwand. Was schön ist. Dennoch fehlt mir irgendwas an dem Film. Das Tempo ist anfangs zu hoch, kommt dann aber wieder runter und fängt sich. Das ist es also nicht. Ich konnte keine Beziehung zu Ehrenreichs Solo aufbauen. Das sollte man aber …

Mir gefiel übrigens Paul Bettany in der Rolle des Bösewichts. Es war mir nicht bewusst, dass er das so gut kann. Auch war mir noch nie aufgefallen, wie lang der Typ ist. Das macht seine gefährliche Figur noch einmal bedrohlicher.

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