Filmplakat Skyfall
8,5/10

„Ratte frisst Ratte.“ (Skyfall, 2012)


Skyfall

Besprechung

Der britische Geheimdienst MI6 und dessen Chefin M (Judi Dench) haben ein Problem. Eine unbekannte Macht hat sich in das Netz des MI6 eingehackt. Zuvor wurde noch eine Liste mit allen Nato-Agenten gestohlen, die in Terrororganisationen eingeschleust sind. Beim Versuch diese Liste wiederzubesorgen ist James Bond (Daniel Craig) vermeintlich ums Leben gekommen. Also mächtig viel Ärger für M. Dazu kommt ein neuer Vorgesetzter für die MI6-Chefin, der frisch eingesetzte Chef der Sicherheitsabteilung Gareth Mallory (Ralph Fiennes).

Als die Probleme schier unerträglich werden, taucht Bond von den Toten wieder auf. Er macht sich auf die Suche nach dem Auftraggeber, der die geheime Liste hat. Bond findet in Macau heraus, dass der Ex-MIB6-Agent Silva (Javier Bardem) hinter den dunklen Machenschaften steckt. Bond kann Silva dingfest machen – doch M, Bond und auch der neue Quartiersmeister Q (Ben Whishaw) müssen schnell feststellen, dass Silva dem Geheimdienst immer mindestens drei Schritte voraus ist.

Da bleibt Bond nur eines übrig: Rückzug auf bekanntes Terrain und Silva dort in einen Hinterhalt locken.

Meinung von

Eines gleich einmal vorweg: Wer einen knallharten Actionfilm erwartet, der wird enttäuscht. Der 23. Bond-Streifen ist verhältnismäßig ruhig. Es gibt zwar zum Anfang eine Verfolgungsjagd, eine weitere später im Film, einige Schlägereien - unterm Strich ist Skyfall jedoch im Vergleich zu seinen Vorgängern um einiges entspannter. Das ist nicht negativ gemeint - nur extrem ungewohnt. Auch die Bond-typischen Fummel- und Kussszenen sind sehr knapp gehalten. Was ebenfalls angenehm auffiel. Immerhin wissen wir aus 50 Jahren Bond, dass er ein Frauenheld ist und "sie alle bekommt".

Skyfall ist nicht, wie so oft in den Medien behauptet, "der beste Bond", aber ist schon gut. Es wird viel Wert auf die Zeichnung des Bond-Charakters gelegt. In Verbindung mit der Figur und der Hintergrundgeschichte von M, ergibt sich ein eher dramatischer, anstatt seicht actiongeladener Film. In 50 Jahren Bond habe ich noch nie so viel Wissen über Bonds Herkunft erhalten. Regisseur Sam Mendes (American Beauty, Road to Perdition) schuf einen Film, in dem die Menschen wichtig sind. Skyfall ist eine Art "Übergangsfilm", hin zu einer neuen Ära. Man könnte sagen, Casino Royale war bereits ein Neustart, doch Skyfall ist ein Neustart des Daniel Craig-Bonds. Dabei wird interessanterweise der Schritt hin zum Neuen durch das Alte bewirkt, aber auch durch das bewusste Abstoßen des Alten.

Judi Denchs Charakter M verkündet selber im Film, dass sie sehr wohl weiß, wann es Zeit ist abzutreten. Ein ganz starkes Zitat von ihr lautet deshalb: Ich pfeife auf die Würde. Ich gehe, wenn die Arbeit getan ist. Bond ist ebenfalls gealtert, oder zumindest arg gebeutelt und nicht auf der Höhe seines Könnens. Wenn Bond und M fliehen, der Geheimagent seiner Majestät in einem alten Lagerhaus den alten Bond-Aston Martin DB5 rausholt, da geht jedem Bond-Fan das Herz auf. Lustigerweise haben sie in dem Moment auch die alte - und ich meine die richtig alte - Bond-Melodie rausgeholt. Sie legt sich nicht leise als Untermalung unter die Handlung, sondern ist ganz deutlich und laut präsent. Plötzlich kommt so ein Gefühl von Wärme und Vetrautheit auf. Mendes, der die Geschichte hinter Bond erklärt, schickt ihn zurück zu seinen Wurzeln - nach Schottland. Was wiederum spannend ist, da der Ur-Bond, Sean Connery, bekanntlich Schotte ist. So ergibt sich ein rundes, sich schließendes Bond-Bild.

Und die Handlung sonst? Ist recht simpel, aber immer wieder gut: Rache als Motiv. Silva ist ein alter MIB6-Agent, der wie Bond auch, von M fallen gelassen wurde. Nur dass Bond weiterhin an sein Vaterland und an M glaubt, wohingegen Silva nur auf Rache aus ist. Seine Figur ist hoch intelligent und somit auch äußerst gefährlich. Javier Bardem, ungewohnt mit blondierten Haaren, spielt klasse. Sein Bösewicht ist dem gesamten britischen Geheimdienst stets um Meilen voraus. Und auch sonst ist er "anders" als die üblichen Bond-Schurken.

Skyfall gefällt wegen seiner ruhigen Art, seinen Charakteren (Bond, M, Silva) und auch wegen seiner teils wunderschönen Landschaftsaufnahmen, respektive tollen Kameraeinstellungen. Optisch ist das alles teils ein wahrer Augenschmaus.

Der 23. Bond wird nicht der letzte Bond sein. Er hinterlässt eine Art Cliffhanger, oder besser: er macht einfach Lust auf mehr. Wie wird sich Bond weiter entwickeln? Nun kommen Q und ein neuer M ins Spiel. Das wird spannend.

Skyfall hat die eine oder andere Unlogik, da schauen wir aber mal drüber hinweg. Sie sind nicht so stark, dass man verärgert aus dem Kino ginge.

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