Filmplakat Solis
7/10

„Let me save you!“ (Solis, 2018)


Solis

Besprechung

Irgendwo im Weltall hat es geknallt. Troy Holloway (Steven Ogg) ist Techniker der Orbis Mining Corporation, die auf Asteroiden nach Metallen schürfen. Holloway ist der einzige Überlebende. Er wacht angeschlagen in einer völlig veralteten Rettungskapsel auf.

Sein Hilferuf wird von Commander Roberts (Alice Lowe) von der Hathor empfangen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann Roberts den verzweifelten Holloway beruhigen und teilt ihm mit, dass die Hathor kommt um ihn zu retten. Die alte Rettungskapsel fliegt direkt auf die Sonne zu. In etwa 75 Minuten sollte das Rendezvous stattfinden.

Die Frage ist nur, ob das reicht? Der Sauerstoff ist fast aufgebraucht, das eine Bullauge beginnt Risse zu bekommen und selbst wenn das andere Schiff rechtzeitig ankommt – die alte Kapsel hat keine Andockklammern …

Meinung von

Ich bin froh darüber, dass es auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest auch mal wieder SciFi gibt. Solis ist mein zweiter Film dieses Jahr. Es müssen nicht immer die großen Kracher sein, die begeistern können. Solis, ein Film aus Großbritannien, dürfte nicht allzu viel gekostet haben. Da sind gerade mal zwei Schauspieler zu nennen und nur einen sieht man. Alice Lowe ist lediglich über eine schwache Funkverbindung zu hören. Wir sehen sie nie. Ein wenig Angst hatte ich vor dem Streifen schon. Eine Ein-Mann-Show kann ganz schön langweilig oder auch anstrengend werden. Solis – wenn auch nicht der beste Streifen überhaupt – konnte tatsächlich 90 Minuten unterhalten.

Das ist vor allem dem Schauspiel von Steven Ogg zu verdanken. Er kann den verängstigten, dann wieder angepissten, dann den aufgebenden Astronauten sehr schön darstellen. Wir gehen durch alle möglichen Emotionen mit ihm durch. Dabei bleibt die Spannung nicht auf der Strecke. Man haut nicht unbedingt seine Finger in die Armlehne, aber Solis hat seine Momente.

Die Idee ist nicht neu. Ich weiß nur nicht, wo ich das schon mal gesehen habe – ein Mann in Not, nur über Funk mit einer helfenden Hand verbunden, die ihn aufrichtet und bei der Stange hält. Das ist es, was hier passiert. Holloway hat noch ein unrühmliches Kapitel zuhause zurückgelassen, vor dem er einfach fortgelaufen ist. Das Will er noch unbedingt bereinigen – doch die Hathor hatte auch technische Probleme. Ein Durchkommen zur Erde ist nicht gegeben. Und immer die eigenen technischen Hindernisse wie der Verlust des Sauerstoffs …

Mit Solis liegt der erste abendfüllende Film von Regisseur und Autor Carl Strathie vor. Was er abliefert lässt sich sehen. Wie gesagt, scheinen nicht die dicken Gelder in den Film geflossen zu sein. Holloway sitzt die meiste Zeit in der Rettungskapsel. Da es hier keine künstliche Schwerkraft gibt, steckt er seine Füße in Halterungen, die verdächtig nach Rennrad-Trinkflschanehalter aussehen. Da schauen wir mal drüber weg. Aber es haben auch Andere mit wenigen Mitteln und in der Garageneinfahrt ihrer Eltern große Raumstationen glaubhaft nachgebaut – Stichwort Love.

Es gibt eine Unklarheit, die mich stört: Die Rettungskapsel trudelt ständig, sie dreht sich. Wir sehen sie aber irgendwie so gut wie immer mit dem Bullauge nach vorne auf die Sonne zusteuern. Das dürfte sie eigentlich nicht. Naja. Als die Hathorn auftaucht, musste ich sofort an die Icarus II aus Danny Boyles Sunshine denken …

Irgendwann mitten im Film dachte ich noch, ich will ein Happy End. Strathie lässt Solis offen. Wir wissen nicht, ob Holloway es schafft oder nicht. Das ist das richtige Ende für den Film.

Solis ist ein kleiner, feiner SciFi-Streifen mit einem guten Schauspieler, spannenden Momenten und einem sehr bombastischen, epischen Soundtrack. Auch wenn das alles nicht viel gekosten haben kann, die Musik ist ein wichtiger Faktor und das wird entsprechend hier gelebt. Da hat der Komponist Davis Stone Hamilton eine gute Arbeit abgeliefert.

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