Filmplakat Scream 4
7,5/10

„Die Tragödie einer Generation ist der Witz der folgenden.“ (Scream 4, 2011)


Scream 4

Besprechung

Lange war es ruhig in Woodsboro. Alle Jahre wieder feiern die Jugendlichen in dem kleinen Kaff die Morde, die vor vielen Jahren stattfanden. Gale Weathers (Courtney Cox), mittlerweile mit Sheriff Dewey Riley (David Arquette) verheiratet, hat aus den Morden gut Kapital geschlagen und mehrere Bücher darüber geschrieben. Die Filmindustrie hat ebenfalls an dem Stoff gut verdient, mittlerweile gibt es schon “Stab 7″. Allerdings hat Gale derzeit eine Schreibblockade und ihr will nichts Gescheites einfallen.

Das frühere Opfer Sidney Prescott (Neve Campbell) ist über ihre Rolle hinausgewachsen und hat sich von den schrecklichen Ereignissen von vor zehn Jahren erholt — und ein Buch darüber geschrieben. Als sie nach Woodsboro kommt, um das Buch zu bewerben, geht das Morden wieder los. Zunächst sind zwei Mädchen dran, dann geht der Mörder dazu über, in Sidneys Nähe die Klinge in Körper zu stechen. Da wäre z.B. die Freundin von Sidneys Cousine, Jill (Emma Roberts). Sidney wohnt bei Jill und ihrer Tante Kate (Mary McDonnell). Der Mörder macht es ganz klar, dass er zuerst Sidneys Familie auslöschen will und sich dann ihr zuwendet.

Dewey ermittelt natürlich, Gale ebenfalls und hinzukommt der hiesige Highschool-Film-Club, allen voran der ständig mit einer Kamera rumlaufende Robbie (Erik Knudsen) und sein zotteliger Kumpel Charlie (Rory Culkin), der es auf die Freundin von Jill, Kirby (Hayden Panettiere) abgesehen hat. Können diese Kids helfen? Was macht Jills Ex-Freund Trevor (Nico Tortorella) immerzu in Jills Nähe?

Meinung von

Elf Jahre nach seinem letzten – zugegeben nicht so prallen – Scream 3, kommt Regisseur Wes Craven mit einer Fortsetzung des eigentlich als abgeschlossen geglaubten Franchise daher. Man hat sich, so der Altmeister des (Teenie-)Horrors, intensiv mit dem Genre beschäftigt und sich angeschaut, wie es sich in der letzten Dekade entwickelt hat. Denn nur mit einer guten Story wollte Craven wieder hinter die Kamera. Die Filmgemeinschaft scheint es ihm nicht abgenommen zu haben. Scream 4 kam nicht sonderlich gut an und lief auch nicht all zu lange im Kino. Ich mag ihn.

Wie für Cravens Scream-Filme typisch, setzt sich der Regisseur erneut intensiv mit dem Thema Horrorfilme auseinander. Gleich vom Anfang an gibt es Seitenhiebe auf andere Franchises und auf die Industrie allgemein. Fortsetzungen, heißt es da, sind doch in der Regel Müll und die Studios wüssten nie, wann endlich Schluss sei. (Was ein Augenwink ist, haben wir hier Teil 4 vor uns ...) Die fiktive Filmreihe im Film, Stab, wäre irgendwann sogar auf Zeitreisen gekommen — was ein verzweifelter Versuch ist, ein Franchise am Leben zu halten. Schon für solche Kritik muss man die Scream-Filme eigentlich mögen. Und dafür, dass sie im Grunde "harmlos" sind, im Vergleich zu anderen Serien wie z.B. Saw, die trefflich als Folterpornokacke bezeichnet wird.

Das Schema für Scream 4 ist altbewährt. Sidney wird bedroht, irgendein Verrückter im Ghostface-Kostüm geht umher und sticht Leute nieder. Im Laufe des Films wird irgendwie jeder einmal verdächtig der Täter zu sein. Trevor ist weit vorne – aber das wäre zu offensichtlich. Vielleicht Deputy Judy Hicks (Marley Shelton), die wohl etwas für ihren Chef, den Sheriff, übrig hat und ständig gegen Gale arbeitet? Wie wäre es mit dem Filmgeek Robbie? Der stellt immerhin neue Regeln für Fortsetzungen auf. Wieso nicht diese selber aufstellen und dann entsprechend handeln?

Tatsächlich ist diesmal jemand ganz anderes der Mörder namens „Ghostface". Es ist eine Reminiszenz an den ersten Teil, dennoch liegt der Sachverhalt etwas anders. Craven greift sehr schön das Thema "15 Minuten Ruhm" auf und verquickt es mit den neuen Medien. Will man heutzutage berühmt werden, muss man noch nicht einmal etwas können. Talent ist überbewertet. Die Medien nehmen einem das ab: Dazu brauchst du heute gar nichts zu leisten. Es reicht, wenn dir irgendeine abgefuckte Scheiße passiert. — und eine Kamera alles filmt, so dass man das im Internet verbreiten kann. Schon kommt man heutzutage zu Ruhm. Traurige Wahrheit …

Vielleicht haben sich einfach zu viele Zuschauer von eben dieser Aussage angegriffen gefühlt. Eventuell haben sie sich selber darin wiedererkannt und das schmeckte ihnen nicht. Das mag ein Grund dafür sein, warum Scream 4 nicht so gut abgeschnitten hat. Da draußen. Für mich sind die Kritikpunkte an der Gesellschaft klare Pluspunkte. Ich mag den Streifen.

Nett ist übrigens, dass für den vierten Teil einige bekannte Nasen sich in dem Film abmurksen lassen. Da sind z.B. Anna Paquin und Kristen Bell, die am Anfang das Zeitliche segnen. Alison Brie ist ebenfalls durchs Fernsehen bekannt und Britt Robertson taucht auch in mehr Filmen auf. Die hatten wohl alle Spaß.

hoch