Filmplakat Ein Herz und eine Krone
9/10

„Wird man im Leben gefragt, was man gern' tut?“ (Ein Herz und eine Krone, 1953)


Ein Herz und eine Krone

Besprechung

Prinzessin Ann (Audrey Hepburn) ist total erschöpft. Sie reist kreuz und quer durch Europa, lächelt immerzu, winkt den Leuten zu und gibt Interviews. Das ist der jungen Thronanwärterin einfach zu viel und in Rom rastet sie aus. Nach einem hysterischen Anfall bekommt sie ein Beruhigungsmittel gespritzt. Bevor dieses wirken kann, schleicht sie sich aus dem Palast und erkundet das nächtliche Rom.

Der amerikanische Journalist Joe Bradley (Gregory Peck) findet die junge Frau auf einer Mauer schlafend. Er erkennt, dass sie gebildet ist, wohl gekleidet und anscheinend betrunken. Dabei wirkt nur endlich das Schlafmittel bei ihr. Ohne zu wissen, wen er da vor sich hat, nimmt er Ann zu sich nach Hause. Er kann sie ja nicht einfach auf der Straße lassen.

Am nächsten Morgen stellt er in der Redaktion fest, wer da bei ihm in der Einzimmerwohnung auf dem Sofa schläft. Joe wittert eine riesige Story. Er heftet sich Ann – die sich ihm gegenüber als Anja ausgibt – an die Fersen. Zusammen mit Joes Kumpel Irving Radovich (Eddie Albert), der Fotojournalist ist, verbringen sie einen wunderschönen Tag in Rom.

Meinung von

Ein wunderbarer Film. Die Leute schwärmen immer von Ein Herz und eine kröne, als dem Film, mit dem Audrey Hepburn sich in die Herzen der Menschen gestohlen hat. Vielleicht weniger schwülstig, aber sinngemäß. Und sie sollen Recht behalten. Die junge Hepburn, damals gerade einmal 24 Jahre alt, ist wirklich zauberhaft. Sie hatte bereits einige, wenige Rollen, die alle eher klein waren. Regisseur William Wyler hat die zierliche Hepburn hinreißend in Szene gesetzt.

Cary Grant bekam die Rolle des Joe Bradley zuerst angeboten und lehnte ab. Er wusste, dass die Figur von Hepburn absolut im Vordergrund stehen und er nur zweite Reihe spielen würde. Gregory Peck hatte damit kein Problem. Im Gegenteil. Nachdem er Hepburn kennengelernt hatte, rief er das Studio an und meinte, ihr Name müsse mit seinem Namen noch vor dem Titel des Films erscheinen. Frei nach dem Motto: Die wird ein Star und wir würden uns lächerlich machen, wenn ihr Name später erschiene.

Audrey Hepburn in ihrem ersten großen Film – und was macht sie? Sie gewinnt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Ihre Prinzessin ist gebildet, wohl erzogen, weltgewandt. Sie ist kein kleines Kind, aber nach all den Strapazen und dem Leben in einem Käfig, ist dieser freie Tag in Rom der schönste Tag für sie. Sie genießt jede Minute und freut sich. Ihr Glück zeigt sich in ihrem Lächeln und dieses Lächeln finden wir als Zuschauer auch auf unseren Lippen. Das ist ansteckend.

Die Geschichte von Autor Dalton Trumbo ist in vieler Hinsicht besonders. Wir sehen die junge Aristokratin, die ausbricht und das Leben erkunden will. Sie trifft auf den abgebrannten Journalisten, der sie ausbeuten und damit dickes Geld machen will. Natürlich wissen wir, wie die Geschichte ausgeht: Sie findet heraus, dass er sie ausgenutzt hat. Er hat sich aber in sie verliebt. Drama. Beide raufen sich zusammen und leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. – Nicht so bei Trumbo. Der findet ein bittersüßes Ende, das einzig richtige Ende für Ein Herz und eine Krone.

Trumbo stand damals auf der Schwarzen List und durfte in Hollywood als Sympathisant der Kommunisten nicht arbeiten. Das hielt ihn nicht davon ab, weiterhin Skripte abzuliefern, wenn auch nicht unter seinem Namen. Trumbo gewann einen Oscar für das beste Drehbuch für Ein Herz und eine Krone. Kleiner Schönheitsfehler hier: Niemand durfte wissen, dass er die Geschichte geschrieben hatte. Also erschien Ian McLellan Hunter als Autor im Vorspann und auf der Bühne bei der Oscar-Verleihung.

Der Film ist leicht, er ist lustig und er ist romantisch. Alles in einem wohl ausgewogenen Maße. Er ist keine "RomCom", die sind schneller und auch schon mal albern. Ein Herz und eine Krone ist ein leiser, romantischer Film, der nebenbei auch lustig ist. Zwei Stunden beste Unterhaltung, die einen die Zeit und alle Sorgen vergessen lässt. Man taucht ein in das Leben Roms und das von Prinzessin Ann und genießt es in vollen Zügen, so wie Hepburns Ann diesen Tag in Rom.

Ein Herz und eine Krone ist übrigens auch deshalb so besonders, weil man damals in der Regel nicht an Originalschauplätzen gedreht hat. Wyler war das aber wichtig. Der Film hätte niemals mit Rückprojektionen funktioniert. Hepburn und Peck mussten an echten Plätzen in Rom spielen. So kam am Ende ein unvergesslicher Film heraus.

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