Filmplakat Resident Evil: Retribution
4,5/10

„Und was ist das für ein Sado-Maso-Kostüm?“ (Resident Evil: Retribution, 2012)


Resident Evil: Retribution

Besprechung

Alice (Milla Jovovich) steckt in einer Art Gefängnis fest. Von Zeit zu Zeit schaut Jill Valentine (Sienna Guillory) vorbei und fragt sie, für wen Alice arbeitet. Da die nichts darauf antworten kann, wird sie akustisch gefoltert. Doch irgendwann geht die Tür auf. Irgendwer von außen hat das System gehakt. Alice ist frei, findet sich aber schnell in Tokio wieder. Plötzlich sind überall Menschen und wir erleben den ersten Übergriff einer vom T-Virus Befallenen. Was ist hier los? Die Untoten nehmen Überhand und Alice kann sich kaum erwehren.

In die Anlage der Umbrella Corporation zurückgekehrt trifft Alice auf Ada Wong (Bingbing Li). Die junge Frau hat Alice aus dem Gefängnis geholfen und erklärt ihr, dass ein Rettungsteam unterwegs ist, um Alice und sie aus der Anlage rauszuholen. Es handelt sich hierbei um die zentrale Testanlange der Umbrella Corporation. Tief unter dem Eis der Arktis versteckt befindet sich diese riesige Testanlage für den T-Virus. Alice ist zwar froh über Hilfe, allerdings wurde Ada von Albert Wesker (Shawn Roberts) geschickt, dem Vorsitzenden der Umbrella Corporation. Die Red Queen (Megan Charpentier) hat die Kontrolle über die Anlage erlangt und setzt alles daran, die Menschheit komplett auszurotten. Da müssen auch Feinde miteinander kooperieren, wie es scheint.

Zur Rettungstruppe gehört unter anderem Luther West (Boris Kodjoe), den Alice in ihrem letzten Abenteuer in L.A. kennengelernt hat. Der hat eine Stunde Zeit, um sich mit seinen Männern zu den beiden Frauen durchzuschlagen und diese aus der Anlage rauszuholen. Doch die Red Queen wirft ihnen einen untoten Stein nach dem anderen vor die Füße. So trifft Alice auch auf diverse Charaktere aus der Vergangenheit – alle frisch und munter und extrem sauer.

Meinung von

Langsam ist gut. Der fünfte Teil der Resident Evil-Reihe muss natürlich noch eine Schippe drauf legen, um das Interesse der Fans zu halten. Diesmal also: die Umbrella Corporation hat eine Art Wettrüsten mit biologischen Waffen betrieben. In der Anlage unter dem Eis wurden diverse Großstädte nachgebaut, um dort in Simulationen, bevölkert von Klonen, den Ausbruch des T-Virus nachzustellen. So konnte man dem jeweiligen Gegner zeigen, was für verheerende Auswirkungen der Virus hat und damit noch einmal eine Stange Geld machen. Wir wissen alle, dass das eine dumm Idee war, die voll nach hinten los ging.

Zugegeben – die gesamte Reihe ist natürlich irrsinnig blöd, aber in Resident Evil: Retribution wurde richtig tief in die Trickkiste gegriffen, um die Geschichte irgendwie am Laufen zu halten. Autor, Regisseur und "Vater des Franchises", Paul W.S. Anderson, holt all die ollen Kamellen aus dem Regenschirm. Neben der Red Queen, die wir im ersten Teil gesehen haben, sind auch Rain (Michelle Rodriguez), One (Colin Salmon) und Carlos (Oded Fehr) wieder dabei. Die waren mal gut als Nebenfiguren, wieso sollten wir die nicht wieder ins Programm nehmen? – Weil sie tot sind? – Dann klonen wir sie eben. — Gesagt, getan. So einfach ist das. Die Red Queen hat in ihrer Anlage eine fette Kloning-Maschinerie am Laufen. Das sorgt natürlich noch für ein bisschen Verwirrung bei den Zuschauern, wenn wir eine Alice als brave Vorstadt-Hausfrau sehen, die bei einer Zombie-Attacke ihre taube Tochter Becky (Aryana Engineer) retten will.

Genau, schmeißt noch mal ein Kind ins Rennen. Das erzeugt bei der echten Alice – die im letzten Teil durch Wesker ihrer Kräfte beraubt wurde – noch ein paar Muttergefühle. Alice kapiert zwar schnell, was hier vor sich geht, aber Becky nicht. Also versucht Alice die Mutter zu spielen. Ach ja, Muttergefühle … Auch über Klon-Grenzen und zwischen Zombie-Attacken immer noch stark.

Hatte Wesker nicht Alice die Kräfte geraubt? Ja, hatte er. Wieso kann die Kampfamazone auf einmal Zeichensprache und sich so mit der kleinen Adoptivtochter unterhalten? Sollte das eine logische Lücke sein? Tstststs.

Anderson dreht im fünften Teil des Franchise völlig durch. Die Sicherheitskräfte in der Anlage laufen alle mit langen Mänteln und Gasmasken herum – das schaut ein wenig nach Nazi-Figuren oder zumindest einer Fascho-Gesellschaft aus. Um mehr böse Bösewichte zu haben streut Anderson noch richtig mächtige Untote rein, die die Rettungstruppe in “Moskau" angreifen. Diese Untoten sehen aber wirklich aus wie Nazi-Zombies. Was ist bei Anderson nur schief gelaufen …?

Resident Evil: Retribution ist im Grunde ganz simpel: Finde den Weg aus dem Labyrinth, erschlage Monster und rette Unschuldige. Eine ganz einfache Rezeptur. Irgendwie langweilig mit der Zeit. Und das Ende? Oh. Mein. Gott. Auch hier dachte sich Anderson, müsste er noch einmal nicht eine Schippe, sondern einen ganzen Laster mit Sand drauflegen: Wesker hat Alice nicht ohne Grund befreien lassen. Man verschanzt sich im Weißen Haus und bereitet sich auf die letzte Schlacht der Menschheit vor. Der ehemalige Regierungssitz in Washington ist derweil umgeben von einer Flut von Untoten und Monstern, die alle über die Verteidigungslinie wollen. Wieso sind da auf einmal Flugmonster? Und wieso haben die noch schon längst das Weiße Haus eingenommen?

Der Film wurde natürlich – man muss es ja ausreizen – in effing 3D gedreht, was auch wieder sichtbar ist, wenn auf einmal Dinge auf den Betrachter zufliegen. Zumindest haben sie den Schwachsinn ein wenig runtergedreht im Vergleich zum Vorgänger Resident Evil: Afterlife. Liegt es am 3D, oder warum schaut Wesker bis zum Ende aus, als wäre er gar nicht vor der Kamera, sondern nur aus dem Rechner stammend?

Schwachsinnig ist auch – wie schon bei den Vorgängern – die Sache mit der Kleidung. Alice wurde mal eben in ein Lack-Outfit à la Selene aus Underworld gesteckt. Kam da schon gut an. Und dann lassen wir sie auch mal schön mit hohen Absätzen rumlaufen. Weil das ja so praktisch ist, damit vor Zombies wegzulaufen. Obwohl … wer auch nur halbwegs genau hinschaut, wird sehen, dass Milla zwischendurch immer wieder mit flachen Schuhen kämpft. Warum zum Teufel hohe Absätze, wenn die im Laufe der Geschichte aus Sicherheitsgründen wieder ausgetauscht werden? *seufz*

Hartgesottene Fans freuen sich bestimmt über den Film, aber Otto Normalkinogänger wird langsam müde.

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