Filmplakat Haie der Großstadt
8,5/10

„Ich mache heute 10.000 in einer Nacht. Wer kann mich schon schlagen?“ (Haie der Großstadt, 1961)


Haie der Großstadt

Besprechung

Die Masche ist einfach. Erst werden die Billardspieler in Sicherheit gewogen, dann nimmt sie Eddie Felson (Paul Newman) aus. Zusammen mit seinem Kumpel und Finanzverwalter Charlie Burns (Myrone McCormick) verdient sich Eddie so sein Geld. Sein größter Traum: Minnesota Fats (Jackie Gleason), den besten Billardspieler den es gibt, zu schlagen. Eddie braucht nicht nur Geld, sein Ego braucht auch die Anerkennung durch Andere. Sein erstes Match gegen Fats verliert er jedoch.

Eddie will aus der Routine raus, flieht, stolpert über die Alkoholikerin Sarah Packard (Piper Laurie). Beide haben Probleme, warum diese also nicht zusammen lösen?

Schließlich begegnet Eddie Bert Gordon (George C. Scott), der den jungen Billardspieler mit Geld versorgt, um Minnesota Fats auszunehmen. Eine gute Beziehung ist das zwischen Eddie und Bert allerdings nicht. Bert ist nur an seinen finanziellen Vorteilen interessiert, die Menschen – Eddie und Sarah – sind ihm völlig egal.

Meinung von

Oh Mann, echt jetzt? Über zwei Stunden Leuten beim Billardspielen zuschauen? Nein. Haie der Großstadt, nach dem Roman von Walter Tevis, ist natürlich nicht eine einzige Billardpartie. Haie der Großstadt ist ein gut erzähltes Drama. Eddie ist süchtig nach Ruhm und vor allem am Anfang sehen wir, dass er extrem überheblich ist. Dann kommt noch Sarah dazu. Sie hat andere Probleme und so kommen zwei kaputte Menschen zusammen. Sarah verliebt sich tatsächlich in Eddie. Doch der kann die Liebe nicht erwidern.

So ätzend Bert auch ist, er analysiert Eddie vollkommen richtig: Eddie ist der geborene Verlierer. Es gibt Menschen, die nicht mit Erfolg umgehen können. Wenn er sich dann doch einstellt, boykottieren sie sich selber, um wieder in den sicheren Schoß des Misserfolgs zu sinken. So ist Eddie. Er hätte Minnesota Fats schlagen können, doch hat dann alles selber kaputt gemacht. Außerdem fehlt Eddie, der ohne Frage extrem talentiert ist, etwas entscheidendes: Charakter. Er ist, so erklärt Bert, ein oberflächlicher Loser mit Talent. Als Hustler, also Gauner, muss man aber auch Charakter haben. Die Masche mit dem Vorspielen Eddie sei der betrunkene, übereifrige Billardspieler, den man leicht ausnehmen kann, doch dann schlägt er zu — das geht nur gut, wenn man auch Charakter hat.

Wir sehen Eddie durch die Fesseln Berts gebunden und geknechtet, getrieben lediglich von dem Wunsch Fats zu schlagen. Wenigstens hat Eddie dann doch noch etwas Anstand und Gefühl für Sarah in sich gefunden, dass er sie mit auf die Reise nimmt. Was jedoch nicht gut endet.

Paul Newman ist jung, verschmitzt und Eddies Überheblichkeit kommt gut zum Vorschein. Auch nimmt man ihm den Wandel am Ende des Films ab. Piper Laurie hat nach dem Film erst mal das Schauspielern auf der großen Leinwand an den Nagel gehängt. Fünfzehn Jahre später sollte sie wieder mit Carrie auf der Silberleinwand zu sehen sein. Ihre Darstellung als gebrochene, verletzte Sarah ist eindringlich. Sie schaut ihr Gegenüber kaum an und am Ende bricht sie gänzlich.

In Haie der Großstadt gibt es eigentlich nur zwei große Billardspiele. Große Spannung soll hier gar nicht aufkommen, Billard ist nur ein Aufhänger. Aber dennoch sieht man einige nette Stöße. Newman soll nach eigenen Angaben vorher nie einen Queue in der Hand gehalten haben, machte dann aber nach Anleitung fast alle Stöße. Jackie Gleason hingegen war schon vor dem Film ein guter Billardspieler.

Gefallen hat neben den schauspielerischen Leistungen auch die Kamera. Es gibt einige wunderbare Einstellungen, Überblendungen und es wird oft mit einer großen Tiefenschärfe gearbeitet, so dass das Auge ständig wandert.

Man muss also nicht den Sport mögen, aber wer ein gut erzähltes, tragisches Drama mit ausgezeichneten Schauspielern sehen will, der sollte sich Haie der Großstadt anschauen.

Ausgezeichnet wurde Haie der Großstadt übrigens mit zwei Oscars, nominiert war er jedoch in neun Kategorien. Jeder Schauspieler war in einer Kategorie nominiert. Newman soll sich nachträglich über seinen verpassten Oscar beschwert haben, weil eine wichtige Szene mit einem Monolog Eddies rausgeschnitten wurde. Diese Szene, so Newman, hätte ihm den Oscar einbringen sollen. Ironischerweise sollte Newman dann doch noch einen Oscar bekommen — für die Fortsetzung von Haie der Großstadt, die 25 Jahre später spielt: Die Farbe des Geldes.

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