Filmplakat Sabrina
8/10

„Kein Mann ist freiwillig allein, Sabrina.“ (Sabrina, 1954)


Sabrina

Besprechung

Seit ihrer Kindheit ist die Chauffeurstochter Sabrina Fairchild (Audrey Hepburn) in den Millionärssohn David Larrabee (William Holden) verliebt. Der ist ein Lebemann und hat ständig eine neue Flamme. Die Larrabees haben diverse Firmen, die hauptsächlich vom ältesten Bruder Linus (Humphrey Bogart) geführt werden. Linus hat nur Zahlen und Aktienkurse im Kopf, David nur Frauen und Sabrina nur David.

Sabrinas Vater Thomas Fairchild (John Williams), der Chauffeur der Larrabees, schickt seine liebeskranke Tochter nach Paris auf die Kochschule. In allen Briefen schreibt sie von David, was nicht gut ist. Als die junge Frau nach zwei Jahren wieder nach Long Island zurückkommt, ist aus dem jungen Ding eine elegante Frau geworden.

David verliebt sich Hals über Kopf in Sabrina. Jetzt endlich sieht er sie. Er will mit ihr durchbrennen. Doch Linus hat andere Pläne. David soll Elizabeth Tyson (Martha Hyer) heiraten, damit Linus einen neuen Geschäftszweig aufmachen kann. Um seinen jüngeren, draufgängerischen Bruder davon abzuhalten, mit Sabrina abzuhauen und den Deal zu ruinieren, sabotiert er seinen Bruder. Der fällt verletzt aus und Linus kümmert sich um Sabrina, um sie – so der Plan – nach Paris abzuschieben. Linus und Sabrine verbringen fast eine Woche zusammen …

Meinung von

Was für ein Mix: Vier Oscar-Preisträger auf einem Haufen – da muss ein guter Film bei herauskommen. Zu Lebzeiten hat Regisseur Billy Wilder sechs Goldmänner eingesackt. Ein Jahr vor Sabrina war er auch mit Stalag 17 für einen Oscar nominiert.

Samuel A. Taylor schrieb das Theaterstück Sabrina Fair und Paramount sicherte sich sofort die Rechte, um die Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Nachdem die junge Audrey Hepburn zwei Jahre zuvor mit ihrer ersten großen Rolle in Ein Herz und eine Krone ihren Oscar eingesackte hatte, wollte das Studio den Ruhm der Hepburn voll ausschöpfen. Sabrina schien der Jungschauspielerin auf den Leib geschneidert zu sein.

Als Lebemann holte Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Wilder William Holden ins Boot, der für die beste männliche Hauptrolle in Stalag 17 die kleine goldene Statue nach Hause brachte. Als älteren, spröden Bruder wollte man Cary Grant verpflichten, doch der lehnte ab. Wilder wählte stattdessen für die Rolle des Linus das eiserne Gesicht Humphrey Bogart, der zwei Jahre zuvor mit African Queen seinen Oscar holte. Was kann da noch schief gehen?

Kaum etwas. Sabrina ist eine wunderschöne, leichte Liebeskomödie. Unsere Titelheldin ist seit Ewigkeiten in David verliebt – immerzu unglücklich. Er beachtet sie nicht, hetzt aber jedem anderen Frauenrock hinterher. Das schmerzt. Sabrina will sich sogar in der Nacht vor ihrer Abreise nach Paris das Leben nehmen. Das geht aber in die Hose. Linus rettet sie, ohne zu wissen, was sie vorhatte.

Die Zeit in Paris macht aus Sabrina eine Frau. Ihr Vater hat ihr stets beigebracht, dass man nie nach den Sternen greifen solle. Es gibt klare Grenzen zwischen den Klassen. Die Tochter eines Chauffeurs kann niemals "nach oben" heiraten. In Paris fasst Sabrina jedoch den Entschluss, dass man sehr wohl nach seinen Sternen greifen solle. Also ab nach Hause und – passend in Schale geworfen – geht sie zum Angriff auf David über.

Linus hat wie immer nur das Geschäft im Sinn. Sein "Attentat" auf seinen jüngeren Bruder hat er schnell und effektiv geplant. Damit Sabrina nicht womöglich noch die mitfühlende Krankenschwester raushängen lassen und damit den Zuckerrohr-Deal mit den Tysons gefährden kann, nimmt der ältere Larrabee-Sohn es auf sich, die junge Frau zu bespaßen.

Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden entdecken doch noch ihre Gefühle füreinander. Das ist dem geübten Kinogängerauge natürlich schnell klar. Dennoch ist Sabrina nicht langweilig, im Gegenteil, der Film ist frisch und lustig. Auch über 60 Jahre später wirkt das noch. Lediglich am Anfang hätte man etwas kürzen können. Mir war die Zeit, in der Sabrina ihrem David nachschmachtet zu lang. So hat man damals aber Geschichten erzählt. Ich denke, man wollte einfach auch nur die Schönheit der Hepburn in dieser Aschenputtel-Geschichte lange genug auf der Leinwand zeigen.

Sabrina sollte man gesehen haben. Billy Wilder stand noch vor seiner Hochzeit als Komödien-Genie. Das verflixte 7. Jahr, Manche mögen's heiß oder Extrablatt sollten noch folgen.

Wer sich in Ein Herz und eine Krone in Audrey Hepburn verliebt hat, der muss Sabrina natürlich auch anschauen.

Sabrina hatte sechs Oscar-Nominierungen. Unter anderem Audrey Hepburn als beste Hauptdarstellerin und Bill Wilder als bester Regisseur. Gewonnen hat der Film in der Rubrik Bestes Kostümdesign. Die legendäre Edith Head sackte den Preis ein. Das war einer von insgesamt sieben Oscars, die die Designerin in ihrer Laufband gewann.

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