Filmplakat Schlappschuss
8/10

„Die sind zu dämlich um mit sich selbst zu spielen.“ (Schlappschuss, 1977)


Schlappschuss

Besprechung

Das Eishockeyteam aus Charlestown ist echt mies. Spielertrainer Reggie Dunlop (Paul Newman) ist ein eher schlechter Trainer und so dümpelt sein Team, die “Chiefs”, auch ziemlich weit unten in den Klassen herum. Nächstes Jahr wird wohl der größte Arbeitgeber in Charlestown dichtmachen, dann steigt die Arbeitslosigkeit und niemand wird sich mehr Karten leisten können. Im Grunde kann man die Chiefs auch gleich einstampfen. Der Manager der Truppe, Joe McGrath (Strother Martin), macht noch ein wenig Geld mit den Jungs, in dem er sie auf Modenschauen über den Laufsteg laufen lässt. Was die gestandenen Männer natürlich voll daneben finden.

Zu Reggies Unglück kauft Joe auch noch die drei völlig infantilen und bekloppten Hanson-Brüder ein. Jeff Hanson (Jeff Carlson), Steve (Steve Carlson) und Jack (David Hanson) spielen mit Spielzeugautos und haben eine recht aggressive Art am Leibe. Reggie setzt die Brüder deswegen auch zunächst nicht ein.

Um sein Team zu motivieren, erfindet Reggie die Geschichte vom Kauf der Chiefs durch irgendwelche reichen Knacker aus Florida. Das gibt schon mal ein wenig Aufschwung, reicht aber noch nicht. Erst als Reggie doch die Hanson-Brüder aufs Eis schickt und die ihre Gegner nach Strich und Faden fertig machen und sich mit jedem auf dem Eis prügeln, kommt Fahrt auf. Nicht nur, dass diese überaus aggressive Art zu Erfolgen führt, das Publikum findet auch wieder Interesse an der Mannschaft. So was hat man noch nie gesehen, so viel blinde, hemmungslose Wut auf dem Eis. Was für ein Spaß!

Während Reggie zusieht, wie sein Team immer mehr verroht, ist sein Stürmer Ned Braden (Michael Ontkean) kein Stück begeistert von Reggies Vorgehen. Ned will „reines Eishockey“ spielen. Seine Frau Lily (Lindsay Crouse) liegt ihm derweil ständig in den Ohren, wie scheiße sie Charlestown findet. Die beiden streiten sich unentwegt.

Meinung von

Damals kein so großer Erfolg, eher nur bei eingefleischten Eishockeyfans, hat sich für Schlappschuss über die Jahre doch eine treue Fangemeinde gefunden. Für mich sind Sportfilme auch nicht so wahnsinnig spannend. Aber es gibt immer einen Film pro Sportart, der dann doch gut ist (z.B. American Football: An jedem verdammten Sonntag, Billard: Haie der Großstadt). Warum ist Schlappschuss gut? Weil er zum einen witzig ist und zum anderen auch einen ernsten Teil hat.

Das Team ist demotiviert und sieht dem Abrunde entgegen. Reggie entdeckt, dass man das Publikum mit Gewalt begeistern kann. Zum Glück hat er die verrückten, bebrillten Hanson-Brüder im Team. Die mischen alle und jeden auf dem Eis und am Rand auf. So viel sinnlose Gewalt gefällt dem Publikum — im Eisstadion und im Kinosessel. Das ist ein klarer Gewinn für den Film. Gleichzeitig ist es auch ein Anklage: wenn die sportlichen Leistungen nicht mehr reichen, dann veranstalte eine Gewaltorgie, die kommt beim dummen Publikum immer an. Was zu beweisen war.

Neben den Problemen mit dem Team haben wir aber noch diverse Nebengeschichten zu sehen. Reggie, wie er als gealterter und mäßig erfolgreicher Trainer einem Lebensabend ohne Eishockey entgegensieht. Was soll aus ihm werden? Dann läuft ihm immer wieder seine Ex-Frau Francine (Jennifer Warren) über den Weg, die er eigentlich doch wiederhaben möchte. Doch die Ehe ist eben wegen der Besessenheit Reggies mit dem Eishockey zugrunde gegangen. Daneben gibt es noch die problematische Beziehung zwischen Ned und seiner Frau Lily. Lily betet Ned an, lässt sich aber gehen, wodurch sich Ned abgestoßen fühlt von ihr und Zuflucht bei anderen Frauen sucht. Das beobachtet Reggie wiederum und versucht es für sich auszunutzen, um in Lilys Höschen zu kommen. Zudem gibt es immer noch die Frage: Wem gehören eigentlich die Chiefs? Wer steckt hinter der Mannschaft? Vor allem Reggie will dem Geheimnis auf den Grund gehen. Was er herausfindet ist nicht erfreulich.

Schlappschuss spielt in der heruntergekommenen Kleinstadt Charlestown. Tatsächlich bediente man sich der Eishockeymannschaft aus Johnstown, um die Reihen der Spieler aufzufüllen. Die drei Hanson-Brüder sind eigentlich die Carlson-Brüder aus Johnstown (minus einem Bruder, dafür der Ersatzmann Davis Hanson). Die echten Eishockeyspieler gaben Tipps und Ratschläge für ihre Schauspielkollegen – selber blieben sie wie immer und waren einfach Eishockeyspieler. Im echten Leben waren sie auch sehr aggressive Spieler.

Schlappschuss ist dreckig, realistisch und macht Spaß. Ein hierzulande leider nicht (mehr) allzu bekannter Film. Paul Newman ist ein Schlitzohr von Trainer. Er will seine Haut retten und sein Team. Dafür geht er auch über Leichen und wirft jegliche Moral über den Haufen. Allerdings hat Reggie es eh nicht so mit der Moral, was man daran sehen kann, mit welchen Frauen er alles schläft.

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