Filmplakat An jedem verdammten Sonntag
8,5/10

„Ich find dich besser, wenn du kotzt.“ (An jedem verdammten Sonntag, 1999)


An jedem verdammten Sonntag

Besprechung

Die Sharks, ein Football-Team aus Miami, hat schon bessere Zeiten gesehen. Jetzt ist auch noch Quarterback Jack Rooney (Dennis Quaid) ausgefallen. Der – für diesen Sport – sehr betagte Mann versucht sein Bestes, um wieder in den Sattel zu kommen. Trainer Tony D’Amato (Al Pacino) hat am Ende keine Wahl und muss den Frischling Willie Beamen (Jamie Foxx) einsetzen. Der entpuppt sich als ein Glücksgriff, einen kotzenden Glücksgriff, aber immerhin.

Beamen wird schnell vom Erfolg korrumpiert. Da können auch seine Mannschaftskameraden nichts dran ändern, im Gegenteil, die hassen diesen aufgeblasenen, über-egozentrischen Typen und machen ihm dafür die Hölle heiß.

Während auf dem Spielfeld gekämpft wird, wird auch hinter den Kulissen Krieg geführt. Die neue Präsidentin der Sharks, Christina Pagniacci (Cameron Diaz), die den Laden von ihrem alten Herren übernommen hat, hat ihre eigenen Vorstellungen, wie man ein Football-Team führt. So gerät sie ständig mit D’Amato aneinander.

Schließlich gibt es auch noch die Auseinandersetzung zwischen dem Team-Arzt Dr. Harvey Mandrake (James Woods) und seinem Assistenten Nick Crozier (Aaron Eckhart). Mandrake flickt die Spieler nur zusammen, damit sie am nächsten Sonntag wieder aufs Feld können und so ihre Prämien sichern. Er ist sich sicher, damit im Sinne der Spieler zu handeln. Doch Crozier erkennt, dass Mandrake nicht wirklich der Gesundheit der Spieler zuarbeitet, sondern nur dem Geld.

Meinung von

American Football? Keine Ahnung, wie das geht. Interessiert mich auch herzlich wenig. Dennoch ist Oliver Stones Blick hinter die Kulissen dieses Zirkusses sehr gut gemacht und spannend. Ja, ich habe mich dabei ertappt, An jedem verdammten Sonntag echt zu mögen, weil er einfach eine gute Geschichte hat. Die Sportart ist Nebensache. Zwar sieht man einige echt gut choreografierte Spielzüge, sowohl von den Sportlern, als auch von der Kamera, aber im Grunde geht es hier nicht um das Getanze auf dem Spielfeld, nicht um den Kampf ums Schweinsleder, sondern um die Menschen, die dieses Spiel betreiben: Sportler, Trainer, Ärzte, Spielerfrauen, Clubinhaberin.

Diese Charaktere arbeiten mit- und gegeneinander. Jeder hat seine eigenen Wünsche und Ziele. Da ist der "alte" Rooney. Er will unbedingt nicht zum alten Eisen gehören, er muss einfach wieder aufs Feld. Das ist alles, was er hat. Dafür riskiert er auch seine Gesundheit in großem Maße. Oder der Haudegen D'Amato. Er war schon Trainer unter Christinas Vaters und man hatte gewisse Vereinbarungen "unter Männern", die aber die knallharte und moderne Geschäftsfrau Christina nicht mehr akzeptiert. Sie ist die Chefin, das soll D'Amato endlich schlucken. Sie führt ihm vor Augen, dass der Trainer ein Fossil ist.

D'Amato und Beamen sind die beiden Hauptfiguren in An jedem verdammten Sonntag. Al Pacinos Figur verkörpert die alten Werte, das alte Spiel — während Jamie Foxx’ Charakter das Neue verkörpert: jung, dynamisch, erfolgsgeil. Beamen ist zunächst ein echt netter Kerl, einer, der eine Chance haben will, um sich hochzuspielen. Als er sie dann erhält, steigt ihm der Ruhm allerdings schnell zu Kopf und er wird ein Arsch vom Herrn.

Es geht also um Veränderung auf der einen Seite und um Werte auf der anderen. Oliver Stone zeichnet ein sehr dynamisches, ein realistisch wirkendes Bild vom American Football. Was hängt da alles mit dran? Werbeverträge, Drogen, Freundschaften, Ängste, Machtkämpfe. Die Sportart ist hier eher nebensächlich – bis auf die Tatsache, dass American Football eine so prominente Sportart in den Staaten ist und eine so unglaubliche Maschinerie dahinterhängt – wie hierzulande beim Fußball –, dass An jedem verdammten Sonntag eine sehr interessante Studie darstellt. Verpackt in einem schnellen, mitreißenden Film. Der wiederum von guten Schauspielern getragen wird. Man geht mit den Figuren mit und kann sich der Geschichte so ungestört hingeben.

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