Filmplakat Extrablatt
8,5/10

„Ich dachte immer, nur Schwule gehen in die Werbung.“ (Extrablatt, 1974)


Extrablatt

Besprechung

Chicago, 1927: Der Polizistenmörder Earl Williams (Austin Pendleton) soll gehängt werden. Im Presseraum tummeln sich schon die Bestens der Besten, um über dieses Ereignis berichten zu können. Nur einer fehlt. Hildy Johnson (Jack Lemmon) will heiraten. Dazu kündigt er bei seinem herrischen Boss Walter Burns (Walter Matthau). Der ist kein Stück davon begeistert, dass sein bester Bluthund den Chicago Examiner verlassen will.

Hildy geht noch einmal in den Presseraum, um von seinen alten Kollegen Abschied zu nehmen, als das Unmögliche passiert: Earl kann entkommen. Polizei und Presse sind aufgebracht. Alle suchen nach dem schmächtigen Earl. Hildy interessiert es nicht, er will seine Peggy (Susan Sarandon) heiraten, die unten vor dem Justizgebäude in einem Taxi auf ihn wartet.

Der einstige Reporter und zukünftige Werbetexter hat die Ringe im Presseraum vergessen und eilt noch einmal hoch — als Earl durch das Fenster purzelt und Hildy buchstäblich vor die Füße fällt. Was für eine Story! Kann Hildy dem Drang widerstehen, über diese Geschichte zu berichten? Was hat der Sheriff (Vincent Gardenia) mit dem Ausbruch zu tun? Kann Walter seinen Nummer-1-Reporter halten?

Meinung von

Komödien-Meister Billy Wilder hat sich hier eines alten Bühnenstücks angenommen. Eine gewisse Ähnlichkeit zur Bühne ist auch zu erkennen, spielt Extrablatt doch hauptsächlich in einem Raum, dem Presseraum.

Extrablatt hat ein enormes Tempo am Leibe, sprüht vor Witz und in der Synchronisation besitzt der Film ein unglaublich dreckiges Vokabular. Hätte ich nicht gedacht, dass so was durchkommt.

Walter Matthau und Jack Lemmon werden immer gerne als die Buddys dargestellt und stets bringen die Leute die beiden Schauspielern mit den Ein seltsames Paar-Filme in Verbindung. Ich denke bei Matthau/Lemmon hingegen immer an Extrablatt.

Matthau ist ganz in seinem Element. Er ist launisch, laut, hinterhältig, manipulativ und die Schlagzeilen können nicht blutig und dreckig genug für ihn sein. Lemmon spielt seinen gutmütigen Gegenpart. Er möchte heiraten, ist über beide Ohren verliebt und freut sich auf ein Leben weit weg von diesen Schmierbrüdern. Doch Walter weiß Hildys Fäden zu ziehen. Ein herrlicher Spaß, dieser Film. Es gibt eigentlich nichts, was daran stört und auch nach Jahren, sowie wiederholtem Anschauen, hat Extrablatt nichts an Witz verloren.

Regisseur Wilder hat übrigens einen kleinen netten Gag und eine Reverenz auf ein früheres Werk von sich selbst in den Film eingebaut. Als Hildy, der Earl versteckt hält, seine Reporterkollegen aus dem Presseraum haben möchte, werden diese skeptisch und beschuldigen ihn, sie erneut auf eine falsche Fährte schicken zu wollen. So, wie er es bei der Schießerei in der Garage am St. Valentinstag auch schon gemacht habe. Damit spielen sie auf die Hinrichtung in Manche mögen's heiß an, in der Jack Lemmon auch schon mitspielte. Wer's weiß, hat einen Extralacher. :-)

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